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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Netzwelt > Starlink im Iran: Hoffnung auf Elon Musks Satelliten
Netzwelt

Starlink im Iran: Hoffnung auf Elon Musks Satelliten

Benjamin Lehmann
Zuletzt aktualisert 19. Januar 2026 15:09
Von Benjamin Lehmann
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4 min. Lesezeit
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Seit Donnerstag vergangener Woche ist der Iran weitgehend vom Internet abgeschnitten – der schwerste Blackout seit Jahren, mitten in einer Welle von Protesten gegen die Regierung. Für die Menschen im Land bedeutet das: keine Kommunikation, keine Koordination, keine Bilder nach außen. Doch eine kleine Gruppe schafft es noch immer, Nachrichten zu senden. Ihr Werkzeug: Starlink, das Satelliten-Internet von Elon Musk.

Inhaltsübersicht
Acht Stunden für eine Verbindung„Diese Blockade zerstört den revolutionären Prozess“Von der Ukraine bis Myanmar: Starlink als geopolitischer FaktorWas Musk will – und was das bedeutet

Acht Stunden für eine Verbindung

Shahrzad Osterer kennt die Lage aus erster Hand. Die deutsch-iranische BR-Journalistin steht in Kontakt mit Menschen vor Ort – wenn die Technik es zulässt: Immer wieder bricht der Kontakt ab, sagt sie. Manche Receiver-Systeme brauchen acht oder neun Stunden, um eine Verbindung aufzubauen: „Und dann wird er teilweise nach zehn Minuten wieder abgetrennt.“

Dass überhaupt noch Bilder und Videos aus dem Iran nach außen dringen, liegt an einem Netzwerk aus geschmuggelten Satelliten-Empfängern. Berichten zufolge befinden sich zwischen 50.000 und 100.000 Starlink-Terminals im Land. Bei einer Bevölkerung von über 90 Millionen Menschen ist das ein kleiner Anteil – aber für die Protestbewegung ein sehr wichtiger. Nicht jeder könne sich die Receiver leisten, so Shahrzad Osterer, auch deshalb sei die Technologie noch nicht weit verbreitet.

„Diese Blockade zerstört den revolutionären Prozess“

Der Internet-Blackout zeigt deshalb Wirkung. „In diesem Shutdown tötet das Regime“, sagt Shahrzad Osterer. „Deshalb ist das Netz so essentiell für die Bewegung. Die Menschen können nicht kommunizieren, sie können sich nicht zusammenfinden, sie können den Aufrufen nicht folgen. Das heißt, diese Blockade zerstört wirklich diesen revolutionären Prozess.“

Das iranische Regime reagiert mit allen Mitteln. Drohnen fliegen über Dächer, um die verräterischen Satellitenschüsseln aufzuspüren. Ganze Nachbarschaften werden mit militärischen Störsendern lahmgelegt. Und das Regime kann den Besitz eines Starlink-Terminals mit Spionage für Israel gleichsetzen – es drohen bis zu zehn Jahre Haft.

Von der Ukraine bis Myanmar: Starlink als geopolitischer Faktor

Der Iran ist nicht das erste Land, in dem Starlink zur kritischen Infrastruktur wird. Seit 2022 spielt das Satellitennetz eine zentrale Rolle im Ukraine-Krieg. Das ukrainische Militär nutzt es für Kommunikation und Drohnensteuerung, besonders dort, wo russische Angriffe die Glasfaser- und Mobilfunknetze zerstört haben. Musk selbst erklärte 2025, die gesamte Frontlinie der Ukraine würde ohne Starlink „zusammenbrechen“.

Doch genau darin liegt das Problem: Eine Privatperson entscheidet mit über den Verlauf eines Krieges. US-Militärs äußerten deshalb auch Bedenken, als SpaceX bestimmte Einsatzgebiete – etwa rund um die Krim – einschränkte. Musk begründete das mit Eskalationsrisiken und Sanktionsfragen.

Auch in Myanmar nutzen Widerstandsgruppen, Journalisten und Hilfsorganisationen Starlink, um die Internetsperren der Militärjunta zu umgehen. Und im Sudan scharten sich Menschen nach wochenlangen Blackouts um temporäre Starlink-Zugangspunkte, um wieder telefonieren und bezahlen zu können.

Was Musk will – und was das bedeutet

Elon Musk stilisiert Starlink gern als humanitäres Projekt. Zum aktuellen Einsatz im Iran hat er sich bislang noch nicht direkt geäußert – doch hat er das Regime offen kritisiert, etwa indem seine seine Plattform X die iranische Flagge im Emoji-Set von der aktuellen Version zur vorrevolutionären Flagge mit Löwe und Sonne geändert hat. Das ist die Version, die viele Demonstranten als Protestsymbol nutzen.

Doch das Satellitennetz ist auch ein Geschäftsmodell. SpaceX erhofft sich langfristig Milliardenumsätze. Und mit „Starshield“ hat das Unternehmen eine eigene Sparte für Regierungen und Militärs aufgebaut – mit verschlüsselten Verbindungen und Anti-Jamming-Technologie.

Für Staaten weltweit stellt sich damit eine unbequeme Frage: Wie abhängig darf kritische Kommunikationsinfrastruktur von einem privaten Unternehmen sein?

 

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Von Benjamin Lehmann
Benjamin Lehmann schreibt für das Ressort Netzwelt der WirtschaftsRundschau. Mit seinem Fachwissen in digitalen Technologien und Internetkultur informiert er über aktuelle Trends und Innovationen und bietet den Lesern wertvolle Einblicke in die digitale Welt.
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