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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Wissen > Machen Klimaanlagen Städte heißer und das Stromnetz instabil?
Wissen

Machen Klimaanlagen Städte heißer und das Stromnetz instabil?

Michael Farber
Zuletzt aktualisert 17. Juli 2026 17:47
Von Michael Farber
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5 min. Lesezeit
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Hitzewellen wie Ende Juni treiben die Nachfrage nach Klimaanlagen nach oben. Vor allem mobile Geräte für die Wohnung sind gefragt, manche Modelle sogar ausverkauft. Der Klimatechnik-Experte Martin Renner (externer Link) von der Hochschule München versteht den Wunsch nach Kühlung, sieht die Nutzung von Klimaanlagen aber kritisch. Denn jede zusätzliche Klimaanlage bedeutet mehr elektrische Leistung, die das Stromsystem bereitstellen muss. Die sei aber bisher nicht verfügbar, sagt Renner: „Wir brauchen erst mehr regenerative Energieerzeugung und auch Speichermöglichkeiten.“ Gleichzeitig kämen aber weitere Großverbraucher wie neue Rechenzentren hinzu, die den Strombedarf zusätzlich erhöhen.

Inhaltsübersicht
Energieverbrauch von Klimaanlagen: Warnungen vor EngpässenNetzstabilisierung: Wenn Klimaanlagen das Stromnetz entlastenDie Stadt als Hitze-Insel wird durch Klimaanlagen weiter aufgeheiztKühlleistung in der Stadt durch ein Maßnahmen-Mix

Energieverbrauch von Klimaanlagen: Warnungen vor Engpässen

Eine Studie (externer Link) in der Fachzeitschrift Nature von 2024 kam bereits zu dem Schluss: Bis Mitte des Jahrhunderts könnte sich der Stromverbrauch für Kühlung durch zusätzliche Klimaanlagen verdoppeln. Der Energietechnik-Experte Bastian Schröter (externer Link) von der Hochschule für Technik Stuttgart sieht das optimistischer. Moderne Klimaanlagen seien inzwischen so effizient wie Wärmepumpen: „Aber im Gegensatz zur Wärmepumpe laufen sie vor allem dann, wenn es heiß und sonnig ist, also genau zu den Zeiten, in denen Photovoltaik-Anlagen besonders viel Strom liefern.“ Derzeit würde Solarstrom in der Mittagszeit sogar häufig für einen Überschuss im Stromnetz sorgen.

Netzstabilisierung: Wenn Klimaanlagen das Stromnetz entlasten

Schröter hält es für sinnvoll, diesen Überschuss zur Kühlung zu nutzen. Damit könnte man Wohnungen tagsüber, wenn die Sonne scheint und Photovoltaik-Anlagen Strom liefern, vorkühlen. Die Klimageräte könnten sogar helfen, die Stromproduktion der PV-Anlagen, vor allem von denen auf Dächern von Ein- und Zweifamilienhäusern, besser auszubalancieren: „Damit stabilisieren sie die Niederspannungsnetze, die zurzeit mit die größten Bauchschmerzen bei den Netzbetreiber verursachen.“ Ideal wäre eine intelligente Steuerung über Smart Meter und flexible Stromtarife: Klimageräte ließen sich dann automatisch zu Zeiten hoher Solarstromproduktion aktivieren. Gleichzeitig würden die Preise für die Verbraucher sinken. In den USA, so Schröter, sei es bereits üblich, dass Netzbetreiber Rabatte gewähren.

Die Stadt als Hitze-Insel wird durch Klimaanlagen weiter aufgeheizt

Das internationale Forschungsprojekt CryoCultures warnt vor Klimaanlagen, weil sie einen „thermischen Teufelskreis“ (externer Link) verursachen würden. Ihre Abwärme heizt demnach Städte um bis 2,5 Grad Celsius weiter auf. Davor warnt auch Martin Renner.

Bastian Schröter hält jedoch den wahren Heiz-Effekt durch Klimaanlagen für vergleichsweise klein. Er rechnet vor, dass eine Klimaanlage bei einer Kühlleistung von 3 bis 4 Kilowattstunden nur etwa eine Kilowattstunde zusätzliche Aufheizung erzeuge. Jedes Verbrenner-Auto, rechnet er vor, würde ein Vielfaches dessen freisetzen. Ansonsten würden die Klimaanlagen nur die Wärme von innen nach außen transportieren, „und wenn jetzt eine Hitzewelle ist, ist es wahrscheinlich für die meisten Leute zum Schlafen trotzdem besser, dass die Wärme draußen ist statt drinnen.“ Schröter argumentiert weiter: Für jeden Verbrenner-Wagen, der durch ein Elektroauto ersetzt wird, könne man eine Klimaanlage installieren.

Kühlleistung in der Stadt durch ein Maßnahmen-Mix

Einig sind sich Martin Renner und Bastian Schröter, dass Städte einen Maßnahmen-Mix brauchen, mit oder ohne Klimaanlagen: Mehr Grün, also Bäume, die für Schatten sorgen und zugleich Wasser verdunsten und so effektiv kühlen. Große Bäume können eine Kühlleistung (externer Link) von 20.000 Kilowattstunden und mehr pro Jahr liefern. Aber auch Fassaden sollten begrünt und besser verschattet werden. Markisen etwa können effizient kühlen, wie eine Studie (externer Link) aus Großbritannien belegt.

Doch viele Maßnahmen sind schwierig umzusetzen. Im Untergrund der Städte liegen Leitungen und Rohre. Auch Denkmalschutz und Feuerwehrzufahrten verhindern Baumpflanzungen. Bäume müssen zudem eine gewisse Größe erreicht haben, um entsprechende Kühlleistungen erbringen zu können. Das kann Jahrzehnte dauern. Markisen und Fassadenbegrünung hingegen gelten als bauliche Veränderung und müssen vom Eigentümer genehmigt werden, was aber nicht immer geschieht. Darum, so Schröter, braucht es vereinfachte gesetzliche Regeln, damit alle von Kühlungsmaßnahmen profitieren und nicht nur Besitzer von Einfamilienhäusern. Das heißt, hier ist die Politik gefordert, die richtigen Rahmenbedingungen für effektive Kühlmaßnahmen zu schaffen.

 

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Von Michael Farber
Michael Farber ist ein erfahrener Journalist, der das Ressort Wissen der WirtschaftsRundschau leitet. Mit seiner Expertise in Wissenschaft und Technologie berichtet er über die neuesten Entwicklungen und Entdeckungen und bietet den Lesern spannende Einblicke in komplexe Themen.
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