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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Wissen > Studie zu Herzinsuffizienz: Umweltfaktoren erhöhen Risiko massiv
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Studie zu Herzinsuffizienz: Umweltfaktoren erhöhen Risiko massiv

Michael Farber
Zuletzt aktualisert 5. Februar 2026 13:48
Von Michael Farber
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4 min. Lesezeit
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Herzinsuffizienz ist eine der häufigsten internistischen Erkrankungen: Nach Angaben des Bayerischen Landesgesundheitsrates (externer Link) leiden mehr als vier Millionen Menschen in Deutschland an Herzschwäche. Bei einer Erkrankung sei „die Prognose der chronischen Herzinsuffizienz trotz wesentlicher Fortschritte in der Therapie unverändert miserabel“, warnt die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (externer Link): Etwa die Hälfte der Erkrankten stirbt innerhalb von sechs Jahren nach der Diagnose. Prävention ist deshalb wichtig.

Inhaltsübersicht
Umweltbedingungen als Herz-Risikofaktor bisher stark unterschätztSo schädigen Umwelteinflüsse das HerzGroße soziale Unterschiede bei UmweltbelastungenHerzinsuffizienz: Prävention neu denken

Umweltbedingungen als Herz-Risikofaktor bisher stark unterschätzt

Bluthochdruck, Alkoholkonsum oder Übergewicht gelten als klassische Risikofaktoren. Doch Omar Hahad, Epidemiologe am Zentrum für Kardiologie der Universitätsmedizin Mainz, konnte jetzt zusammen mit einer Forschungsgruppe in einer Studie (externer Link) zeigen, dass auch Umwelt- und Lebensbedingungen massiv dazu beitragen können, ob eine Herzinsuffizienz entsteht: „Dadurch, dass viele Teile der Bevölkerung ständig exponiert werden mit diesen Risikofaktoren aus der Umwelt, dass wir eben am Tag und in der Nacht, auf der Arbeit, beim Sporttreiben, mit diesen Risikofaktoren aus der Umwelt konfrontiert werden, ist der Einfluss dramatisch“, so Studienleiter Hahad.

So schädigen Umwelteinflüsse das Herz

Herzschädliche Umwelteinflüsse sind laut Christoph Maack vom Universitätsklinikum Würzburg „Luftverschmutzung, aber auch Lärm und Licht. Besonders in Städten wird es nachts nicht mehr dunkel genug. Aber auch Verunreinigungen von Trinkwasser und auch die Klimaveränderungen, die durch den Klimawandel geschehen, dass es in unseren Breiten zu mehr Hitze-Episoden kommt.“

Für unsere Gesundheit bedeutet das: Feinstaubpartikel gelangen über die Lunge in den Blutkreislauf und lösen Entzündungen aus. Extreme Hitze belastet das Herz-Kreislauf-System. Lärm, vor allem nachts, stört den Schlaf und aktiviert Stresshormone. Das macht Blutgefäße steif und treibt den Blutdruck in die Höhe. Künstliches Licht in der Nacht stört den natürlichen Tag-Nacht-Rhythmus und belastet Herz und Kreislauf zusätzlich. Auch Schwermetalle wie Cadmium oder Blei greifen den Herzmuskel an.

„Was diese Faktoren verbindet, ist, dass sie die gleichen biologischen Systeme des Organismus betreffen“, erklärt Hahad, „das heißt, sie kumulieren in diesem System und darüber kann das Risiko akkumulieren und additiv wirken“; sich also über die Lebensjahre anhäufen.

Große soziale Unterschiede bei Umweltbelastungen

Die Auswertung zeigt auch: Gerade ältere Menschen und sozial benachteiligte Gruppen seien besonders gefährdet, so die Autoren. Menschen aus einkommensschwachen Schichten wohnten oft an großen Straßen oder in dicht bebauten Quartieren ohne Zugang zu Grünflächen. Dazu gebe es dort schlechtere medizinische Versorgungsstrukturen. Die Folge: mehr Erkrankungen, höhere Sterblichkeit.

Maack mahnt deshalb, besonders diese vulnerablen Gruppen im Blick zu haben: „Hitzeexposition ist vor allem für ältere Menschen eine Belastung. Die Regulation des Körpers erfordert bei Hitze eine Aktivierung des Herz-Kreislauf-Systems, die ältere Menschen oft nicht mehr so gut zustande bringen.“ Sein Vorschlag: Beispielsweise in Wohngebieten mehr Grünflächen und spezielle Kühlungsräume einplanen.

Herzinsuffizienz: Prävention neu denken

Bisher konzentrieren sich die medizinischen Leitlinien zur Herzgesundheit stark auf individuelles Verhalten und Medikamente. Thomas Münzel von der Europäischen Kardiologen-Gesellschaft fordert aber: „Der Staat muss zuerst funktionieren.“ Die Politik müsse dringend systemische Maßnahmen einleiten. Beispiel Feinstaub: „Da gibt es wunderbare Grenzen von der Weltgesundheitsorganisation, die sagt, fünf Mikrogramm pro Kubikmeter Luft, alles was darüber ist, macht krank. Und was hat Europa? 25 Mikrogramm pro Kubikmeter, also fünfmal dessen, was die WHO für krank hält. Europa muss sich bewegen!“ Gemäß einer neuen EU-Luftqualitätsrichtlinie (externer Link) sollen die Mitgliedsstaaten bis 2030 ihre Feinstaub-Grenzwerte auf 10 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft absenken.

Münzel, der auch Vorsitzender einer speziellen Taskforce für Umweltmedizin bei der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie ist, kündigt für die Neufassung der Leitlinien außerdem an: „Ich verspreche Ihnen zu 100 Prozent, dass Lärm, Feinstaub und Hitze als wichtige Herz-Kreislauf-Risikofaktoren anerkannt werden, genauso wie jetzt Cholesterin, Diabetes und Bluthochdruck.“

 

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Von Michael Farber
Michael Farber ist ein erfahrener Journalist, der das Ressort Wissen der WirtschaftsRundschau leitet. Mit seiner Expertise in Wissenschaft und Technologie berichtet er über die neuesten Entwicklungen und Entdeckungen und bietet den Lesern spannende Einblicke in komplexe Themen.
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