Mücken können mehr als nur lästig sein. In einigen europäischen Reiseländern können Stechmücken auch Krankheitserreger übertragen, darunter das West-Nil-Virus. Für die meisten Menschen bleibt eine Infektion folgenlos, Risikogruppen können jedoch auch schwer erkranken. Für Reisende ist das kein Grund zur Panik, aber ein guter Grund, sich vor Stichen zu schützen.
Was ist das West-Nil-Virus?
Das West-Nil-Virus ist ein Virus aus der Familie der Flaviviren und gehört zu den weltweit am weitesten verbreiteten von Mücken übertragenen Krankheitserregern. Es kommt in wildlebenden Vögeln vor und wird durch den Stich von Stechmücken übertragen. Diese dienen dabei nur als Überträger, da sie das infizierte Blut von Vögeln saugen und von Vogel zu Vogel weiterverbreiten.
Mücken, die infizierte Vögel gestochen haben, können das Virus auch auf Säugetiere wie Pferde und Menschen übertragen. Diese sind jedoch sogenannte Fehlwirte mit nur niedriger Virämie. Das bedeutet, dass sie nur wenig Virus im Blut haben und nach bisherigem Wissensstand keine Virusquelle für Mücken darstellen, so das Robert Koch-Institut (RKI) (externer Link).
Welche Symptome verursacht das West-Nil-Fieber?
Die meisten Infektionen bleiben unbemerkt: Rund 80 Prozent der Infizierten entwickeln keine Beschwerden. Etwa jeder Fünfte erkrankt mit grippeähnlichen Symptomen wie Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen oder starker Müdigkeit.
Weniger als ein Prozent der Infizierten entwickelt eine schwere Erkrankung des zentralen Nervensystems, etwa eine Hirnhautentzündung, Gehirnentzündung oder eine Entzündung des Rückenmarks. Mögliche Warnzeichen sind hohes Fieber, Verwirrtheit, Nackensteifigkeit oder Lähmungserscheinungen, so das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) [externer Link]. Bei solchen Beschwerden sollte sofort ärztliche Hilfe gesucht werden.
In welchen Urlaubsländern kommt das West-Nil-Virus vor?
Das Virus kommt auf mehreren Kontinenten vor. Für Urlauber aus Deutschland besonders relevant sind Regionen rund um das Mittelmeer. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts treten regelmäßig Infektionen in Italien, Griechenland, Frankreich, auf dem Balkan sowie in Teilen von Österreich, Ungarn, Tschechien, der Slowakei und der Türkei auf.
Vor allem in den Sommer- und frühen Herbstmonaten werden dort Infektionen registriert. In Südeuropa kann die Übertragung sogar bis in den November hinein andauern.
Auch in Deutschland wurden seit 2019 immer wieder autochthone, also in Deutschland erworbene, Infektionen nachgewiesen. Die meisten Fälle treten in Ostdeutschland auf. In Bayern gab es bislang nur wenige Fälle.
Wie kann man sich im Urlaub vor dem West-Nil-Virus schützen?
Eine Impfung für Menschen gibt es derzeit nicht. Deshalb kommt es vor allem auf den Mückenschutz an. Das RKI empfiehlt zur Expositionsprophylaxe in Endemiegebieten [externer Link]:
- Mückenschutzmittel auf alle freien Hautstellen auftragen. (Zum Hintergrund: DEET, Icaridin und Co: Welche Mückenmittel helfen wirklich?)
- Den Körper möglichst mit langer Kleidung bedecken, insbesondere in der Dämmerung und nachts.
- Fenster nach Möglichkeit mit Fliegengittern sichern.
- Fenster und Türen abends und nachts möglichst geschlossen halten.
Zusätzlich können folgende Maßnahmen sinnvoll sein:
- Aufenthalte im Freien in der Dämmerung und nachts möglichst reduzieren, da viele übertragende Culex-Mücken dann besonders aktiv sind.
- Stehende Gewässer in der unmittelbaren Umgebung möglichst meiden oder Brutstätten beseitigen oder abdecken, sofern dies möglich ist.
Kann man sich in Deutschland mit dem West-Nil-Virus anstecken?
In den vergangenen Jahren hat sich das Virus vor allem in Teilen Ostdeutschlands ausgebreitet. Übertragen wird es von heimischen Stechmücken der Gattung Culex. Fachleute gehen davon aus, dass warme Sommer und der Klimawandel die Ausbreitung begünstigen können. Wer in Regionen rund um das Mittelmeer Urlaub macht, hat aber nach wie vor ein deutlich höheres Risiko, sich anzustecken.

