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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Wissen > Das Münchner Univiertel und der Nationalsozialismus
Wissen

Das Münchner Univiertel und der Nationalsozialismus

Michael Farber
Zuletzt aktualisert 27. Januar 2026 08:47
Von Michael Farber
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5 min. Lesezeit
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Vom Münchner Siegestor sind es nur wenige Meter zur Ludwigstraße 28 – eine Adresse, die sich die wirtschaftswissenschaftliche Fakultät und große Teile der Juristischen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) teilen. Wahrscheinlich ist jeder Studierende hier schon an den von weißen Säulen flankierten Toren vorbeigelaufen – doch nur wenige kennen die dunkle Geschichte dahinter.

Inhaltsübersicht
Universität: Ort des Grauens und des WiderstandesWeiße Rose wollte Studenten mit Flugblättern wachrüttelnStadtführung auf Studierende zugeschnitten

1939 wurde das „Haus des deutschen Rechts“ eröffnet, in dem Jahr, als der Zweite Weltkrieg begann. Die Professoren, die darin arbeiteten und lehrten, sollten wissenschaftlich und juristisch das Unrecht der Nationalsozialisten legitimieren: Dazu gehörten Morde an behinderten Menschen und Verbrechen an den Bewohnern der von Deutschland besetzten Gebiete. Der Verein „Students remember“ – zu Deutsch: Studenten erinnern sich – will Kommilitoninnen und Kommilitonen sensibilisieren und die Erinnerung daran wachhalten, dass die LMU während des Nationalsozialismus ein Ort des Widerstandes, aber auch ein Ort der Untaten war.

Universität: Ort des Grauens und des Widerstandes

Den Verein gibt es seit 2023, inzwischen hat er rund 70 studentische Mitglieder. Diese bieten unter anderem Stadtführungen an – eine besondere Veranstaltung für viele Teilnehmer anlässlich des Holocaust-Gedenktags am 27. Januar. Das war der Tag, an dem die russische Rote Armee 1945 das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz befreite.

„Unser Ziel ist es zu zeigen, dass es notwendig ist, Verantwortung zu übernehmen und sich mit historischen Themen auseinanderzusetzen“, sagt Simon Fetscher, erster Vorstand von „Students remember“. Er ist überzeugt: „Es hilft, um die Gegenwart zu verstehen und die Zukunft zu gestalten“.

Weiße Rose wollte Studenten mit Flugblättern wachrütteln

Weiter geht es zum Hauptgebäude der LMU – zur Gedenkstätte der Weißen Rose neben dem Lichthof des Hauptgebäudes. Sie erinnert an die studentische Widerstandsgruppe um die Geschwister Hans und Sophie Scholl, die hier Anti-Kriegs-Parolen an die Wände malte und Flugblätter verteilte, in denen sie die nationalsozialistische Gewaltherrschaft scharf kritisierten. 1943 wurde Sophie Scholl dabei beobachtet, wie sie im Lichthof Flugblätter von der Brüstung stieß. Eine Gedenktafel erinnert dort an die Aktion, für die die Geschwister später zum Tode verurteilt wurden.

Obwohl viele der teilnehmenden Studierenden aktuell für ihre Prüfungen lernen müssen, finden sie es wichtig, sich für diese besondere Stadtführung Zeit zu nehmen. Auch, weil die Zeitzeugen 81 Jahre nach Kriegsende immer weniger werden. „Gerade wir als junge Generation verlieren die konkreten Bezüge zum Zweiten Weltkrieg und zu all dem, was damals passiert ist“, sagt Laetitia Flohr. „Deshalb müssen wir uns aktiv bemühen, die Erinnerungen auch in unserem Umfeld und unserer Generation aufrechtzuerhalten.“

Stadtführung auf Studierende zugeschnitten

Ein weiterer Widerstandskämpfer, an den „Students remember“ erinnert, ist Georg Elser. Schon früh erkannte er die Gefahren und Ziele des Hitler-Regimes. „Er verweigerte konsequent den Hitlergruß und entzog sich allen nationalsozialistischen Organisationen“, sagt Daria Letzgus, Vorstandsmitglied von „Students remember“. In der Türkenstraße in Schwabing, ganz in der Nähe der Universität, hat Elser gewohnt und in einer Werkstatt ein paar Häuser weiter Teile der Bombe gebaut, die 1939 im Bürgerbräukeller explodierte, aber Hitler verfehlte.

Viele Teilnehmerinne und Teilnehmer sehen die Vergangenheit auch als Mahnung für die Zukunft. „Die politischen Entwicklungen – vor allem in Ostdeutschland, aber auch im restlichen Land – machen mir große Sorge, weshalb es mir wichtig ist, informiert zu sein“, sagt Arlette Utz. „Dieses Angebot ist eines der ganz wenigen, das wirklich auf Studierende zugeschnitten ist“, lobt auch Paul Anton Schulz-Isenbeck die Stadtführung. Zwar gäbe es viele ähnliche Angebote, aber selten welche, die dezidiert für Studierende gemacht sind und in der Lage sind, sie abzuholen.

„Es gibt einfach kein vergleichbares Menschheitsverbrechen, was je begangen wurde“, sagt Simon Fetscher. „Wir alle empfinden es als unsere Verantwortung, sich damit auseinanderzusetzen, Geschichte zu verstehen und zu begreifen, welche Mechanismen und Strukturen zu solchen Taten führen können.“ Die Studentenführungen finden etwa einmal im Monat statt.

 

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Von Michael Farber
Michael Farber ist ein erfahrener Journalist, der das Ressort Wissen der WirtschaftsRundschau leitet. Mit seiner Expertise in Wissenschaft und Technologie berichtet er über die neuesten Entwicklungen und Entdeckungen und bietet den Lesern spannende Einblicke in komplexe Themen.
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