Anfang Februar 2025 hat Österreich das Pfand für die 0,5-Liter-Mehrweg-Glasflaschen deutlich erhöht, auf 20 Cent je Flasche. Für eine Kiste Leergut gibt es in der Alpenrepublik im Handel nun sieben Euro zurück, während hierzulande deutlich weniger als die Hälfte gezahlt wird. Das ist zwar ein ziemlicher Unterschied, aber lohnt sich deshalb die Fahrt über die Grenze? Und vor allem: Machen das nennenswert viele Menschen?
Massenhafter „Pfandtourismus“ ausgeblieben
Die mittelständische Brauerei Schönram liegt malerisch in Petting im Landkreis Traunstein. Den Namen verdankt sie dem Ortsteil ihres Firmensitzes. Pro Jahr werden dort rund 100.000 Hektoliter Bier und alkoholfreie Getränke hergestellt und auch in Österreich angeboten. Vor allem in den ersten Monaten nach der Pfand-Umstellung gab es wohl etliche, die versuchten, in Bayern gekaufte Biertragerl in Österreich im größeren Stil zurückzugeben und die Differenz einzustreichen.
Der Marketingleiter der Brauerei, Christian Thiel, berichtete nach der Einführung von einem Fall, bei dem ein Kunde versuchte, 50 Bierkisten auf einmal zurückzugeben. Doch der Kunde wurde laut Thiel im österreichischen Geschäft abgewiesen. Bei anderen scheint es besser geklappt zu haben. Laut dem Marketingleiter der Brauerei Schönram wurden im vergangenen Jahr in Österreich 10.000 Kisten mehr zurückgegeben als ausgeliefert. Durch den „Pfandschlupf“ seien der Brauerei Schönraum Mehrkosten in Höhe von 33.000 Euro entstanden. Doch mittlerweile habe dieser Pfandtourismus spürbar nachgelassen.
Bayerischer Brauerbund erleichtert
Die Erhöhung des Flaschenpfands in Österreich seit gut vorbereitet gewesen, meint der Geschäftsführer des Bayerischen Brauerbunds, Walter König, auf BR24-Anfrage. Die erst relativ späte Ankündigung habe das Horten von Leergut bei Verbrauchern verhindert. Zudem sei der grenznahe Handel in Österreich offensichtlich gut für das Thema sensibilisiert worden.
Bis auf wenige Ausnahmen habe man von den Mitgliedsfirmen des Bayerischen Brauerbunds keine größeren Klagen gehört, so König. Ähnliches ist von der Pressesprecherin von Spar Österreich, Nicole Berkmann, zu hören. Das Unternehmen mit Sitz in Salzburg ist der größte Lebensmitteleinzelhändler in Österreich und betreibt viele Geschäfte im grenznahen Bereich.
Es habe nie einen Pfandtourismus von Deutschland nach Österreich gegeben, so Berkmann. Das sei im Vorjahr zwar immer wieder mal behauptet worden, sei aber nur eine Befürchtung gewesen, die in einer Zeitungsente gemündet sei. Paul Pöttschacher ist Pressesprecher der Rewe Großhandels GmbH, die in Österreich unter der Marke Adeg auftritt. Er meint kurz und knapp, Pfandtourismus sei bei ihnen kein Thema, er habe im Vertrieb nachgefragt.
Brauer trotzdem von höherem Pfand betroffen
Nicht weit weg von Schönram in Teisendorf hat die mittelständische Brauerei Wieninger ihren Sitz. Auch sie ist also im grenznahen Bereich tätig und verkauft ihre Produkte ebenfalls in Österreich. Der aktive Pfandtourismus habe mit der Umstellung der Pfandsätze zwar nachgelassen, aber die dauernde Abwanderung des Leerguts nach Österreich im grenznahen Bereich bemerke man stark, so der Geschäftsführer der Brauerei, Andreas Brügmann.
Der Pendler, der beim Nachhauseweg im Getränkemarkt in Deutschland noch ein Sechserpack mitnehme und später dann beim Tanken in Österreich zurückgebe, sei mittlerweile Standard. Das sei unkompliziert und spare Geld. Brügmann spricht von einem schleichenden Prozess, der nur schwer messbar sei und momentan auch nicht aufzuhalten. Außer vielleicht, wenn Deutschland in ähnlicher Weise die Pfandpreise anhebt.
Anheben der Pfandpreise hierzulande eine Option?
Der Geschäftsführer des Bayerischen Brauerbunds, Walter König, würde ein höheres Pfand hierzulande zwar begrüßen, aber nicht zum jetzigen Zeitpunkt, wie er betont. Das könnte sich die Branche aufgrund ihrer wirtschaftlich schwachen Entwicklung nicht leisten, so seine Ansicht. Denn so eine Umstellung kostet Geld. Die Brauereien müssen den Kunden ab dem Zeitpunkt der Umstellung mehr für leere Pfandflaschen bezahlen, und zwar auch für die, die vor der Umstellung gekauft wurden.
Eine Kennzeichnung zur Unterscheidung von Flaschen mit altem und neuem Pfand sei technisch nicht möglich, heißt es. Beim Deutschen Brauerbund schätzt man deswegen, dass bei insgesamt vier Milliarden Mehrweg-Bierflaschen in Deutschland eine Erhöhung des Pfandsatzes von derzeit 8 auf 20 Cent die Branche 480 Millionen Euro kosten würde. Zudem müssten Rücknahmeautomaten im Handel entsprechend umgestellt werden.

