Eine der derzeit erfolgreichsten Bands der Welt wird nicht am größten Musikpreis der Welt teilnehmen: Die K-Pop-Giganten BTS haben angekündigt, keinen Beitrag für die Grammy Awards im kommenden Jahr einzureichen. Hintergrund ist die Einführung einer neuen Preiskategorie, mit der BTS nicht einverstanden sind.
Als „Best Asian Pop Music Performance“ sollen künftig Anwärter aus asiatischen Musikmärkten ausgezeichnet werden. Damit sollen Acts aus Korea oder Japan als eigene Kategorie und nicht zusammen mit den großen Namen aus der US- und europäischen Musikindustrie eingestuft werden. Dies werten BTS offenbar als Exotisierung und Abwertung. „Wir hoffen, dass Musik unabhängig von Region oder Sprache gehört und geliebt werden kann – einfach als Musik selbst“, schreiben die sieben Musiker von BTS auf ihren Social-Media-Kanälen.
K-Pop als weltweiter Exportschlager
BTS verhalfen der südkoreanischen Popmusik, also dem K-Pop, zum internationalen Durchbruch. Ihre weltweite Relevanz zeigt nicht nur der Auftritt bei der Halbzeitshow im WM-Finale im Juli; BTS waren 2020 die erste K-Pop-Band an der Spitze der US-Charts. Nach ihrem diesjährigen Comeback mit dem Album „Arirang“ galten sie als Topanwärter auf einen Grammy – den sie bislang trotz mehrfacher Nominierungen nicht gewinnen konnten.
Nach der Ankündigung von BTS reagierte der Grammy-CEO Harvey Mason Jr. auf Instagram. Er „verstehe und respektiere“ die Entscheidung, allerdings solle die neue Asia-Kategorie nicht „spalten“, sondern die Vielfalt erhöhen. „Mehr Kategorien heißt mehr ausgezeichnete Artists“, schrieb der Musikproduzent in einem Statement (externer Link). K-Pop-Fans dürfte das wenig zufriedenstellen, denn viele wünschen sich für ihre Stars keine eigene Kategorie, sondern den Hauptpreis.
Immer wieder kritisieren Stars die Grammy-Nominierungen
BTS sind nicht die ersten prominenten Grammy-Kritiker. Immer wieder stören sich Stars an den Nominierungen und Kategorisierungen der „Recording Academy“, der Organisation hinter den Grammys.
2021 beschwerte sich zum Beispiel der kanadische R&B-Sänger The Weeknd über mangelnde Würdigung seiner Hit-Single „Blinding Lights“ und bezeichnete die Auswahlverfahren der Grammys als „korrupt“. Im selben Jahr kritisierte Pop-Megastar Justin Bieber, dass er mehrfach in der Sparte „Pop“ nominiert wurde, obwohl sein Album „Changes“ ganz klar ein R&B-Album sei.
Grundlegender und weniger ich-bezogen war die Kritik des genreübergreifenden US-Rappers und Songwriters Tyler, The Creator (externer Link), nachdem er 2020 den Grammy für das beste Rap-Album erhalten hatte. Im Nachgang der Preisverleihung bezeichnete er die Kategorisierung Rap als „backhanded compliment“ – so, als ließe man ihn nicht bei den Großen mitspielen. Außerdem störe er sich an der Bezeichnung „Urban“, die für ihn „nur eine politisch korrekte Alternative des N-Wortes“ sei. Daraufhin hatte die Recording Academy angekündigt, in ihren Kategorien künftig auf den Begriff „Urban“ zu verzichten.
BTS-„Army“: Auch ohne Grammy weltweite Unterstützung
Ob die Grammys nach der BTS-Kritik auch bei ihrer Asien-Kategorie einlenken, bleibt abzuwarten. Seit 2020 sind Bands und Künstler jedenfalls durch Streaming und Social Media noch unabhängiger von alten Musikmarkt-Mechanismen geworden. BTS genießen weltweit die Unterstützung ihrer Fanbase, der sogenannten „Army„, die den Erfolg ihrer Idole immer wieder kreativ befeuert hat – etwa durch Nachrichten an Radiosender. In Kommentaren auf Social Media weisen „Army“-Mitglieder darauf hin, dass BTS längst größer seien als die Grammys.

