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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Wissen > Steinzeitmüll: Wie die Menschen lernten, mit Abfall zu leben
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Steinzeitmüll: Wie die Menschen lernten, mit Abfall zu leben

Michael Farber
Zuletzt aktualisert 19. Januar 2026 15:22
Von Michael Farber
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4 min. Lesezeit
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Zerbrochene Töpfe, Tierknochen und Alltagsreste machen bei Ausgrabungen in der Regel den Großteil der Funde aus. Trotzdem wissen Forschende bislang wenig darüber, welche Rolle diese Abfälle im täglichen Leben von einst spielten – besonders zu der Zeit, als sich Ackerbau und Viehzucht in Europa ausbreiteten.

Inhaltsübersicht
Steinzeitmüll – was das Forschungsprojekt herausfinden sollForschungen zu Abfällen: Bisher vor allem Müll der GegenwartSteinzeitmüll-Projekt: Wie wir davon profitieren könnten

War der Müll auch damals schon eine Plage, die den Menschen zu schaffen machte, so, wie uns heute die Berge von Abfällen Sorgen bereiten? Das möchten Archäologinnen und Archäologen nun herausfinden. Am Beispiel von bis zu 8.000 Jahre altem Müll wollen sie ermitteln, wie erste Bauern in Europa begonnen haben, mit ihrem Abfall zu leben.

Steinzeitmüll – was das Forschungsprojekt herausfinden soll

Dafür werden die Forscherinnen Henny Piezonka von der Freien Universität Berlin und Penny Bickle von der Universität York gemeinsam mit ihrem Team vier jungsteinzeitliche Fundplätze in Europa untersuchen – von der Ostsee im Norden bis Serbien im Süden.

Untersuchungen an Knochenresten etwa sollen zeigen, ob Abfall länger offen herumlag oder schnell vergraben wurde. Keramikscherben werden sie daraufhin untersuchen, wie Gefäße zerbrochen sind, ob und wie sie wiederverwendet wurden, etwa als Werkzeuge für neue Gefäße. Analysen an Gefäßrückständen sollen zeigen, wie Gefäßinhalte den Müll beeinflussen. Wurde der Müll geordnet? Wurden etwa Gefäße, die für Milch genutzt wurden, anderswo niedergelegt als Gefäße für Fleisch? All diesen Fragen gehen die Forscherinnen nach.

Forschungen zu Abfällen: Bisher vor allem Müll der Gegenwart

Völlig neu ist dieser Ansatz nicht. Bisher ging es bei Forschungen zu Abfällen jedoch vor allem um Müll unserer Gegenwart. In den 1970er-Jahren etwa unternahm der US-Archäologe William Rathje Ausgrabungen auf der Mülldeponie von Tucson in Arizona. So konnte er zum Beispiel nachweisen, dass die Einwohner der Stadt mehr Lebensmittel wegwarfen, als sie glaubten.

An ähnlichen Projekten hat auch der Anthropologe Daniel Sosna von der Tschechischen Akademie der Wissenschaften mehrfach gearbeitet. Für ihn ist Müll eine wichtige historische Quelle: „Der Hausmüll war für uns eine Art Informationsquelle darüber, wie die Menschen leben. Und diese Informationsquelle hat meiner Meinung nach immer noch eine ganz besondere Qualität: Sie ist ziemlich wahrheitsgetreu“. Im Gegensatz zu den Erzählungen der Menschen, die die Dinge oft so darstellten, dass sie nicht unbedingt der Realität entsprächen, sagt Sosna.

Steinzeitmüll-Projekt: Wie wir davon profitieren könnten

Der Anthropologe Sosna ist überzeugt vom Nutzen der Forschungen seiner beiden Kolleginnen aus Berlin und York für die Gegenwart. So könnten ihre Erkenntnisse unter anderem das Wissen darüber erweitern, wie man Keramik wiederverwendet hat.

Gerade, weil die Forscherinnen so viele Regionen Europas untersuchen, könnten viele unterschiedliche Möglichkeiten des Umgangs mit Müll aufgezeigt werden. Auch die Forscherinnen sehen in ihrem Projekt diese Chance. „Zu verstehen, wie andere Kulturen früher mit Müll umgegangen sind, kann uns helfen, über die Probleme unserer modernen Welt neu nachzudenken“, sagt Penny Bickle von der Universität York.

Noch steht ihr Projekt ganz am Anfang. Aber im Laufe der kommenden drei Jahre wollen die Wissenschaftlerinnen Antworten auf ihre Fragen finden.

 

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Von Michael Farber
Michael Farber ist ein erfahrener Journalist, der das Ressort Wissen der WirtschaftsRundschau leitet. Mit seiner Expertise in Wissenschaft und Technologie berichtet er über die neuesten Entwicklungen und Entdeckungen und bietet den Lesern spannende Einblicke in komplexe Themen.
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