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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Kultur > Vergessen verhindern: Widerstandskämpferinnen in der NS-Zeit
Kultur

Vergessen verhindern: Widerstandskämpferinnen in der NS-Zeit

Uta Schröder
Zuletzt aktualisert 2. März 2026 17:46
Von Uta Schröder
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5 min. Lesezeit
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Marie Kahle sitzt am Steuer eines Autos und lacht in die Kamera. Das etwa hundert Jahre alte Bild zeigt nicht nur eine Ehefrau und Mutter, sondern auch eine Widerstandskämpferin gegen den Nationalsozialismus.

Inhaltsübersicht
Rollenbilder prägen auch ErinnerungskulturWiderstand heißt nicht anpassen und schützenInstallation über Frauen im Warschauer GhettoGeschichte passiert nicht, sondern ist menschengemacht

Heute bekannte Widerstandskämpfer im Dritten Reich sind vor allem Männer: Claus Schenk Graf von Stauffenberg, Dietrich Bonhoeffer, Georg Elser, Oskar Schindler. Sophie Scholl ist eine der wenigen bekannten Frauen im Widerstand. Mehr als 80 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs drohen viele Widerstandskämpferinnen, in Vergessenheit zu geraten.

Rollenbilder prägen auch Erinnerungskultur

Die Ausstellung „Heimlich, laut und leise – Frauen im Widerstand gegen den Nationalsozialismus“ will das ändern. Konzipiert hat die Ausstellung das Haus der Frauengeschichte in Bonn, sie ist in einer Kooperation des Institut Français mit der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in München und Oberbayern entstanden, im Rahmen der „Woche der Brüderlichkeit“. Zu sehen ist sie bis zum 13. März 2026 im Institut Français in München.

Dass der Widerstand von Frauen gegen den Nationalsozialismus nicht oft in den Fokus gerät, habe etwas mit der Nachkriegsgesellschaft zu tun, so Laura Ingianni-Altmann, eine der Kuratorinnen der Ausstellung. Und mit dem Rollenbild von Frauen und Männern damals. „Viele Frauen, die mit ihren Männern gemeinsam im Widerstand waren, haben später dafür gesorgt, dass man sich an ihre Männer erinnert und blieben dabei selber aber oft im Hintergrund.“

Widerstand heißt nicht anpassen und schützen

So wie die Schneiderin Antje Hasenclever aus Berlin: Sie versorgte ihre jüdischen Nachbarn mit Lebensmitteln, versteckte Menschen in ihrem Nähzimmer, die sich immer, wenn die Nähmaschine lief, bewegen konnten ohne aufzufallen. Während ihr Mann von der Holocaust-Gedenkstätte Jad Vashem in Israel als „Gerechter unter den Völkern“ ausgezeichnet wurde, ist Antje Hasenclever nirgendwo erwähnt. Sie starb 1985.

Dass Frauen vergessen werden, hänge auch mit der Definition von Widerstand zusammen, glaubt Laura Ingianni-Altmann. Widerstand bedeute nicht nur zu kämpfen. Widerstand heiße auch, sich nicht anzupassen, Verfolgte zu verstecken, zu versorgen und zu schützen. Ein hohes Risiko, denn im Nationalsozialismus brachte man sich selbst und seine Familie damit in Lebensgefahr.

„Interessant finde ich auch die Geschichte von Marie Kahle“, sagt die Kuratorin der neuen Ausstellung. Marie Kahle war Mutter von fünf Söhnen. Sie wollte nicht, dass sie der Hitlerjugend beitreten, und sie war gegen die Verfolgung jüdischer Menschen. Nach der Reichspogromnacht 1938, in der die Geschäfte jüdischer Menschen zerstört wurden, half sie ihnen publikumswirksam beim Aufräumen. „Das war ihr Protest. Sie wurde dafür verfolgt und Familie Kahles mussten Deutschland verlassen“, berichtet Laura Ingianni-Altmann.

Installation über Frauen im Warschauer Ghetto

Überall in der Ausstellung hängen Porträts auf kleinen Abreißkalendern von mutigen Frauen im Widerstand: Vorne ist deren Bild zu sehen und hinten eine Kurzbiographie auf Französisch und Deutsch zu lesen. Es sind Frauen, die im Konzentrationslager Widerstand leisteten, Frauen im bewaffneten Widerstand und Frauen, die selbst verfolgt wurden.

Eine Installation der polnischen Künstlerin Susanne Herzberg ist den mutigen Frauen im Warschauer Ghettoaufstand gewidmet. Auf Computern sind Interviews mit Zeitzeuginnen zu hören. Auf einer Schreibmaschine lässt sich erfahren, wie laut das Tippen von Flugblättern damals war und wie groß damit auch das Risiko, dabei entdeckt zu werden.

Geschichte passiert nicht, sondern ist menschengemacht

Die Ausstellung ist in Zusammenarbeit mit Jugendlichen an einem französischen Gymnasium entstanden. Trotzdem sei die Ausstellung nicht nur für Jugendliche konzipiert worden, stellt Kuratorin Ingianni-Altmann klar: „Wir haben gemerkt, dass es weit über die Zielgruppe der Jugendlichen hinausgeht, weil einfach zu wenig Wissen da ist und es wichtig ist, zu verstehen: Geschichte passiert nicht einfach, sondern Geschichte wird von Menschen gemacht.“

Die Ausstellung „Heimlich, laut und leise – Frauen im Widerstand gegen den Nationalsozialismus“ ist bis zum 13. März 2026 im Institut Français in München zu sehen.

 

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Von Uta Schröder
Uta Schröder ist eine versierte Kulturjournalistin und leitet das Ressort Kultur der WirtschaftsRundschau. Mit ihrem umfassenden Wissen und ihrer Leidenschaft für Kunst und Kultur bietet sie tiefgehende Analysen und spannende Einblicke in die kulturelle Landschaft.
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