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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Wirtschaft > Milliarden Steuergeld für Rüstung am Bedarf vorbei?
Wirtschaft

Milliarden Steuergeld für Rüstung am Bedarf vorbei?

Christin Freitag
Zuletzt aktualisert 19. Februar 2026 09:50
Von Christin Freitag
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5 min. Lesezeit
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In den nächsten Jahren fließt so viel Steuergeld in die Bundeswehr wie nie zuvor. Eine halbe Billion Euro bis zum Ende des Jahrzehnts. Ziele sind Verteidigungsfähigkeit und Abschreckung, besonders gegenüber Russland. Doch Recherchen des ARD-Magazins Plusminus zeigen: Insider zweifeln, ob geplante Rüstungsvorhaben wirklich geeignet sind für sich ändernde Anforderungen im Ernstfall, während Haushälter im Bundestag vor milliardenschweren Fehlentscheidungen warnen. Plusminus liegen exklusive Dokumente vor, die zeigen: An der Beschaffung eines Projekts gab es Skepsis – nicht nur in der Bundeswehr, sondern auch bei externen Dienstleistern.

Inhaltsübersicht
Streit um MAUS: Haushaltsausschuss stoppt RüstungsdealHightech gelobt – doch an der Front als nutzlos kritisiert?Interne Unterlagen zeigen: Die Truppe äußerte früh SkepsisUnabhängige Prüfung von Rüstungsdeals gefordert

Streit um MAUS: Haushaltsausschuss stoppt Rüstungsdeal

Ende Januar 2026 hat der Haushaltsausschuss das erste Mal einen Rüstungsdeal gestoppt, den das Verteidigungsministerium und das Beschaffungsamt der Bundeswehr geplant und bereits mit der Industrie verhandelt haben. Bei dem Projekt der elektronischen Kampfführung mit dem Namen MAUS (mobiles Aufklärungsunterstützungssystem) ging es um bis zu 1,5 Milliarden Euro Steuergeld.

Andreas Schwarz (SPD), Hauptberichterstatter für den Verteidigungshaushalt und das sogenannte Sondervermögen, erklärt den Stopp gegenüber Plusminus damit, dass das geplante System durch die Erfahrungen aus dem Ukrainekrieg bereits überholt sei.

Teure Technik, die die Bundeswehr gar nicht braucht? Der Plan des Beschaffungsamts der Bundeswehr in Koblenz: In den Fahrzeug-Typ EAGLE des europäischen Herstellers GDELS, den die Truppe bereits nutzt, sollte Technik zum Abhören und Orten feindlicher Funkfrequenzen verbaut werden. Das Projekt erntet Kritik des Haushaltsausschusses: Die Soldaten müssten damit im Fall intensiver Kämpfe aufgrund fehlender Reichweite zu nah an die Front. Die Panzerung sei dafür zu schwach – es bestünde erhebliche Gefahr für die Insassen.

Hightech gelobt – doch an der Front als nutzlos kritisiert?

Der Rüstungskonzern Rohde und Schwarz, der die Technik in das vorgegebene Fahrzeug einbauen soll, erklärt auf Anfrage: „Die von uns angebotenen Systeme für die elektronische Kampfführung bewähren sich (…) seit vielen Jahren in der Ukraine im täglichen Einsatz. Sie sind damit in jeder Hinsicht ‚State-of-the-Art‘.“

Plusminus liegt die Beschaffungsvorlage vor und lässt Auszüge daraus von Experten bewerten. Thomas Withington, Fachmann für elektronische Kampfführung am britischen Verteidigungs-Thinktank Royal United Services Institute (RUSI), schätzt sie so ein:

Das MAUS-System sei grundsätzlich für viele Einsatzarten konzipiert – „ein echtes Mehrzwecksystem“. Zugleich könne man aber argumentieren, dass es nicht für die Art von Stellungskrieg entwickelt wurde, wie sie derzeit in der Ukraine zu beobachten sei. Da müsse man sich, so Withington, fragen, ob in der großen Bestellung nicht auch Platz für Technik sei, „die sich an der Front effektiver einsetzen lässt“.

Ein ranghoher Militär, der nur unter der Bedingung der Anonymität spricht, äußert heftige Kritik: „Für die Verteidigung gegen Russland taugt die Technik nicht. Wir haben auf einem Streifen von 40 Kilometern an der Front keine Signale, die MAUS auslesen kann. Dort stören russische Sender Funk, GPS und Starlink. Das ganze System MAUS ist in dem Bereich nutzlos.“

Interne Unterlagen zeigen: Die Truppe äußerte früh Skepsis

Die Entscheider in der Beschaffung seien zu weit von den tatsächlichen Nutzern entfernt. Im Beschaffungsamt gebe es zu viele Ebenen, in denen jeder versuche, seine Zuständigkeiten zu wahren. Korruption wolle er dabei gar nicht unterstellen – Unwissenheit und eingefahrene Routinen reichten seiner Ansicht nach oft schon aus, um Mittel in die falschen Kanäle zu lenken, so der Militär.

Das Beschaffungsamt der Bundeswehr in Koblenz sagt dazu, wie es ungeeignetes Material für die Truppe verhindern will: „Es gilt (…) immer auch die operativen Erfordernisse der Truppe zu berücksichtigen. (…) Mit dem Ziel, Innovationen möglichst zeitnah und zielgerichtet in Beschaffungen umzusetzen.“

Plusminus liegen exklusiv Dokumente vor, die zeigen: Es gab durchaus Skepsis innerhalb der Bundeswehr und bei externen Dienstleistern beim Thema MAUS in Sachen Selbstschutz, Stromversorgung und Platzmangel im Fahrzeug – Informationen, über die auch das Beschaffungsamt informiert war.

Unabhängige Prüfung von Rüstungsdeals gefordert

Damit wichtige Informationen im Beschaffungsprozess schneller an die richtigen Stellen kommen, fordert der Ökonom Moritz  Schularick, Präsident des Kiel Instituts für Weltwirtschaft, einen grundlegenden Wandel. Er betont, es brauche dringend eine unabhängige Bewertung der zahlreichen Beschaffungsvorlagen, die derzeit in hoher Geschwindigkeit vom Verteidigungsministerium an den Haushaltsausschuss und das Parlament weitergeleitet werden.

Eine wissenschaftlich fundierte Begleitung dieses Prozesses liege, so seine Einschätzung, eindeutig im Interesse des Landes und der Steuerzahler. Auch der Haushaltsausschuss will in Zukunft noch genauer hinsehen, damit Steuergelder beim Thema Rüstung effizient und zielgerichtet eingesetzt werden.

 

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Christin Freitag ist eine erfahrene Wirtschaftsjournalistin und Analystin, die sich auf Finanzmärkte, Unternehmensstrategien und Wirtschaftspolitik spezialisiert hat. Mit über 10 Jahren Erfahrung liefert sie fundierte Analysen und tiefgehende Einblicke für die Leser der WirtschaftsRundschau.
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