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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Kultur > #bringback2016: Was es mit der digitalen Nostalgie auf sich hat
Kultur

#bringback2016: Was es mit der digitalen Nostalgie auf sich hat

Uta Schröder
Zuletzt aktualisert 24. Januar 2026 17:48
Von Uta Schröder
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5 min. Lesezeit
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2026 hat kaum begonnen, da sehnen sich viele schon zurück. Konkreter: ins Jahr 2016. Dem Trend entsprechend greifen derzeit nicht wenige User auf Social Media tief in ihre Foto-Archive, posten Momentaufnahmen, ganze Jahresrückblicke – allesamt mit den typisch überkolorierten Filtern versehen und mit Pop-Musik von damals unterlegt. Auch die damals beliebten Snapchat-Selfies mit Tierohren und Herzchen tauchen gelegentlich wieder auf. All das wirkt, nicht zuletzt durch die Filter, rosarot. So, als ob damals alles besser war.

Inhaltsübersicht
Zurück in die guten alten Zeiten?Reality-Check: Wie 2016 wirklich warTrump wird zum ersten Mal US-PräsidentNostalgie als Boost für „menschliches Wohlbefinden“2016-Trend kommt zeitlich nicht überraschend

Zurück in die guten alten Zeiten?

Die Rückblicke bieten den Eindruck, als wären es früher einfachere Zeiten gewesen. Die heutige Reizüberflutung mit endlosem Content hielt sich damals noch in Grenzen. TikTok und Reels gibt es damals noch nicht, Instagram ist vielmehr ein Ort für Urlaubsbilder statt Business-Influencer. Die rosa-angehauchten Bilder erinnern an diese Zeit der digitalen Überschaubarkeit.

Akustisch untermalt wird diese nostalgische Grundstimmung mit Pop-Klängen aus 2016. Es ist wie eine musikalische Zeitreise in das Jahr von Interpreten wie Twenty One Pilots oder Chainsmokers, die die Charts dominieren. Calvin Harris & Rihanna liefern mit „This Is What You Came For“ einen unvergesslichen Party-Klassiker und an „One Dance“ von Drake kommt in dieser Zeit auch keiner vorbei. Jetzt ist der Titel, zehn Jahre später, wieder in die globalen Billboard-Charts eingestiegen. Die Musik fügt sich in das Gesamtbild, das diese Posts ausstrahlen: in eine sorgenfreie, fröhlichere Welt. Dabei war 2016 alles, nur nicht unbedingt das.

Reality-Check: Wie 2016 wirklich war

2016 beginnt in Deutschland kontrovers: Grund dafür sind Berichte hunderter Frauen, die von massiven sexuellen Übergriffen während der Silvesterfeierlichkeiten am Kölner Hauptbahnhof berichten. Das wird den öffentlichen Diskurs wochenlang beschäftigen.

Dass die Täter überwiegend als „nordafrikanisch“ beschrieben werden, befeuert Debatten über die Folgen der sogenannten „Flüchtlingskrise“ aus dem Vorjahr und über Migration im Allgemeinen. Überhaupt wächst europaweit ein gewisser Missmut gegenüber der zunehmenden Zuwanderung. Im Vereinigten Königreich wird er sogar mitunter zum Grund dafür, dass die Briten mehrheitlich für den Brexit stimmen.

Trump wird zum ersten Mal US-Präsident

Auf der anderen Seite des Atlantiks werden die Karten neu gemischt. Donald Trump wird Ende 2016 zum ersten Mal zum Präsidenten der USA gewählt. Bereits vorher fällt er mit seiner spaltenden, populistischen Rhetorik auf. Doch „Make America Great Again“ funktioniert, die Folgen davon sind bis heute spürbar.

Das sind nur wenige und dennoch entscheidende Beispiele aus dem ereignisreichen Jahr 2016. Unabhängig von subjektiven Erfahrungen zeigen sie, als Erinnerungsstütze, dass die Welt damals auch nicht sorgloser war. Trotzdem kann der Trend hilfreich sein, da der Blick zurück eine nicht unwesentliche Funktion erfüllen kann.

Nostalgie als Boost für „menschliches Wohlbefinden“

Der Medienpsychologe Tim Wulf forscht zu nostalgischen Phänomenen. Das Nachdenken über schöne Momente in der Vergangenheit könne, so Wulf, in persönlichen und gesellschaftlichen Umbruchsphasen eine Ressource für menschliches Wohlbefinden darstellen: „Es ist für Menschen attraktiv, zurückzublicken. Auf die vermeintlich schöne, gute alte Zeit. Und zu sehen, was sich, zumindest subjektiv, verschlechtert hat. Bei uns selbst, aber auch in der Gesellschaft.“

Schließlich hat es Umbrüche innerhalb des zurückliegenden Jahrzehnts zu Genüge gegeben. Darunter die Corona-Pandemie, aber auch die stürmische Entwicklung von Künstlicher Intelligenz.

2016-Trend kommt zeitlich nicht überraschend

Dass es nun ausgerechnet zum Hashtag #bringback2016 gekommen ist, hat für Wulf ebenfalls eine banale, neurologische Komponente: „Zehn ist eine schöne Zahl, unsere Gehirne sind so drauf gepolt, dass man nicht nach acht oder neun Jahren guckt, sondern man geht auf zehn Jahre.“

Auch der Jahreswechsel könne eine Rolle gespielt haben, fügt Wulf hinzu, da sich viele, gerade in solchen Momenten, „noch mal bewusst machen, in welcher Zeit sie leben und wie die Zeit vielleicht auch früher war.“ Das erscheint plausibel, denn das Jahr 2026 ist zwar noch jung, und trotzdem ist bereits viel passiert. Vielleicht lässt sich also da der Auslöser für die plötzliche Nostalgie verorten.

 

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Von Uta Schröder
Uta Schröder ist eine versierte Kulturjournalistin und leitet das Ressort Kultur der WirtschaftsRundschau. Mit ihrem umfassenden Wissen und ihrer Leidenschaft für Kunst und Kultur bietet sie tiefgehende Analysen und spannende Einblicke in die kulturelle Landschaft.
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