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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Kultur > Richard Siegal in Nürnberg: „Die Messlatte liegt wirklich hoch“
Kultur

Richard Siegal in Nürnberg: „Die Messlatte liegt wirklich hoch“

Uta Schröder
Zuletzt aktualisert 19. September 2024 13:46
Von Uta Schröder
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4 min. Lesezeit
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Er ist ein ruhiger Typ, geradezu tiefenentspannt, lässt sich viel Zeit zum Denken, spricht leise. Zurzeit lädt Richard Siegal in New Hampshire seine Batterien auf. Hier ist er aufgewachsen: „Es war schon damals eine sichere, gutsituierte Gegend, wo man die Türen nicht abschloss, die Fenster im Auto offenließ. Man kannte alle, und wenn nicht, winkte man ihnen auf der Straße trotzdem zu. Und als Kind hatte ich viel Freiheit, konnte umherstreifen und in den Wäldern wandern.“

Inhaltsübersicht
Präzise wie ein UhrwerkMusik als Quelle der Inspiration

Richard Siegal ist ein ruhiger Gesprächspartner, als Choreograf, der den Tanzenden Anweisungen erteilt, ist er von der Ausstrahlung her das komplette Gegenteil: alle stehen unter Starkstrom. Und so staunt man in den Balletten von Richard Siegal zuerst mal, wozu menschliche Körper rein physisch in der Lage sind! Gemeint sind weniger Beine aus Gummi wie bei einer Barbie oder derwischartige Drehungen. Obwohl es beides gibt!

Präzise wie ein Uhrwerk

Vielmehr der Bewegungsfluss der Tanzenden, der in atemberaubender Weise aufeinander abgestimmt ist. Ein Miteinander, so präzise wie ein Uhrwerk. Mechanisch und doch menschlich, als ob Siegal einen anstupsen wollte: Sag mal, wie viel Mensch steckt eigentlich in dir, oder schnurrst du durchs Leben wie eine Maschine. Siegals Idee von Tanz ist nie nur Bewegung, sondern immer viel Metaebene. Deshalb „Ballet of difference“. Das etwas andere Ballett! Mit Spitzenschuhen, aber ohne Tüllröckchen. „Was wir versuchen, ist, neugierig zu bleiben, flexibel zu bleiben und offen fürs Lernen. Weil alles dynamisch ist und sich ständig verändert. Wir sind weniger im Erhaltungsgeschäft als im Innovationsgeschäft, obwohl beides notwendige Pole für eine gesunde Kulturlandschaft sind.“

Innovatives Ballett braucht eine eingespielte Compagnie, Tänzerinnen und Tänzer, die sich vertrauen, die bereit sind, zu experimentieren. Das bedeutet für Richard Siegal, er möchte auch in Nürnberg Menschen um sich versammeln, die Flexibilität haben und nicht nur nach diszipliniertem Training an der Ballettstange lechzen. Das wichtigste sei, „unser Team zu bilden, das Managementteam und natürlich die Künstlerinnen und Künstler. Was Goyo Montero in seinen zehn Jahren in Nürnberg gemacht hat, ist beeindruckend, was bedeutet: Die Messlatte liegt wirklich hoch. Zusätzlich ändert sich die ganze Situation fürs Ballett auch noch durch das neue Theater!“

Musik als Quelle der Inspiration

24 Tänzer gehören zu Goyo Monteros Truppe, einige gehen mit ihm nach Hannover, manche werden bleiben. Auf jeden Fall wird es neu zu besetzende Stellen geben. Gerne würde Richard Siegal einige Tänzer aus seiner „alten“ Compagnie, mitbringen. Gesetzt den Fall, sie wollen, fügt er hinzu. Um dann in dieser neuen Konstellation die alte Frage zu wälzen: wie schaffen wir anderes, neues, ungewohntes. „Was ist der Unterschied, was ist ‚das Andere‘? Ich kann die Frage nicht klar beantworten, weil die Antwort das ist, was wir tun. Und da wir ja immer in Bewegung sind, geistig wie körperlich, wird es nie eine einzige gültige Antwort geben. Ich kann aber sagen, dass wir als Team im Suchen nach Antworten unglaublich viel Freude haben.“

Besonders neugierig ist Richard Siegal auf die Spielstätte in Nürnberg. Also auf das Reichsparteitagsgelände, das Ausweichquartier des Staatstheaters. Berührungsängste mit dem geschichtsträchtigen Ort hat er nicht. Inspirieren wird ihn die Geschichte hingegen schon. Wie, das weiß er noch nicht. Erst mal braucht er dafür die passende Musik. „Musik ist für mich eine unendliche Quelle der Inspiration.“

 

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Von Uta Schröder
Uta Schröder ist eine versierte Kulturjournalistin und leitet das Ressort Kultur der WirtschaftsRundschau. Mit ihrem umfassenden Wissen und ihrer Leidenschaft für Kunst und Kultur bietet sie tiefgehende Analysen und spannende Einblicke in die kulturelle Landschaft.
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