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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Wissen > Gesundheit: „Frauen werden oft nicht ernst genommen“
Wissen

Gesundheit: „Frauen werden oft nicht ernst genommen“

Michael Farber
Zuletzt aktualisert 21. Januar 2026 11:48
Von Michael Farber
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4 min. Lesezeit
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Es ist ein Bild, das die Fotografen begeistert: Die Bundesforschungsministerin eröffnet das Wissenschaftsjahr 2026 zur Medizin der Zukunft in Berlin in einer begehbaren Gebärmutter. Dabei fragt sie die anwesenden Journalisten: „Ich weiß ja nicht, ob Sie schon einmal in der Gebärmutter waren“, bevor sie sich korrigiert: „Ach stimmt, waren wir alle ja mal.“

Inhaltsübersicht
Periodenschmerzen und Wechseljahr-BeschwerdenForschungsdefizit verursacht volkswirtschaftlichen SchadenHerzinfarkt-Symptome bei Frauen anders

Die Szene ist amüsant, doch die Botschaft, die dahintersteckt, ernst. Es gibt immer noch ein Forschungsdefizit in der Frauengesundheit. Dorothee Bär (CSU) möchte das ändern: 90 Millionen Euro in fünf Jahren will sie investieren.

Periodenschmerzen und Wechseljahr-Beschwerden

Zur Eröffnung hat Bär Expertinnen eingeladen. Eine von ihnen: Professorin Marion Kiechle, Direktorin der Frauenklinik Rechts der Isar der TU in München. Kiechle beklagt, dass Frauen oft nicht ernst genommen werden, besonders bei Periodenschmerzen und starken Blutungen: „Junge Frauen, Mädchen werden damit abgespeist, das musst du aushalten, das ist normal. Und der Grund für ihre starken Schmerzen ist dann letztendlich eine Endometriose und das muss sie auf gar keinen Fall aushalten, das ist auch nicht normal.“ Das könne behandelt werden.

Endometriose ist eine chronische Erkrankung, bei der gebärmutterschleimhautähnliches Gewebe außerhalb der Gebärmutter wächst. Mehr als zehn Prozent der Frauen in Deutschland sind betroffen, eine Diagnose dauert oft Jahre.

Wissenslücken gebe es auch bei Problemen in den Wechseljahren. Die Medizinerin und Influencerin Judith Bildau beklagt, dass viele Frauen sich hier vor allem über soziale Medien informieren würden. Die seien dann total verunsichert, was Hormonersatztherapien beträfen. „Für die eine Frau kann eine Hormonersatztherapie ein absoluter Game-Changer sein, für die andere Frau ist sie tatsächlich kontraindiziert aufgrund einer Vorerkrankung“, so Judith Bildau. Kiechle ergänzt, für die Versorgung von neun Millionen Frauen in der Menopause gebe es einen Versorgungsmangel: „Wo sollen die Frauen denn hingehen?“

Forschungsdefizit verursacht volkswirtschaftlichen Schaden

Dass die betroffenen Frauen oft ohne medizinische Unterstützung auskommen müssen, habe auch wirtschaftliche Folgen: „Fast 20 Prozent der Frauen denken wegen Wechseljahresbeschwerden daran, früher in Rente zu gehen. Das ist nicht nur wegen Fachkräftemangel und Altersarmut gravierend“, erklärt die Medizin-Influencerin Bildau.

Auch Nicola Fritz, Fachärztin für Allgemeinmedizin aus München, bestätigt BR24 gegenüber den volkswirtschaftlichen Schaden. In ihrer Praxis erlebt die Ärztin immer wieder Mütter zwischen 30 und 40 Jahren, die durch die Doppelbelastung von Job und „Care-Arbeit“ kurz vor dem Burnout stünden. Hier stiegen die Krankschreibungen, die Frauen könnten nicht mehr in die Arbeit gehen.

Herzinfarkt-Symptome bei Frauen anders

Doch nicht nur typische Frauenkrankheiten sind noch zu wenig erforscht, sondern auch Krankheiten wie Herzinfarkt, so Fritz, die sich ehrenamtlich bei Healthcare Bayern engagiert, ein Arbeitskreis für eine verbesserte Gesundheitsversorgung. Frauen kommunizieren ihre gesundheitlichen Beschwerden oft anders als Männer, was zu einer späteren Diagnose führen kann, so die Erfahrung von Dr. Nicola Fritz. Typische Symptome bei Frauen, wie Erschöpfung und Übelkeit bei Herzinfarkten, würden nicht immer ernst genommen. „Aber wir wissen auch, dass Herzinfarkte anders aussehen bei Frauen. Frauen haben zum Beispiel sehr viel häufiger Übelkeit anstatt diesen klassischen, in den Armen reinziehenden Schmerz.“

In der Medizinausbildung sollen diese Themen nun stärker berücksichtigt werden, fordern Expertinnen und Experten. Ein Vorschlag ist die Einführung nationaler Register, um schnelle Fortschritte in der Forschung zu ermöglichen. „Es lohnt sich wirklich, auf die Frauengesundheit zu schauen“, ist sich die Allgemeinmedizinerin Nicola Fritz sicher.

 

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Von Michael Farber
Michael Farber ist ein erfahrener Journalist, der das Ressort Wissen der WirtschaftsRundschau leitet. Mit seiner Expertise in Wissenschaft und Technologie berichtet er über die neuesten Entwicklungen und Entdeckungen und bietet den Lesern spannende Einblicke in komplexe Themen.
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