Der erste europäische Astronaut auf einer bemannten Mondmission dürfte ein deutscher Staatsbürger sein. Das hat Bundesraumfahrtministerin Dorothee Bär (CSU) am Wochenende angekündigt. Die wichtigsten Fragen und Antworten zu einer Mission, die Geschichte schreiben wird – und einen wichtigen Zwischenschritt auf dem Weg zum Mars markieren soll.
Welche deutschen Astronauten kommen in Frage?
In Fachkreisen werden vor allem zwei deutsche Astronauten der Europäischen Weltraumorganisation ESA als realistische Kandidaten gehandelt. Zum einen Alexander Gerst (Jahrgang 1976), der schon zweimal auf der Internationalen Raumstation ISS war, zeitweise als Kommandant. Zum anderen Matthias Maurer (Jahrgang 1970), der bisher einmal zur ISS geflogen ist. Beide verfügen über umfangreiche Weltraumerfahrung – ein entscheidendes Kriterium für eine derart fordernde Mission.
Aus bayerischer Sicht richtet sich der Blick vor allem auf Amelie Schoenenwald, promovierte Biochemikerin und Mitglied der ESA-Astronautenreserve. Bisher war sie nicht im Weltall, weshalb ihre Chancen auf einen Einsatz bei der nächsten geplanten Mondlandung nach heutigem Stand sehr gering sind. Mittel- und langfristig könnte Schoenenwald aber durchaus für Weltraum-Missionen in Frage kommen. Auch die gebürtige Münchnerin Nicola Winter gehört aktuell zur ESA-Astronautenreserve.
Wann wird die Crew bekanntgegeben?
Die endgültige Auswahl dürfte in den kommenden ein bis zwei Jahren fallen. Für Artemis 4 ist bislang allerdings kein offizieller Termin der Bekanntgabe öffentlich. Klar ist bisher nur: Die Gesamtcrew soll aus vier Astronautinnen und Astronauten bestehen, von denen zwei Experimente und Außeneinsätze auf dem Mond ausführen sollen.
Ein ESA-Sprecher teilt auf BR24-Anfrage mit: Generaldirektor Josef Aschbacher werde im Rahmen des Artemis-Programms einen Astronauten deutscher Staatsangehörigkeit vorschlagen. Die endgültigen Entscheidungen würden dann „vom internationalen Gremium für Crew-Operationen unter Berücksichtigung der Missionsziele und der erforderlichen Qualifikationen der Besatzung getroffen“.
Wie wird die Vorbereitung ablaufen?
Die Crew von Artemis 4 wird mehrere Jahre lang trainieren. Im Mittelpunkt stehen Simulatoren für das Orion-Raumschiff und das Mondlandesystem sowie geplante Experimente und mögliche Notfälle. In Unterwasserbecken und bei speziellen Gelände-Übungen werden Mondspaziergänge geprobt, inklusive Arbeiten mit Werkzeugen und Probenentnahmen. Ergänzt wird das Training durch Geologie-Kurse, medizinische Schulungen, Belastungstests und das Einüben von Abläufen.
Was sollen die Artemis-Missionen leisten?
Zuletzt waren Menschen (konkreter: US-Astronauten) 1972 auf dem Mond. Artemis ist das aktuelle Mondprogramm der US-Raumfahrtbehörde NASA, an dem Europa über die ESA beteiligt ist. Nach dem unbemannten Testflug Artemis 1 und dem kürzlich erfolgten Mondumflug mit Artemis 2, soll Artemis 3 im Jahr 2027 vor allem Landetechnik im Erdorbit erproben. Die eigentliche Rückkehr auf die Mond-Oberfläche ist nach derzeitigem Stand für Artemis 4 angesetzt – vermutlich in zwei Jahren. In den folgenden Artemis-Missionen sollen weitere Landungen folgen.
Die Ziele gehen über ein symbolisches „Flagge in den Boden stecken“ hinaus. Im Fokus steht der Mond-Südpol, wo größere Mengen Wassereis in schattigen Kratern vermutet werden. Das Eis könnte künftig zu Trinkwasser, Atemluft und Raketentreibstoff verarbeitet werden.
Zugleich soll eine dauerhafte Infrastruktur entstehen – mit einer stationären Mondbasis, also einer Raumstation, die dauerhaft am Mond-Südpol ist. Zuvor war die fliegende Raumstation „Lunar Gateway“ in der Umlaufbahn des Mondes geplant. Die Missionen dienen als Testfeld für Technologien, die für Flüge mit Astronautinnen und Astronauten zum Mars benötigt werden, zum Beispiel langlebige Lebenserhaltungssysteme und Landetechnik.
Wann genau könnte eine Mars-Mission beginnen?
Konkrete Daten für eine bemannte Marsmission nennt die NASA derzeit nicht. In der Regel ist von einem ersten Flug „in den 2030er‑Jahren“ die Rede – abhängig von Technik, Budget und Politik.
Die Artemis-Missionen gelten als direkte Vorbereitung. Sie dienen nicht zuletzt als Testfeld für Langzeitsysteme, Landetechnik, Strahlenschutz und Logistik – alles Voraussetzungen, um später Crews sicher zum Mars und zurück zu bringen.

