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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Wirtschaft > Alternative zu USA – Bayerische Firmen setzen auf Mexiko
Wirtschaft

Alternative zu USA – Bayerische Firmen setzen auf Mexiko

Christin Freitag
Zuletzt aktualisert 7. April 2026 08:49
Von Christin Freitag
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5 min. Lesezeit
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Wer sich noch nie genauer mit dem Land beschäftigt hat, denkt beim Stichwort Mexiko vielleicht an Sombreros, Strände und Tequila, möglicherweise aber auch an die Gewalt der Drogenkartelle. Solche Klischees seien aber nur ein Teil eines sehr viel komplexeren Gesamtbildes, so Tobias Gotthardt.

Inhaltsübersicht
Mexiko baut mehr Autos als Frankreich oder ItalienFreihandel statt AbschottungUnterschätzter RieseMexiko will sich von der US-Abhängigkeit lösenDie größten bayerischen Player in Mexiko

Der bayerische Wirtschafts-Staatssekretär (Freie Wähler) verwies jetzt bei einer Delegationsreise durch Mexiko auf die wirtschaftliche Dynamik des Landes und die großen Chancen, die sich für Firmen aus dem Freistaat böten. So sei das Image der deutschen Industrie in Mexiko sehr positiv, die meisten der dort vertretenen Unternehmen hätten auch gute Erfahrungen gemacht. Kürzlich zum Beispiel mit Infrastrukturprojekten im Vorfeld der anstehenden Fußball-WM.

Mexiko baut mehr Autos als Frankreich oder Italien

Schon jetzt sind Hunderte bayerische Firmen in Mexiko vertreten, einige mit Vertriebsbüros, andere mit großen Produktionsstandorten wie zum Beispiel die Autobauer Audi und BMW. Dazu kommen Fabriken von Autoherstellern aus den USA und Fernost.

Inzwischen produziert Mexiko wesentlich mehr Fahrzeuge als etwa Frankreich oder Italien zusammengenommen, und das oft in Fabriken, die mit neuester Technologie ausgerüstet sind, sagt Christoph Angerbauer von der Geschäftsführung der IHK für München und Oberbayern: „Wir waren unter anderem auch an einer der berühmtesten Universitäten in Mexiko, die Tec de Monterrey, die tatsächlich Forschung auf Weltniveau betreibt.“

Auf das gute Niveau bei der Ausbildung verweist auch Alejandro Preinfalk, Landeschef von Siemens. Er sagt, in Mexiko gebe es zum Beispiel jedes Jahr mehr Absolventen in Ingenieursfächern als in Deutschland. Die Regierung fördere dabei auch das Interesse von Mädchen und jungen Frauen an Naturwissenschaften und Technik. Inzwischen gebe es auch mehr und mehr Programme zur sogenannten dualen Berufsausbildung nach deutschem Vorbild, bei der schulische und praktische Ausbildung verbunden werden.

Freihandel statt Abschottung

Was Mexiko im Vergleich zum großen Nachbarn aus Sicht von bayerischen Industrievertretern besonders interessant macht: Die Regierung setzt auf Freihandel und partnerschaftliche Beziehungen statt auf Abschottung. Das sei zum Beispiel für den exportorientierten Maschinenbau wichtig, so Elgar Straub vom Branchenverband VDMA Bayern.

Angesichts von globalen Tendenzen zu immer mehr Abschottung sei das ein wichtiges Signal. Dazu kommt: Auch geographisch bietet Mexiko einige Vorteile. Dank der langen Grenze mit den USA sowie mit Häfen am Atlantik und Pazifik lassen sich die größten Märkte der Erde vergleichsweise einfach beliefern.

Unterschätzter Riese

Ein Fazit der knapp 30-köpfigen bayerischen Wirtschafts-Delegation nach einer Woche Mexiko: Von Europa aus unterschätze man schnell, mit welcher Wucht sich das Land wirtschaftlich entwickle, sagt zum Beispiel die Grünen-Abgeordnete Stephanie Schuhknecht, Vorsitzende des Wirtschaftsausschusses im Landtag.

Gerade im Norden, in Städten wie Monterrey und Saltillo sei ihr schon beim Blick vom Flieger aus aufgefallen, wie viel Industrie dort angesiedelt sei. „Das war mir tatsächlich nicht so bewusst, was da für ein Powerhouse existiert und was da für ein Drive ist. Und wie eng die Verknüpfung mit den USA ist.“

Mexiko will sich von der US-Abhängigkeit lösen

Diese enge Verknüpfung bedeutet jedoch auch eine einseitige Abhängigkeit Mexikos vom großen Nachbarn USA. Bisher wickelt das Land rund 80 Prozent seines Außenhandels mit den Vereinigten Staaten ab. Deswegen versucht Mexikos Regierung, den Kontakt zu europäischen Regionen zu verbessern. Derzeit wird ein bestehendes Wirtschafts-Abkommen mit der EU überarbeitet.

Die erneuerte Fassung steht kurz vor der Vollendung. Sie soll auch deutschen Firmen den Zugang zum lokalen Markt und zu staatlichen Ausschreibungen erleichtern. Das biete viel Potenzial für Firmen aus Bayern, sagt Alejandro Preinfalk, der das Mexiko-Geschäft von Siemens leitet: „Wir wollen mehr europäische Industrie in Mexiko, und umgekehrt mehr mexikanische Firmen in Europa. Und das ist eine wichtige Botschaft: Mehr Diversifikation und mehr Geschäft für beide Seiten.“

Die größten bayerischen Player in Mexiko

Zuletzt lag das bayerisch-mexikanische Handelsvolumen bei rund vier Milliarden Euro. Damit ist das Land schon jetzt der größte Partner des Freistaats in Lateinamerika. Mit mehr als 130 Jahren am längsten vor Ort vertreten ist Siemens.

Der Münchener Konzern hat in Mexiko inzwischen rund 8.000 Mitarbeiter, Tendenz steigend. Dahinter folgen die beiden Autobauer BMW und Audi. Beide beschäftigen in ihren Werken jeweils tausende von Menschen und fertigen jeweils für den Weltmarkt.

 

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Christin Freitag ist eine erfahrene Wirtschaftsjournalistin und Analystin, die sich auf Finanzmärkte, Unternehmensstrategien und Wirtschaftspolitik spezialisiert hat. Mit über 10 Jahren Erfahrung liefert sie fundierte Analysen und tiefgehende Einblicke für die Leser der WirtschaftsRundschau.
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