Wie viele Mikrofone stecken in einem Smartphone? Es sind drei, wie Gunar Lorenz erklärt. Er ist zuständig für die Audio-Sparte des bayerischen Chipherstellers Infineon. Lorenz hält sein Smartphone hoch und zeigt, wo im Gerät die kleinen, nur wenige Millimeter großen Bauteile stecken. Zwei am unteren Ende des Gehäuses, damit ein Stereo-Klang entstehen kann. Eines oben auf der Rückseite neben der Kamera, damit beim Filmen der Ton der Umgebung besser mitgenommen wird. Das ist die klassische Ausstattung. Apple hat laut Lorenz in seinen iPhones noch ein viertes Mikrofon verbaut, oben auf der Vorderseite.
Top-Handys können bereits Lärm unterdrücken
Um die Umgebungsgeräusche zu unterdrücken, reichen auch die drei Mikros. Durch deren Abstand zueinander kann Software berechnen, was Stimme und was unerwünschter Lärm ist. Dazu kommt nun künstliche Intelligenz, die anhand von Mustern erkennt, was Gespräch ist und was unerwünschte Nebengeräusche. Hochwertige Smartphones haben diese Funktion bereits seit längerem integriert. Das Problem ist nur, dass in den seltensten Fällen zwei Personen mit solchen Top-Handys aufeinandertreffen.
KI hilft WhatsApp bei Geräuschunterdrückung
Beim populärsten Messenger kommunizieren alle möglichen Geräte miteinander. Android-Handys mit iPhones, Smartphones mit Tablets, Mobilgeräte mit PCs. Der Großteil davon hat bislang Probleme mit Umgebungslärm. Eine Softwarelösung soll nun alle zusammen auf ein höheres Soundlevel bringen.
Künstliche Intelligenz spielt dabei die zentrale Rolle. Während man vor einigen Jahren im Prinzip nur die Möglichkeit hatte, bestimmte Frequenzen zu unterdrücken, geht inzwischen mit KI deutlich mehr. Wenn etwa in einem ersten Schritt der Wind weggefiltert wird und dabei auch Teile der Stimme verschwinden, lässt sich das in einem zweiten Schritt durch KI wieder „zurückholen“. Audio-Experte Lorenz sagt: „Da gibt es eine Menge Möglichkeiten, heute mit KI einen schlechten Ton durchaus wieder akustisch hörbar zu machen.“
Wie weit ist WhatsApp mit seiner Funktion?
Bislang gibt es vom US-Unternehmen noch keine offizielle Mitteilung. Der Branchendienst WABetaInfo hat aber herausgefunden, dass eine Betaversion des Messengers für einige Geräte bereits über die Geräuschunterdrückung verfügt [externer Link]. Erste User wurden demnach bereits freigeschaltet, weitere Nutzer sollen bald folgen. Geliefert wird das Feature mit der WhatsApp-Version 2.26.14.1. Ob man die neue Funktion nutzen kann, lässt sich feststellen, indem man während eines Gesprächs das Menü für weitere Anruf-Optionen öffnet. Dort müsste nun die Lärmunterdrückung zu finden sein.
Wer es bekommen hat und draufklickt, wird allerdings selbst keinen Effekt verspüren. Die Funktion filtert die Hintergrundgeräusche nämlich nur in der eigenen Umgebung weg und bringt also lediglich dem Gesprächspartner etwas. Nur wenn das Gegenüber ebenfalls freigeschaltet ist, kann man die bessere Audio-Qualität selbst feststellen.
WhatsApp ist Nachzügler
WhatsApp ist mit seiner neuen Funktion nicht wirklich vorne dran. Verschiedene Handyhersteller bieten seit längerem Lärmunterdrückung an, etwa unter der Bezeichnung Stimmfokus. Auch andere Messenger haben die Funktion bereits an Bord, so etwa Microsoft mit Teams [externer Link].
Und selbst innerhalb des Meta-Konzerns hinkt WhatsApp nach. Der Facebook-Messenger warb schon 2024 mit dem Feature Noise Suppression [externer Link].
Was beim Handy-Klang noch möglich ist
Was hochwertige Handys in Kombination mit KI beim Sound leisten können, zeigt sich inzwischen beim Filmen. Wer etwa in einer Schul-Theateraufführung sitzt und sein Kind auf der Bühne filmen will, möchte genau das hören, was dort passiert – ohne den Kommentar des Sitznachbarn. Und so wie sich Außengeräusche wegfiltern lassen, kann man umgekehrt auch die Mikrofone genau darauf fokussieren. Diese Möglichkeit preisen manche Handy-Hersteller auch bewusst an. Die Smartphone-Industrie will ihre Kundinnen und Kunden zu Profifilmern machen, wie jüngst auf der Tech-Messe Mobile World Congress in Barcelona zu hören war. Ein perfekter Sound gehört da eben mit dazu.

