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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Wirtschaft > Studie über Abwrackprämien sorgt für Diskussionen
Wirtschaft

Studie über Abwrackprämien sorgt für Diskussionen

Christin Freitag
Zuletzt aktualisert 28. Oktober 2024 07:54
Von Christin Freitag
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4 min. Lesezeit
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Die Europäische Union will bis 2035 nur noch Neuwagen zulassen, die null Emissionen ausstoßen. Doch beim „International Council on Clean Transportation“ (ICCT) – auf Deutsch „Internationaler Rat für saubere Verkehrsmittel“ – weist man darauf hin, dass diese Maßnahme nicht ausreichen wird, um auch die Klimaziele der EU zu erreichen.

Inhaltsübersicht
Hoher Kfz-Bestand sorgt für hohe Emissionen auch in der ZukunftAbwrackprämien für CO₂-ReduktionSind „E-Fuels“ eine Alternative?Kein Geld für Abwrackprämien

Hoher Kfz-Bestand sorgt für hohe Emissionen auch in der Zukunft

Dem Kraftfahrtbundesamt zufolge sind hierzulande aktuell 49 Millionen Autos angemeldet. Das ist der größte Fahrzeugbestand in der Europäischen Union. Auch wenn der Anteil an elektrischen Autos in Zukunft bei den Neuzulassungen zunehmen dürfte, so werden in den nächsten Jahrzehnten noch Millionen Verbrenner auf den Straßen unterwegs sein. Die Organisation ICCT schlägt deshalb einen Maßnahmenmix vor, um die Emissionen im Fahrzeugbestand zu reduzieren. Neben dem Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs wird auch ein Tempolimit empfohlen sowie Abwrackprämien.

Abwrackprämien für CO₂-Reduktion

Diese Prämien sollten folgendermaßen ausgezahlt werden: Für Dieselautos, die im Jahr 2030 älter als 15 Jahre sein werden und für Benziner, die dann mehr als 25 Jahre auf dem Buckel haben, soll es zwischen 2.000 und 6.000 Euro geben, gestaffelt nach Alter. Damit ließen sich elf Millionen Tonnen CO₂ einsparen, so die Prognose der Organisation.

Experten allerdings weisen hier auf einen gravierenden Mangel hin: Denn auch Elektroautos verursachen Emissionen, zwar nicht beim Betrieb, allerdings bei der Herstellung, und zudem ist auch die Stromproduktion nicht immer CO₂-frei. Es kommt hier auf den Strommix an: Je mehr fossile Energien für die Erzeugung von Strom verwendet werden, desto schlechter die CO₂-Bilanz. Das alles werde bei der Berechnung der ICCT aber nach Ansicht dieser Fachleute nicht berücksichtigt.

Die Produktionsemissionen von Elektroautos seien auf die Lebensdauer der Fahrzeuge zu vernachlässigen, meint dazu Peter Mock, der Europachef von ICCT auf BR24-Anfrage. Seine Organisation geht zudem davon aus, dass in den kommenden Jahren regenerative Energien bei der Stromproduktion weiter stark zulegen werden. Man empfehle zudem keine Abwrackprämien, sondern wolle mit den Vorschlägen nur die Wirkungen solcher Maßnahmen aufzeigen.

Sind „E-Fuels“ eine Alternative?

In der Diskussion um weniger CO₂ im Autoverkehr spielen auch sogenannte „E-Fuels“ immer wieder eine Rolle. Diese synthetischen Kraftstoffe sind klimaneutral, wenn sie mit grünem Strom hergestellt werden, zum Beispiel mit Windkraft. Mit E-Fuels können auch ältere Verbrenner gefahren werden.

Beim ICCT kommt man in der Studie allerdings zu dem Schluss, dass sich mit E-Fuels nur 190.000 Tonnen CO₂ einsparen ließen, wenn die EU-Erneuerbare-Energien-Richtlinie „Red III“ zur Produktion von alternativen Kraftstoffen so umgesetzt wird wie vorgesehen. Das wäre deutlich weniger, als eine Abwrackprämie bringen würde, meint man beim ICCT.

Die Organisation geht zudem davon aus, dass im Jahr 2030 ein Liter E-Fuel 2,9 Euro kosten wird. Die Produktionskosten für E-Fuels seien hoch, und der Import aus dem Ausland werde voraussichtlich auch in einigen Jahren noch dreimal so teuer sein wie ein Abwrackprogramm – ohne dabei die gesundheitlichen Vorteile eines solchen Programms zu berücksichtigen, meint der ICCT-Europachef Peter Mock.

Kein Geld für Abwrackprämien

Zudem würde so eine Aktion auch viel Geld kosten und das in Zeiten leerer Kassen. Der Studie nach würden die Gesamtkosten dieser Abwrackprämie bei 35 Milliarden Euro liegen und acht Millionen Fahrzeuge betreffen. Der Autoexperte Prof. Stefan Bratzel mahnt zudem an, dass solche Verschrottungsprämien in der Regel nur ein Strohfeuer entfachen. Besser wären seiner Ansicht nach „Push and Pull“-Maßnahmen, wie die stärkere CO₂-Besteuerung von Verbrennerfahrzeugen beziehungsweise von Diesel und Benzin. Mit diesen zusätzlichen Einnahmen könnte der Ladestrom von Elektroautos bezuschusst werden.

 

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Christin Freitag ist eine erfahrene Wirtschaftsjournalistin und Analystin, die sich auf Finanzmärkte, Unternehmensstrategien und Wirtschaftspolitik spezialisiert hat. Mit über 10 Jahren Erfahrung liefert sie fundierte Analysen und tiefgehende Einblicke für die Leser der WirtschaftsRundschau.
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