Anfang Dezember 2025 verkündete der Streaming-Pionier Netflix, dass er Warner Bros. kaufen werde. Und damit das Studio, das hinter Filmen wie Harry Potter, Dune, The Dark Knight und Herr der Ringe genauso steckt, wie hinter Serien wie Game of Thrones.
Doch es kam anders. Warner-Bros-Konkurrenz-Studio Paramount legte sich trotz Netflix‘ Kaufankündigung weiter ins Zeug und besserte sein Angebot nach. Netflix stieg aus dem Bieterwettstreit aus, Warner Bros. Discovery geht an Paramount, das wiederum etwa für Titanic, Der Pate, Mission:Impossible und Forrest Gump verantwortlich ist.
Stimmen die Regulierungsbehörden dem Deal zu, wären die großen Filmstudios genauso unter einem Dach wie die Streaming-Dienste HBO Max (bisher Warner Bros) und Paramount+ wie auch US-Kabelsender wie CNN (bisher Warner Bros.).
Paramount-Chef ist Kino-Fan
An Serien- und Film-Fans dürfte diese Fusion nicht spurlos vorübergehen. Am offensichtlichsten wohl, da die beiden Streaming-Dienste, Paramount+ und HBO Max, verschmolzen werden sollen, wie Paramount-Chef David Elisson am Montag verkündete. So würde Stand jetzt ein neuer Streaming-Riese mit rund 200 Millionen Abonnenten entstehen. Zum Vergleich: Netflix nutzen rund 300 Millionen Menschen, Disney+ rund 125.
Und was wird dort zu sehen sein? Bei vielen Serien- und Filmfans dürfte es positiv ankommen, dass Paramount-CEO David Ellison laut dem Fachblatt Variety (externer Link) angekündigt hat, dem TV- bzw. Streamingkanal HBO möglichst freie Hand lassen zu wollen. HBO ist für provokante, anspruchsvolle Serien wie Succession oder Sex and the City bekannt.
Gefallen dürfte vielen Cineasten zudem, dass der neue Chef des Paramount-Warner-Bros-Konzerns laut Hollywood Reporter (externer Link) als ausgewiesener Film-Fan gilt, dem wichtig ist, dass Filme weiterhin auf der großen Leinwand gezeigt werden. Gerade für den Fall einer Warner-Bros-Übernahme durch Netflix hatte so mancher damit gerechnet, dass der Fokus für Filme noch weiter weg vom Kino und hin zu Streaming wandern könnte.
Schaden Schulden der Qualität?
Und doch jubelt in Hollywood niemand über den Deal, wie die Entertainment-Journalistin Sharon Waxman für die New York Times (externer Link) schreibt. Das liegt laut Waxman nicht zuletzt an der „kopfschmerzauslösenden Mathematik“ hinter der Übernahme: Demnach kauft Paramount die Firma Warner Bros. Discovery für 110 Milliarden Dollar – und ist selbst nur 12 Milliarden Dollar wert.
Anders gesagt: Paramount finanziert den Kauf über Schulden. Das dürften, so Waxman, nicht zuletzt die Mitarbeiter der Entertainment-Industrie ausbaden, die mit weniger Jobs und kleineren Budgets leben müssen. Vom Set-Handwerker bis hin zur Autorin.
Und so könnten auch die Fans von Filmen und Serien die finanziellen Folgen des Deals bemerken, etwa bei Klasse und Masse der Produktionen. „Die Schulden werden sie daran hindern, neue Ideen zu verwirklichen und in neue Inhalte zu investieren“, sagt etwa Rick Morris, der an der Northwestern University zur Unterhaltungsbranche forscht, Variety (externer Link) . Auch unter Managern der Unterhaltungsindustrie herrscht Skepsis, ob das neue Groß-Unternehmen wirklich – wie versprochen – seinen Streaming-Output erhöhen und 30 Kinofilme pro Jahr veröffentlichen kann.
Filme und Serien nach Trumps Geschmack?
Zudem lauert in den Augen mancher Hollywood-Akteure noch eine weitere Bedrohung für Serien und Filme der fusionierten Studios. Und der hat damit zu tun, wie der Deal überhaupt möglich wurde.
Das liegt nicht zuletzt daran, dass der Vater des Paramount-CEOs David Ellison ein gewisser Larry Ellison ist. Letzterer ist Tech-Unternehmer, einer der reichsten Menschen der Erde – und guter Freund von US-Präsident Donald Trump. Larry Ellison hat viel Geld als Garantie für den Kauf von Warner Bros zur Verfügung gestellt. Auch die Beziehungen der Familie in Washington D.C. wurden offenbar genutzt.
Ein nicht genannter Star-Regisseur aus Hollywood sagte Variety dazu: „Ellison macht mir eine Scheißangst. Werden die Filme, die sie rausbringen, auf Trumps Geschmack zugeschnitten? Werden sie gegen Inhalte vorgehen, die aus ihrer Sicht nicht zur rechten Ideologie passen?“

