„Erst Kindheit. Dann Smartphone.“, so lautet das Motto und das gemeinsame Ziel der bundesweiten Elterninitative „Smarter Start ab 14“ (externer Link). Der Verein wurde bereits 2019 in Hamburg gegründet und hat inzwischen auch in Bayern viele Unterstützer gefunden.
Dreifache Mutter will sich Gruppendruck nicht beugen
Auch Luise Laufer, Mutter dreier Töchter im Alter von sechs bis elf Jahren, engagiert sich für eine Smartphone-freie Kindheit. Die Münchnerin findet es wichtig, in der lokalen Elterngruppe an der Grundschule ihrer neunjährigen Tochter Fine aktiv zu werden: „Unserer ältesten Tochter haben wir das Smartphone zwar beim Übertritt ins Gymnasium gegeben, und das klappt auch, weil wir sie eng begleiten. Aber bei den Jüngeren wollen wir uns nicht mehr dem Gruppendruck so beugen, weil ich und mein Mann finden, das ist einfach zu früh.“
Handyfreie Klassen statt Gruppenzwang zum Smartphone
Damit Kinder ohne eigenes Handy nicht in eine Außenseiterrolle gedrängt werden, wirbt die Elterninitiative dafür, dass sich Gleichgesinnte für handyfreie Klassen einsetzen. Das Interesse sei seitens vieler Grundschuleltern da, so Laufer.
Deshalb planen sie und ihre Mitstreiter eine großangelegte Umfrage, um herauszufinden, ob sich genug Familien für eine solche Klasse finden. Bei den ab März anstehenden Informationsveranstaltungen zum Übertritt in die weiterführenden Schulen wollen sie mit Infoständen auf ihr Anliegen aufmerksam machen und auch Lehrkräfte für ihre Idee begeistern.
Experten-Aufklärung für Schüler und Eltern
Medientrainer Daniel Wolff unterstützt die Initiative: „Im Workshop weinen regelmäßig Kinder, die auf dem Handy KI generierte Videos mit Gewalt, Pornographie oder Hassvideos gesehen haben. Sie sind oft unfassbar allein mit dieser Erfahrung, weil sie es ihren Eltern verschweigen, aus Angst vor einem Handyverbot.“
Generell sind Handys im Unterricht an vielen Schulen in Bayern tabu. Doch Schulkinder erhielten immer früher ein Smartphone, dabei werde es zunehmend schwieriger, die Inhalte zu kontrollieren. Vielen Eltern sei nicht klar, dass Apps jedem Nutzer andere Informationen anbieten, ob bei TikTok oder Whats-App oder Grok-KI.
Eine neue Gefahr seien auch Chatbots, die sich automatisch an ihre Nutzer anpassten. „Die Kleinen, im Alter von sieben oder acht Jahren, erzählen mir, dass sie Chat-GBT fragen, wie es ihm geht. Sie erleben die KI wie einen echten Freund, weil das Programm ihnen in Schülersprache antwortet.“
Initiative will an Schulen digitale Bildung fördern
Die Forschung belegt, dass unkontrollierte Nutzung von Social-Media und Spielen der Psyche und dem Lernerfolg schaden. Caroline von St. Ange ist Bildungscoach und warnt davor, wieviel Zeit mit der Smartphone-Nutzung verlorengehen kann: „Ich selbst habe das mal gecheckt, wie oft ich am Tag das Handy zur Hand nehme, das war erschreckend oft – und das ist bei Kindern und Jugendlichen ähnlich.“ Auch wenn geeignete Apps das individuelles Lernen fördern können, sind mögliche Folgen einer unkontrollierten Nutzung Konzentrations- und Lernprobleme, und zu wenig Zeit für andere Aktivitäten.
Forschung zeigt Vorteile von Smartphones ab dem Jugendalter
Auch das Deutsche Jugendinstitut plädiert für einen späten und pädagogisch begleiteten Start in die digitale Welt, betont Thorsten Naab in München: „Eine solche Klasse mit freiwilligem Handyverzicht senkt den Gruppendruck.“ Allerdings sei aus praktischer Sicht die Hürde hoch, genug Unterstützung für solche Klassen zu finden, denn die Welt sei längst digital und viele Eltern nutzten selbst Apps rund um die Uhr zur Organisation ihres Alltags.
Das Wichtigste sei deshalb, die Medienkompetenz zu verbessern und diese Kompetenz im Unterricht umfassend zu fördern. „Dazu braucht ein Kind aber kein privates Gerät, es gibt andere gut erprobte Konzepte, wie schuleigene Tablets und Plattformen.“ So wollen auch engagierte Eltern wie Luise Laufer ihre Kinder vorbereiten: Damit sie die digitale Zukunft und die Chancen des Internets souverän für sich nutzen können.

