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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Wissen > Unterrichtsversorgung an Schulen: Lehrerverbände schlagen Alarm
Wissen

Unterrichtsversorgung an Schulen: Lehrerverbände schlagen Alarm

Michael Farber
Zuletzt aktualisert 27. Februar 2026 10:47
Von Michael Farber
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5 min. Lesezeit
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Mit einem „umfangreichen Maßnahmenpaket“ will das bayerische Kultusministerium den Unterricht für alle Kinder und Jugendlichen im Freistaat sicherstellen – „trotz steigender Schülerzahlen und fehlender zusätzlicher Stellen“. Das Konzept von Kultusministerin Anna Stolz (Freie Wähler) sieht unter anderem vor, bestehendes Personal „verstärkt einzusetzen“ oder „stellenweise auch den Bedarf an die Situation an den Schulen vor Ort anzupassen“. Hintergrund ist die Entscheidung der schwarz-orangen Koalition, dass 2026 keine neuen Stellen im öffentlichen Dienst entstehen dürfen, auch keine Lehrerstellen.

Inhaltsübersicht
Ministerium: „Verschärfte Versorgungslage“Stolz setzt auf Spielräume vor Ort„Verlagerung politischer Sparmaßnahmen“„Nicht an Kindern sparen“

Bayerns Lehrerverbände sehen durch das jetzt veröffentlichte „Gesamtkonzept Unterrichtsversorgung“ (externer Link) ihre Befürchtungen bestätigt und schlagen Alarm. Laut Realschulverband zeigt das Konzept schwarz auf weiß: „Die verheerenden Auswirkungen des Stellenmoratoriums erreichen mit voller Wucht die Realschulen!“ Es drohe ein massiver Einschnitt in die Unterrichtsversorgung und eine Absenkung der Bildungsqualität. Der Philologenverband rechnet mit „Einschränkungen im pädagogischen Bereich“. Hans Rottbauer vom Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) betont, das Stellenmoratorium sei eine Maßnahme, „die an den Stammtischen gut ankommen mag“, aber Schulen „in ärgste Bedrängnis“ bringe.

Ministerium: „Verschärfte Versorgungslage“

Im „Gesamtkonzept Unterrichtsversorgung“ räumt das Ministerium ein, dass der anhaltende Anstieg der Schülerzahlen zu einem „höheren rechnerischen Bedarf an Lehrkräften“ führe. Durch das Stellenmoratorium werde die bisherige „Kopplung“ des Lehrerbedarfs an die Schülerzahlen durchbrochen. Für das nächste Schuljahr bedeute dies, dass ein Teil des „real entstehenden Mehrbedarfs“ nicht über neue Stellen gedeckt werden könne. Dadurch ergebe sich eine „verschärfte Versorgungslage“. Fehlende Stellen müssten durch „alternative Maßnahmen“ aufgefangen werden.

Zu den Lösungsansätzen gehört die „Nutzung des Potentials des Bestandspersonals“. Das bedeutet, dass Lehrer mehr Stunden arbeiten oder ihren Ruhestand freiwillig aufschieben sollen. Auch dienstrechtliche Maßnahmen sind weiter vorgesehen. Je nach Schulart hält das Ministerium zudem „bedarfssenkende Maßnahmen“ für nötig: größere Klassen, weniger Wahlunterricht und Arbeitsgemeinschaften.

Stolz setzt auf Spielräume vor Ort

Kultusministerin Stolz betont: „Unser wichtigstes Ziel ist ein Stundenplan, auf den sich unsere Schülerinnen und Schüler und Lehrkräfte verlassen können.“ Während an Mittel-, Förder- und beruflichen Schulen die Personalsituation seit Jahren angespannt sei, zeichne sich an Grundschulen eine „schrittweise Entspannung“ ab. Auch an Realschulen sei die Lehrerversorgung „dank des Engagements der gesamten Schulgemeinschaft“ sichergestellt.

An Gymnasien gebe es seit Herbst eine Jahrgangsstufe mehr durch die Umstellung auf das G9. Das binde mehr Personal. Das Stellenmoratorium stelle die Schulen vor eine zusätzliche Aufgabe: „Trotz steigender Schülerzahlen müssen sie mit derselben Zahl Lehrerstellen auskommen.“ Kurzfristig setzt die Ministerin auf „individuelle Handlungsspielräume vor Ort“, mittel- und langfristig sollen mehr Menschen für den Lehrerberuf begeistert werden.

Die bildungspolitische Sprecherin der Grünen-Landtagsfraktion, Gabriele Triebel, bezeichnet das Stellenmoratorium als „grob fahrlässig für die Bildung unserer Kinder“. Es brauche nicht weniger, sondern mehr Lehrkräfte.

„Verlagerung politischer Sparmaßnahmen“

Der Philologenverband kritisiert: Statt den Bildungsbereich zu stärken, habe der Landtag „sehenden Auges“ zusätzliche Stellen verwehrt. Das erwartete Plus von mehr als 6.500 Kindern an staatlichen Gymnasien erzeuge eine zusätzliche Lücke von etwa einer Vollzeit-Lehrkraft pro Schule. „Der Bildungsbereich braucht mehr Unterstützung von Seiten der Politik“, fordert Verbandschef Michael Schwägerl.

Laut Realschullehrerverband wird das Stellenmoratorium vielfältige Folgen haben: größere Klassen, Aufhebung von Gruppenteilungen und Verzicht auf freiwillige Intensivierung, zum Beispiel durch Förderkurse für sowohl leistungsschwache als auch leistungsstarke Schülerinnen und Schüler. Der Vorsitzende Ulrich Babl beklagt: „Das ist kein Gestaltungsspielraum, das ist die Verlagerung politischer Sparmaßnahmen in die Verantwortung der Schulen, denen zum kommenden Schuljahr rund eine Lehrerstelle weniger zur Verfügung stehen wird.“

„Nicht an Kindern sparen“

Auch Grundschulen wären laut BLLV weit von einer ausreichenden Versorgung entfernt, „wenn man ihr alle freiwilligen Angebote und Kürzungen der letzten Jahre wieder zurückgeben würde“. An Mittelschulen, erläutert Rottbauer, wäre die Unterdeckung um ein Vielfaches größer, „wenn man alle Aushilfskräfte oder befristet angestellten Hilfskräfte herausrechnen würde“. Und für 2026 gehe man dort von einem Schülerzuwachs im mittleren bis hohen vierstelligen Bereich aus. BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann fordert schon seit Monaten eine Abkehr vom Stellenmoratorium: „Wir dürfen nicht an unseren Kindern sparen!“

Kritik kommt auch von der Landesvorsitzenden der Bildungsgewerkschaft GEW, Martina Borgendale: Die Sparpolitik der Staatsregierung führe zu größeren Klassen, einer Einschränkung des Bildungsangebots an allen Schularten und zu „weiter steigenden Belastungen für die Lehrkräfte, die bereits jetzt am Limit sind“.

 

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Von Michael Farber
Michael Farber ist ein erfahrener Journalist, der das Ressort Wissen der WirtschaftsRundschau leitet. Mit seiner Expertise in Wissenschaft und Technologie berichtet er über die neuesten Entwicklungen und Entdeckungen und bietet den Lesern spannende Einblicke in komplexe Themen.
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