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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Kultur > Der Erfolg der Netzpoetin Clara Lösel
Kultur

Der Erfolg der Netzpoetin Clara Lösel

Uta Schröder
Zuletzt aktualisert 23. Februar 2026 14:48
Von Uta Schröder
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3 min. Lesezeit
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Clara Lösel ist die derzeit wohl erfolgreichste deutsche Dichterin – und doch dem klassischen Literatur-Publikum höchstens aus der Beststeller-Liste ein Begriff. Die „Netzpoetin“ ist auf Instagram und auf TikTok groß geworden. Über diese beiden Kanäle erreicht die junge Frau monatlich zwischen 15 und 20 Millionen Nutzer. Ihr im April vergangenen Jahres veröffentlichtes Debüt „wehe du gibst auf“ steht nach wie vor ganz oben auf der Spiegel-Bestsellerliste – in der Kategorie „Ratgeber“. Und soeben ist sie auf den ersten Platz der sogenannten „Overall-Liste“ der offiziellen BookTok-Charts geklettert. Doch wie gut ist das Buch?

Inhaltsübersicht
Literatur für Sonst-Nicht-LeserGedichte zwischen Poesie-Album und Ratgeber-Literatur

Über 120.000 Exemplare ihres Debüts „Wehe du gibst auf“ hat Clara Lösel verkauft, dabei handelt es sich um Literatur für Sonst-Nicht-Leser: Snippets, snackable, Timeline-Lyrik, für die sich auf Instagram über eine halbe Million – genauer: 531.000 – Follower erwärmen können.

Literatur für Sonst-Nicht-Leser

„wehe du gibst auf“ soll Lektüre sein für all jene, die in der Schule nur – Zitat – „tote weiße Männer“ gelesen haben, entnimmt man dem Vorwort. Tätowieren kann man sich die Zeilen auch, und zwar leicht abwaschbar: Der entsprechende Tattoo-Bogen, zu erwerben über die Website der dichtenden Start-up-Unternehmerin Clara Lösel, hält Zeilen bereit wie „hoffnung hat man nicht / hoffnung ist man“, „nimm dir dein herz / wieder zu herzen“ und „immer. gut. genug“.

Da hat es also jemand aus der Insta-Kachel auf die großen Bühnen gebracht: mit „101 mal Clartext, der dich stark macht“. Das Erfolgsrezept dürfte gerade in der hier ausgestellten Durchschnittlichkeit liegen. Als Studentin hat Clara Lösel mal „Motivationskurse für Mädchen“ gegeben. Als Autorin hat sie daraus ein Geschäftsmodell entwickelt, mit einer denkbar simplen Botschaft, die aber verfängt: Mag die Welt draußen noch so schrecklich sein, mit all dem Krieg und den vielen bösen Menschen, Hauptsache, du gibst acht auf dich selbst.

Mit derlei biedermeierlichem Rückzug in die eigenen vier Wände ist Clara Lösel – mit dem toten weißen Mann Jean Paul gesprochen – ein Ichling par excellence.

Gedichte zwischen Poesie-Album und Ratgeber-Literatur

„ich liebe dich / in vollen zügen / ist auch besser so / für die umwelt.“ Früher kritzelte man derlei vielleicht in Poesie-Alben, heute finanziert man damit als selbsternannter „poetry artist“ seinen Lebensunterhalt, kleistert diese Rührseligkeiten in Kleinschrift mit billigstem Klaviergeklimper zu – und schafft es so dann aufs „Bunte-Barometer“ genauso wie aufs aktuelle Cover eines Drogeriemarkt-Magazins. Auch das passt, denn Clara Lösel liefert verlässlich Seelenhygiene-Artikel, die daherkommen wie ein Körperpflege-Set. Wer sagt denn, dass Balsam nicht banal sein darf?

 

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Von Uta Schröder
Uta Schröder ist eine versierte Kulturjournalistin und leitet das Ressort Kultur der WirtschaftsRundschau. Mit ihrem umfassenden Wissen und ihrer Leidenschaft für Kunst und Kultur bietet sie tiefgehende Analysen und spannende Einblicke in die kulturelle Landschaft.
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