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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Kultur > Veteranen-Drama „Mittwinter“: Krieger werden blind für die Liebe
Kultur

Veteranen-Drama „Mittwinter“: Krieger werden blind für die Liebe

Uta Schröder
Zuletzt aktualisert 20. Februar 2026 09:54
Von Uta Schröder
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4 min. Lesezeit
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Wehe, der Krieg geht zu Ende: Dann besteht wirklich Grund zur Beunruhigung. So jedenfalls heißt es in zahlreichen russischen Netz-Kommentaren, die vor der Rückkehr der Veteranen warnen. Sind Hunderttausende von Frontkämpfern überhaupt noch tauglich für den zivilen Alltag? Die Zeitungen sind jetzt schon voll von Berichten, wo von vermeintlichen „Helden“ die Rede ist, die ihre Frauen oder frühere Bekannte totgeschlagen haben. Andere überfielen arglose Geschäftsleute, bildeten gewalttätige Banden. Der Krieg macht aus Menschen nicht immer, aber häufig traumatisierte Kampfmaschinen, die keine Hemmungen kennen.

Inhaltsübersicht
„Krieg ist einfach wie Händeklatschen“Die Soldaten erblindenNichts Neues seit dem „Simplicissimus“

„Krieg ist einfach wie Händeklatschen“

Darum geht es im düsteren Rückkehrer-Drama „Mittwinter“ der britischen Stücke- und Drehbuchschreiberin Zinnie Harris, das 2004 von der renommierten Royal Shakespeare Company uraufgeführt wurde.

In Anwesenheit der Autorin wurde es jetzt im Münchner Metropoltheater in der so unaufgeregten wie souveränen Regie vom Hausherrn Jochen Schölch gezeigt. Eine beklemmende Studie der emotionalen Verwüstungen, die jeder Krieg anrichtet – und die bittere Erkenntnis, das wir alle immer nur in einer Zwischenkriegszeit leben, vor und nach der Gewalt, denn wie heißt es am Schluss sarkastisch: „Krieg ist so einfach zu beginnen wie Händeklatschen.“

Grenville, der Soldat (Michele Cuciuffo), kommt nach zehnjähriger Abwesenheit heim und erkennt nach und nach, dass nichts mehr so ist, wie es einmal war. An dieser schmerzlichen Erkenntnis hat sich seit den Zeiten des Trojanischen Kriegs offenbar nichts geändert. Seine Frau Maud (Genija Rykova) ist im doppelten Sinn des Wortes nicht mehr die, die er einst zurückließ. Das gilt auch für den stummen Sohn Sirin (Anna Graenzer). Das Leben geht nicht weiter, der Krieg aber schon, innen wie außen.

Die Soldaten erblinden

Im Grunde ist das ganze Stück ein Gleichnis, eine Parabel, ohne es freilich mit der Moral zu übertreiben und ins Lehrtheater abzugleiten. Die Soldaten erblinden allesamt, weil sie sich einen „Parasiten“ eingefangen haben. Die Salbe, die dagegen hilft, ist unerschwinglich teuer. Die Ringe gehen nur noch unter Schmerzen vom Finger, das Angeln wurde zum sinnentleerten Ritual, ebenso wie die feierliche Ordensverleihung für Verdienste an der Front. Und die Neubauten auf der anderen Seite des Flusses, Sinnbilder einer besseren Zukunft, werden nicht fertiggestellt, weil schon der nächste Krieg ausbricht.

Zinnie Harris erzählt die Geschichte in klassischer englischer Theater-Manier des „well made plays“, wo die Spannung von Szene zu Szene steigt und sich die Höhepunkte abwechseln, als ob Inspektor Barnaby ermittelt und der Wahrheit über 110 pausenlose Minuten dicht auf den Fersen ist. Verwirrende Handlungs-Umwege und abwegige Text-Einschübe sind nicht die Sache britischer Zuschauer.

Nichts Neues seit dem „Simplicissimus“

Bühnenbildner Thomas Flach hatte eine unwirtliche Landschaft aus geschwärzten Brettern entworfen. Hier wachsen nicht mal Kräuter, der angedeutete sandige Boden ist zu karg, wie sich herausstellt. Ausgetrocknet ist hier alles, die Leidenschaften, die Sehnsüchte, die Träume. Maud kämpft zwar dagegen an, will Liebe und Nähe erzwingen, doch sie scheitert natürlich, denn weder Veteranen, noch die Wirklichkeit lassen sich auf Dauer belügen.

Unzweifelhaft ein Stück, wie es angesichts von Europas Aufrüstung und der äußeren Bedrohungen aus fast allen Himmelsrichtungen nicht aktueller sein könnte. Klar, über den Preis des Krieges wurde seit dem „Abenteuerlichen Simplicissimus“ des Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen (1669) und Brechts „Mutter Courage und ihre Kinder“ (1941) in der Literatur und auf der Bühne nichts wesentlich Neues gesagt.

Gleichwohl ist es wichtig und richtig, wenn Jochen Schölch mit diesem Antikriegs-Kammerspiel die furchteinflößenden Zeitläufte kommentiert. Eine routinierte, fesselnde, vielleicht etwas allzu vorhersehbare Inszenierung, die vom Premierenpublikum freundlich beklatscht wurde. Auch die angereiste Autorin Zinnie Harris schien ihrem Lächeln nach zu urteilen mit der Produktion rundherum zufrieden.

Bis 29. März am Metropoltheater München.

 

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Von Uta Schröder
Uta Schröder ist eine versierte Kulturjournalistin und leitet das Ressort Kultur der WirtschaftsRundschau. Mit ihrem umfassenden Wissen und ihrer Leidenschaft für Kunst und Kultur bietet sie tiefgehende Analysen und spannende Einblicke in die kulturelle Landschaft.
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