Supergirl kann fliegen, aber stürzt oft auch ab. Supermans Cousine hat nämlich eine Schwäche für Whiskey. Der neue, gleichnamige Film „Supergirl“ aus dem neuen DC-Comics-Universum von James Gunn erzählt die Ursprungsgeschichte der eigentlich friedliebenden Kryptonierin.
„Supergirl“ ist ein Plädoyer fürs Kämpfen
Anfangs erklärt Kara Zor El, so heißt Supergirl bürgerlich, dass sie anders ist als ihr Cousin. „Er sieht das Gute in jedem, ich sehe die Wahrheit“, sagt sie. Supergirl musste – anders als Superman – den Untergang ihres Heimatplaneten Krypton mit ansehen. Noch glaubt sie also, dass sie das Elend in der Welt am besten aushält, wenn sie mit ihrem Hund Krypto von Bar zu Bar zieht. Die Grundeinstellung von Supergirl ändert sich im Film jedoch, als sie auf die Briganten trifft. Fiese Aliens, wie sie klischeehafter nicht gehen: Sie morden zum Spaß, versklaven unschuldige Frauen und vergiften den süßen Hund Krypto. Supergirl muss ihr Trinkerleben also an den Nagel hängen und in den Kampf ziehen.
Aliens mit arabischem Akzent
Und weil Supergirl fliegen und Laser aus ihren Augen schießen kann, lautet die Botschaft: Wer so viel Macht hat, kann nicht tatenlos zusehen, wenn anderswo schlimme Dinge passieren. Die barbarischen Aliens, die auf der anderen Seite stehen, haben nichts Liebenswertes. Supergirl muss sie folgerichtig quer durchs Weltall jagen. Und weil sie zu allem Überfluss auch mit einer Mischung aus osteuropäischem und arabischem Akzent sprechen, schaut sich der Film fast wie die Rechtfertigung der US-Militärinterventionen in Iran oder Venezuela.
Zelebriert Hollywood den Krieg?
Ein Muster, das sich in aktuellen Hollywood-Filmen wiederholt. In „The Mandalorian and Grogu“ tickt Hauptheld Mando anfangs genau wie Supergirl. Er will sich aus politischen Angelegenheiten raushalten. Doch die Bösewichte des Films, die Hutten, lassen dem Helden keine andere Wahl als zu kämpfen. Auch in „Masters of the Universe“ – dem Reboot des 80er-Jahre Helden He-Man – sehen wir einen Helden, der Konflikte anfangs mit Dialogen und Kompromissen lösen möchte. Eine Sprache, die Widersacher Skeletor aber nicht versteht, weshalb auch He-Man zum Schwert greifen muss. Bekannt ist schon länger, dass das US-Verteidigungsministerium immer wieder Einfluss auf Drehbücher von Action-Filmen hatte. Nun wirken viele Produktionen wie ein Spiegel der aggressiven US-Außenpolitik.
Die Welt von Westeros bleibt pazifistisch
Aber: Aktuelle Blockbuster liefern auch andere Deutungsangebote. In der Fantasy-Serie „House of the Dragon“ geht es um einen Machtkampf zwischen zwei Fraktionen innerhalb der Adelsfamilie Targaryen. Das ist die mächtigste Familie des Kontinents, weil sie die Macht über Drachen haben: ein militärisch unschlagbarer Vorteil. Aber weil sich die Targaryens nicht einig sind, wer der rechtmäßige Thronfolger ist, entbrennt ein blutiger Bürgerkrieg innerhalb der Familie, der das ganze Land erfasst. Wir sehen Schlachten, in denen Familienmitglieder ihre Armeen und ihre Drachen aufeinander loslassen. Die Serie macht es beim Schauen dabei aber unmöglich, für eine der beiden Fraktionen Partei zu ergreifen.
Drachen in Westeros: Unkontrollierbar
In dem Krieg, der hier gezeigt wird, gibt es viele Kollateralschäden. Und die Serie warnt: Wenn junge Menschen heldenmutig in die Schlacht ziehen (wie in der ersten Folge der dritten Staffel), geht das für sie meistens nicht gut aus – auch weil sich die größte Waffe der Targaryens, die Drachen, sich immer wieder gegen die eigenen Leute wendet und nicht zwischen Freund, Feind und Zivilisten unterscheiden kann. Krieg und Kämpfen haben in diesem „Game of Thrones“-Spinnoff – anders als in den immer gleichen Superheldenfilmen – wenig Heroisches.

