Er hat nie einen Führerschein besessen, früher mal davon geträumt, Theaterintendant zu werden, und dann doch lieber den Beruf des Verlegers ergriffen: „Traumberuf Verleger“, so nannte Klaus Gerhard Saur, besser bekannt als K. G. Saur, seine Erinnerungen. Der gebürtige Pullacher war einer der erfolgreichsten Wissenschaftsverleger der Republik, verlegte 8.600 Titel in rund 14.000 Bänden. Nun ist er mit 85 Jahren verstorben.
Hohes Ansehen in der akademischen Welt
Mit seinem Verlag K. G. Saur war er eher Fachleuten und Bibliothekaren ein Begriff als dem allgemeinen Lese-Publikum. Wenn man ihn danach fragte, dann schmerzte das den Mann nicht, der von sich selbst zugab, durchaus eitel zu sein: „Ich bin bekannt bei allen Bibliothekaren der Welt, dann auch weitgehend bei den Historikern und Germanisten. Also bei den Professoren, da ist der Bekanntheitsgrad enorm hoch.“
Ein Herz für Mammutprojekte
K. G. Saur, dessen sympathisch kauzige Bücherverrücktheit ihm mit den Jahren einen ansehnlichen Buckel bescherte, verlegte eine spezielle Form von Literatur: das „Allgemeine Künstlerlexikon“ etwa. Ein Nachschlagewerk, dessen erster Band 1983 erschien und vierzig Jahre später – 2023 – mit dem 119. Band dann komplettiert war.
Saur verlegte den berühmtesten Bibliothekskatalog der Welt, den „British Library General Catalogue of Printed Books“. Fast 1.000 Bände waren das. Er liebte Mammutprojekte: „Das sind 18 Meter Regalfläche in der Bibliothek“, erzählte er im BR-Gespräch. „Und immer grell eingebunden, sodass sie unübersehbar sind. Das ist eines der Nachschlagewerke, die zu den Brotartikeln gehören, die in der Branche sehr benutzt werden.“
Förderung des deutsch-israelischen Dialogs
Zu K. G. Saurs eigener Lebensbeschreibung gehören Begegnungen mit Künstlern wie Wieland Herzfelde oder auch Franz Kafkas Freund Max Brod, den er kennenlernte, als er die deutsche Buchausstellung in Israel leitete. Sehr früh schon hatte sich K. G. Saur für den deutsch-israelischen Dialog eingesetzt. Das ist auch deshalb bemerkenswert, weil er in seiner Laufbahn oft die Frage gestellt bekam: „Sind Sie nicht der Sohn vom Rüstungs-Saur?“
Aufarbeitung der familiären NS-Geschichte
K. G. Saur war der Sohn eines ranghohen Nazis, der während des Dritten Reichs für die deutsche Rüstungsproduktion zuständig gewesen war: Karl Otto Saur. Als dessen Sohn verlegte er später ein bedeutendes Kompendium, das „Biographische Handbuch der deutschsprachigen Emigration 1933–45“ – bis heute das Standardwerk der Exilforschung.
War diese verlegerische Großtat ein Akt der Wiedergutmachung? „Ich glaube schon,“ antwortete K. G. Saur auf die Frage. „Ich habe daraufhin unendlich viele Nachschlagewerke zum Antisemitismus, zur Holocaust-Forschung, zur Emigration, zur Exilliteratur verlegt.“
Viele Dinge habe er angeregt und gefördert: „Die Auschwitz- und Sinti- und Roma-Gedenkbücher, die Totenlisten von Auschwitz – alles ganz furchtbare Veröffentlichungen. Aber die eben zur Information über das nicht zu Verstehende einfach notwendig sind.“
Nun ist der Verleger K. G. Saur, wie der BR aus Familienkreisen erfuhr, im Alter von 85 Jahren gestorben.

