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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Wissen > Bayern steuert um: Schluss mit Tablets für Fünftklässler
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Bayern steuert um: Schluss mit Tablets für Fünftklässler

Michael Farber
Zuletzt aktualisert 3. Juni 2025 08:52
Von Michael Farber
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5 min. Lesezeit
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Der Ministerpräsident ist voll des Lobes für die Idee seiner Kultusministerin Anna Stolz (Freie Wähler): Die Ministerin habe zum Thema Digitalisierung der Schulen einen Vorstoß gemacht, „der mir sehr gefällt“, betont Markus Söder (CSU) zum Abschluss der zweitägigen Kabinettsklausur am Tegernsee. „Umso jünger, umso weniger digital, dafür mehr klassisch.“

Inhaltsübersicht
Abkehr vom KoalitionsvertragMinisterin Stolz: „Noch mehr Augenmaß“BLLV überrascht

Das bedeutet laut Söder, dass es mobile Endgeräte für Schülerinnen und Schüler künftig erst ab der 8. Klasse geben werde, statt schon ab der 5. „Vorher liegt der Schwerpunkt auf Schreiben, Lesen, Handschrift auch selber. Das heißt auch: Die klassischen Bildungsideale bleiben in Bayern.“

Abkehr vom Koalitionsvertrag

Der Ministerpräsident verweist auf Erfahrungen, die in den skandinavischen Ländern mit digitalen Endgeräten in den Schulen gemacht worden seien. In der Tat hat beispielsweise Schweden schon vor zwei Jahren einen Kurswechsel an den Schulen eingeleitet, allerdings ging die Digitalisierung dort viel weiter als in Bayern: In Schweden waren lange auch Vor- und Grundschüler mit digitalen Geräten ausgestattet worden. Seit Mitte 2023 kehren wieder Schulbücher und -Hefte in die Grundschulen zurück.

Einige Wochen später vereinbarten CSU und Freie Wähler in ihrem Koalitionsvertrag, die „digitale Schule und den digitalen Unterricht von morgen weiter kraftvoll“ voranzutreiben: „Bis spätestens 2028 sollen sukzessive alle Schülerinnen und Schüler ab der 5. Klasse mit digitalen Endgeräten ausgestattet werden.“

Im Februar 2024 folgte der entsprechende Beschluss des Kabinetts, die „1:1-Ausstattung aller Schülerinnen und Schüler“ schrittweise zu realisieren. „Bayern setzt damit Maßstäbe“, hieß es im Kabinettsbericht. Schließlich habe ein „erfolgreicher Pilotversuch“ gezeigt: „Mithilfe der mobilen Endgeräte wird der Unterricht innovativ weiterentwickelt, die Medienkompetenz gefördert und schulisches und häusliches Lernen miteinander verschränkt.“ Dazu seien Konzepte entwickelt und erprobt worden. Mit einer offiziellen Bekanntmachung setzte das Kultusministerium den Beschluss am 31. Mai 2024 um.

Ministerin Stolz: „Noch mehr Augenmaß“

Kultusministerin Stolz bestätigt auf BR-Anfrage die geänderten Pläne. „An Bayerns Schulen wird es künftig noch mehr Augenmaß bei der digitalen Bildung geben als bisher“, teilt sie mit. Denn digitale Bildung brauche immer einen pädagogischen Mehrwert und einen zielgerichteten und verantwortungsvollen Einsatz. „Und das heißt für mich ganz klar: umso jünger, umso weniger.“ Gerade in den ersten Schuljahren sei der Erwerb von analogen Kompetenzen entscheidend.

Laut Kultusministerium soll die 1:1-Ausstattung künftig in der Regel ab der 8. Jahrgangsstufe beginnen. Schulen, die einen besonderen pädagogischen Schwerpunkt auf der Vermittlung digitaler Kompetenzen setzen, könnten bereits in der 7. Jahrgangsstufe mit der Umsetzung starten. „In der Grundschule und in der 5. und 6. Jahrgangsstufe sollen die Schülerinnen und Schüler sukzessive an das digitale Lernen herangeführt werden und dabei insbesondere weiterhin mit schulischen Leihgeräten arbeiten.“ Insgesamt stünden im Freistaat derzeit rund 450.000 mobile Endgeräte für Schülerinnen und Schüler zur Verfügung, davon etwa 140.000 allein an Grundschulen.

BLLV überrascht

Die Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands (BLLV), Simone Fleischmann, zeigte sich überrascht von dem Vorstoß. Zwar halte sie die Debatte grundsätzlich für sinnvoll, sagte sie dem epd. Denn die Kernkompetenzen Lesen, Rechnen und Schreiben sollten analog und nicht digital vermittelt werden. Es solle aber den Lehrkräften vor Ort überlassen bleiben, wann und wie ein Tablet zum Einsatz kommt.

Eine Umfrage des Bayerischen Philologenverbands hatte im vergangenen Jahr ergeben, dass sich Lehrkräfte an Gymnasien und Berufsoberschulen verstärkt analoge Inhalte und Methoden statt einer Dominanz des digitalen Lernens wünschen. Verbandschef Michael Schwägerl betonte damals, es brauche „Stift, Buch und Schreiben statt Tippen und Wischen, mehr Blicke in die Augen anderer statt in rechteckige Bildschirme“.

Damals verteidigte Stolz noch die Pläne der Staatsregierung: Die Schulen hätten die Freiheit, selbst zu entscheiden, ab wann sie Tablets im Unterricht verwenden. Wer zu dem Ergebnis komme, die Geräte erst ab der Mittelstufe einzusetzen, der könne das tun.

 

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Von Michael Farber
Michael Farber ist ein erfahrener Journalist, der das Ressort Wissen der WirtschaftsRundschau leitet. Mit seiner Expertise in Wissenschaft und Technologie berichtet er über die neuesten Entwicklungen und Entdeckungen und bietet den Lesern spannende Einblicke in komplexe Themen.
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