Der Pumuckl mischt den Englischen Garten auf – natürlich ist er dabei für alle außer für die Fernsehzuschauer unsichtbar. Auf einem Sitzrasenmäher fährt er kreuz und quer durch Münchens größten Park und schleudert Passanten, die nichts Böses vermuten, eine Ladung frisch gemähtes Gras ins Gesicht.
Jaja, die Deutschen und ihr eigenwilliger Humor. Schadenfreude hat im deutschen Fernsehen schon immer funktioniert. Und die Figur des frechen Klabautermanns spielt seit jeher gerne Streiche. Wieso also nicht beides zu einem Versteckte-Kamera-Format kombinieren, hat sich der Streamingdienst Amazon gedacht und dem Pumuckl seine eigene Show gegeben. Die 80er lassen grüßen! Tatsächlich wirkt diese Show wie eine Neuauflage von „Verstehen Sie Spaß“ oder „Pleiten, Pech und Pannen“ – und damit auch ganz schön aus der Zeit gefallen.
Zeitgemäßer Humor sieht anders aus
Aber irgendwie passt das ja auch zum Pumuckl, der als Fernseh-Zeichentrickfigur selbst ein Kind der 80er ist und natürlich an unsere Nostalgie rührt. In der ersten Folge lässt er – Schnick Schnack Schabernack – Büromitarbeiter gegen eine durchsichtige Klarsichtfolie laufen, Jogger und Spaziergänger in ein laubbedecktes Wasserloch stürzen und Autofahrer in der Waschanlage im Schaum absaufen.
Der Witz ist natürlich immer der Gleiche: Die Reingelegten machen sich zum Affen, wir lachen auf ihre Kosten, sie lachen erstaunlich oft über sich selbst. Viele Gags wirken jedoch eher inszeniert als authentisch. Zeitgemäßer Humor sieht sowieso anders aus. Aber man kann es auch so sehen: So viel Mut zum altbewährten Kalauer muss man erst einmal haben, zumal als vermeintlich hochinnovatives Tech- und Entertainment-Unternehmen. Auch beim Pumuckl ist alles beim Alten: Geschwätzig plappert er vor sich hin, die KI-bearbeitete Stimme – dahinter steckt der bekannte Schauspieler und Comedian Michael Kessler – klingt allerdings etwas schärfer als in der früheren Fernsehserie. Pumuckl reimt, singt, verschwindet und taucht dann wieder auf.
Sightseeing für Nicht-Bayern
Die Story rund um seine Streiche ist denkbar einfach. Pumuckl streift durch München auf der Suche nach dem Meister Eder – und kehrt am Ende in die Schreiner-Werkstatt im Lehel zurück. Bis dahin hat er alle großen Landmarks der Landeshauptstadt mit Schabernack beglückt. Inklusive einiger Abstecher ins Umland, etwa nach Freising, an den Tegernsee und nach Bad Tölz. Der Bayer kann sagen, „da war i scho“, der Preiß bekommt gratis Sightseeing. Für Kinder und Familien können die kurzen, 20-minütigen Folgen durchaus ein Zeitvertreib sein. Besser aber: Man schaut die originalen 80er-Folgen. München und seine Menschen sind die eigentlichen Stars der neuen Show. Denn sie nehmen die meist doch sehr flachen Streiche gelassen hin und machen gute Miene zum bösen Spiel. Humor ist eben, wenn man trotzdem lacht.

