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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Kultur > Lass dich anstecken vom Glück – die US-Serie „Pluribus“
Kultur

Lass dich anstecken vom Glück – die US-Serie „Pluribus“

Uta Schröder
Zuletzt aktualisert 6. November 2025 15:47
Von Uta Schröder
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3 min. Lesezeit
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Wer in diesen Tagen in den USA eine Telefonnummer wählt, die im Trailer zur Serie Pluribus auftaucht, der hört eine kryptische Nachricht, die in deutsch übersetzt lautet: Hi Carol, schön, dass du anrufst. Wir hoffen, du schließt dich uns bald an. Aha.

Inhaltsübersicht
Szenario einer GesinnungsdiktaturZwischen absurder Komik und unheimlichen HorrorWundertüte, die anfangs „sperrig“ ist und später „fesselnd“ wird

Nach den ersten Serienfolgen ist zumindest soviel klar. Carol ist die Hauptfigur der Serie „Pluribus“. Die vielen, denen sie sich anschließen soll, sind von einer Art Virus infiziert. Dass sie, so scheint es, zu glücklichen, hilfsbereiten, höflichen Menschen macht. Hi Carol, thank you for calling.

Szenario einer Gesinnungsdiktatur

Das alles ist ganz schön unheimlich und verworren. Wer beim Wort Virus an Corona denkt, der ist hier falsch. Um eine Pandemie geht es der Serie nicht. Eher ähnelt das Szenario einer Gesinnungsdiktatur. Wie eine Ameisenkolonie marschiert die Menschheit dahin, ein großer Organismus, alle denken dasselbe, alle außer Carol, denn die ist gegen das Virus immun, notorisch unglücklich, sie widdert eine Weltverschwörung, die Apokalypse, das Ende der Menschheit.

Was zum Teufel ist hier los? Es ist eine Alien-Invasion, richtig? Ich meine, es ist offensichtlich eine Alien-Invasion. Eigentlich nein. Die Serie wirft uns Frage nach Frage hin und lässt uns erst einmal damit allein. Uns das Publikum und die wenig sympathische Carol, die noch dazu Romanticy-Autorin ist und verzweifelt nach Antworten sucht. Sie findet ein paar wenige Mitstreiter, ein seltsames Getränk und eine Lagerhalle.

Zwischen absurder Komik und unheimlichen Horror

We’re sorry we upset you, Carol. We only want to make you happy. „Pluribus“ nimmt sich Zeit. Der Zuschauer braucht Geduld und den Willen, sich auf diese Kafkaeske Welt einzulassen, die zwischen absurder Komik und unheimlichem Horror jongiert. Ganz ähnlich wie in den Oscar-prämierten Filmen „Parasite“ oder „All at Once.

Selbst nach sieben Folgen, die zur Preview freigegeben waren, lässt sich schwer sagen, wo Pluribus hinsteuert. Das Erzählprinzip heißt ständige Verunsicherung, Ungewissheit. Mal identifizieren wir uns mit Carol, glauben mit ihr auf einer heißen Spur zu sein. Wenig später finden wir sie lächerlich oder einfach nur paranoid.

Wundertüte, die anfangs „sperrig“ ist und später „fesselnd“ wird

Genau das ist wohl der Anknüpfungspunkt zu unserer überkomplexen Realität, der Fake News, Verschwörungstheorien, der Schnelllebigkeit in sozialen Medien. Was wir glauben können und was nicht, ist gar nicht so einfach. Dazu der rasante Wandel. Dass die vom Virus veränderten Menschen wie eine KI, wie Chat-GPT klingen, ist sicher kein Zufall. Schließlich fantasieren schon heute Visionäre vom kollektiven Bewusstsein. Und ließen sich riesige Herausforderungen wie der Klimawandel im autoritären Kollektiv nicht viel einfacher lösen?

„Pluribus“ ist eine Wundertüte, anfangs sperrig, mit jeder Folge fesselnder und philosophischer und ganz anders als die Serienhits „Breaking Bad“ und „Better Call Saul“ von Vince Gilligan. Nur der braunrötliche Wüstensand in Albuquerque, New Mexico, kommt uns vertraut vor. Das war’s dann aber auch schon.

 

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Von Uta Schröder
Uta Schröder ist eine versierte Kulturjournalistin und leitet das Ressort Kultur der WirtschaftsRundschau. Mit ihrem umfassenden Wissen und ihrer Leidenschaft für Kunst und Kultur bietet sie tiefgehende Analysen und spannende Einblicke in die kulturelle Landschaft.
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