Netflix beschwichtigt in einem Schreiben an die Sprecher
Es sei zwar erstmal nicht zu erwarten, dass die großen Hauptrollen von einer KI gesprochen werden würden, sagt Anna-Sophia Lumpe, Vorsitzende beim VDS dem BR. Denn Netflix wisse sehr wohl, dass in dem Moment Persönlichkeitsrechte verletzt würden, „wo sie jemanden kopieren“.
Aber es gebe eben auch Hintergrundrollen wie etwa eine kleine Unterhaltung, die bislang meist mit Berufseinsteigern besetzt werden. „Und das würde natürlich wegfallen und würde nicht mehr mit Menschen gemacht werden. Es wäre also auch schwerer in unserer Profession, eine gute Ausbildung zu bekommen.“
In einem Schreiben an die Sprecherinnen und Sprecher, das dem BR vorliegt, erklärt Netflix: „Dass wir weder ein digitales Abbild noch eine synthetische Stimme, die aus Ihrer Stimme generiert wurde, ohne Ihre separate und spezifische Zustimmung verwenden werden.“ Sollte eine solche Nutzung in irgendeiner Form in Betracht gezogen werden, würde man eine gesonderte Zustimmung einholen.
Dürfen Daten in einem KI-System landen oder nicht?
Der VDS sieht die Verarbeitung der Daten dennoch kritisch. Denn die Abgabe persönlicher Daten als Trainingsmaterial für KI-Systeme dürfe kein Branchenstandard werden. „Wir sind Kunstschaffende, keine Datenquellen“, heißt es auf der Homepage des VDS. Eine Einspeisung in KI-Systeme sei keine reguläre Auswertung ihrer Aufnahmen, sondern ermögliche das Erstellen von Kopien und Deepfakes.“
Daher gehe es bei dem Boykott letztlich um die Grundsatzfrage, „ob unsere persönlichen Daten in einem KI-System landen dürfen oder nicht – und wir halten das für nicht zulässig“, sagt die Verbandsvorsitzende Anna-Sophia Lumpe im Gespräch mit dem BR.
Bei Netflix verweist man indes darauf, dass anhaltende Aufrufe zu einem Boykott die Produktionszeiten und Produktionsinvestitionen gefährden würden. Was für die Nutzer in Deutschland bedeuten könnte, dass zunächst nur deutsche Untertitel angeboten würden und Synchronfassungen nur in anderen Sprachen vorhanden wären. Wie es nun weitergeht, ist unklar. Dem VDS sei von Netflix ein informelles Gespräch angeboten worden, bislang jedoch ohne Termin, bestätigt Anna-Sophia Lumpe dem BR.

