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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Wissen > KI an der Uni: Studierende sehen Nutzung kritisch
Wissen

KI an der Uni: Studierende sehen Nutzung kritisch

Michael Farber
Zuletzt aktualisert 19. Januar 2026 15:22
Von Michael Farber
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5 min. Lesezeit
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Aufsätze lesen, Hausarbeiten gliedern, ein griffiges Thema für eine Abschlussarbeit finden – die meisten Studierenden lassen sich dabei von Künstlicher Intelligenz helfen. Das zeigt eine neue Studie der Goethe-Universität Frankfurt (externer Link). Das heißt allerdings nicht, dass ChatGPT zum Ghostwriter aller Studierenden geworden ist. „Es sind die wenigsten, die wirklich den gesamten Text von der KI schreiben lassen“, bestätigt Nora Hoffman, Leiterin des Schreibzentrums der Goethe-Universität Frankfurt und Autorin der Studie. In der aktuellen Umfrage sind es lediglich fünf Prozent.

Inhaltsübersicht
Studierende sehen Künstliche Intelligenz kritischKI beim wissenschaftlichen Arbeiten hat auch VorteileKI-Nutzung an der Uni – wo liegen die Grenzen?Studierende unter Leistungsdruck

Studierende sehen Künstliche Intelligenz kritisch

Befragt wurden rund 4.000 Studierende aus der ganzen Bundesrepublik. Die Daten zeigen: Etwa ein Drittel der Studierenden verwendet KI zur Auswertung von Forschungsliteratur und zum Schreiben. Etwa zwei Drittel gaben an, sie zur Inspiration, zur Information und zur sprachlichen Unterstützung einzusetzen. Den meisten ist allerdings klar, dass die Nutzung von Künstlicher Intelligenz auch Nachteile hat.

Viele plagt ein schlechtes Gewissen, wenn sie mit Künstlicher Intelligenz schreiben. Andere haben Angst, ihr kritisches Denken zu verlieren, sagt Nora Hoffmann. Manche Teilnehmer hätten geschrieben, dass sie sich regelrecht dazu zwingen müssten, selbst zu denken, selbst zu arbeiten. „Die KI verführt sie dazu, mehr abzugeben, als sie eigentlich wollen“, berichtet Nora Hoffmann. Studierende sehen die Vorteile von KI. Sie sehen aber auch die Nachteile.

KI beim wissenschaftlichen Arbeiten hat auch Vorteile

Zu den positiven Aspekten gehört, dass sich viele Studierende auch durchaus motiviert fühlen durch die Künstliche Intelligenz. Sie holen sich etwa Tipps, wie eine wissenschaftliche Arbeit überhaupt geschrieben wird. Eine Kompetenz, die an der Uni kaum gelehrt wird. Zwar gebe es Einführungsseminare, aber die würden sich oft auf Formalia fokussieren, erklärt Nora Hoffmann. „Der Schreibprozess, also was es eigentlich bedeutet, einen Text aus seinem Kopf heraus zu entwickeln, aufs Papier zu bringen, in mehreren Schritten zu überarbeiten, bis er schließlich für jemand Lesenden wertvoll ist, das bekommen Studierende in der Fachlehre normalerweise nicht beigebracht.“

KI-Nutzung an der Uni – wo liegen die Grenzen?

Jannica Budde vom Centrum für Hochschulentwicklung kann die Ergebnisse der Studie nur bestätigen. Der Umgang mit Künstlicher Intelligenz ist für viele noch eine Grauzone. Umso wichtiger sei es, dass die Universitäten den Studierenden Unterstützung anbieten. Orte für einen offenen Austausch seien nötig, sagt Jannica Budde: „Dort können Studierende über ihren Umgang mit KI sprechen, sich vielleicht auch bestätigt fühlen, wo vielleicht die eigenen Grenzen sind.“ Genau diese Funktion erfüllen an vielen Hochschulen bereits die Schreibzentren. Sie sind jedoch wenig sichtbar, teils unzureichend ausgestattet und können dem hohen Bedarf nicht immer nachkommen.

Aber auch in der Lehre müsste sich etwas verändern, da sind sich beide Expertinnen einig. Studienautorin Nora Hoffmann rät dazu, das Schreiben stärker in den Seminaralltag einzubinden. Beispielsweise dadurch, dass die Studierenden auch mal während des Unterrichts ihre Standpunkte zu Papier bringen. Genauso wichtig sei es, immer wieder auf die Bedeutung des Lesens einzugehen: „Denn wer keine Texte liest, kann auch keine Texte schreiben, keine anderen Texte beurteilen“, sagt Hoffmann.

Studierende unter Leistungsdruck

Die Idee, Abschlussarbeiten durch Klausuren und mündliche Prüfungen zu ersetzen, hält die Studienautorin für das falsche Signal: „Unis wollen ihre Studierenden zu kritisch denkenden Menschen erziehen, die Positionen und Argumente entwickeln können, die Inhalte hinterfragen können. Und all das passiert beim kritischen Lesen und Schreiben, nicht, wenn ich in einer Klausur Häkchen setze.“

Letztendlich würde es auch helfen, ein wenig den Druck aus dem Studienalltag herauszunehmen und Freiräume zu schaffen, in denen Studierende ihre Fähigkeiten durch Erfahrungen entwickeln können, ergänzt Bildungsexpertin Jannica Budde: „Mal eine kleine Hausarbeit zur Übung schreiben, einfach so, oder einmal mit einem Rohentwurf zur Dozentin zu gehen und zu fragen: Passt das so? Ich habe das noch nie gemacht!“

Denn auch das ist wissenschaftlich erwiesen: Studierende greifen zur KI, um dem Leistungsdruck und dem Zwang zu schnellem Arbeiten gerecht zu werden.

 

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Von Michael Farber
Michael Farber ist ein erfahrener Journalist, der das Ressort Wissen der WirtschaftsRundschau leitet. Mit seiner Expertise in Wissenschaft und Technologie berichtet er über die neuesten Entwicklungen und Entdeckungen und bietet den Lesern spannende Einblicke in komplexe Themen.
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