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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Wirtschaft > Wacker Chemie: „Die guten alten Zeiten kommen nicht wieder“
Wirtschaft

Wacker Chemie: „Die guten alten Zeiten kommen nicht wieder“

Christin Freitag
Zuletzt aktualisert 12. März 2026 12:48
Von Christin Freitag
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3 min. Lesezeit
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Wacker will sich spezialisieren

Überkapazitäten, Preisverfall und Dollarschwäche machen der gesamten Branche zu schaffen. Bei Wacker geht es allerdings um Spezial-Chemie. Das heißt, um Polymere und Silikone, zum Beispiel für die Bau-, Automobil- und Konsumgüterindustrie sowie für die Elektro- und Medizintechnik. Dabei reicht die Palette vom Mörtel über Fliesenkleber bis hin zu Dichtungen, Verpackungen und Kosmetika. In Zukunft will sich das Unternehmen noch stärker auf solche „Spezialitäten“ konzentrieren.

Inhaltsübersicht
Wacker will sich spezialisierenEs wird auch einen neuen Standort geben – in TschechienSchwarze Null wird es fürs Erste wohl nicht gebenEU als Standort schwer zu halten

Ganz am Anfang, im Gründungsjahr 1914, standen Essigsäure und Aceton. Neue Moleküle werden heute kaum noch entdeckt; dafür erschließen sich neue Anwendungen für längst bekannte chemische Verbindungen oder Kunststoffe. So stellt die E-Mobilität ganz andere Anforderungen an bestimmte Materialien als die Verbrenner-Technologie. Und mit neuartigen Baustoffen können die Heiz- und Kühlkosten von Gebäuden massiv gesenkt werden.

Es wird auch einen neuen Standort geben – in Tschechien

Wacker Chemie hat weltweit 27 Produktionsstätten. Zur Jahresmitte soll nun ein neuer Standort im tschechischen Karlsbad eröffnet werden, so groß wie zweieinhalb Fußballfelder. Die Produktion von Silikonen soll dort flexibel gefahren werden, je nach Bedarf sind schnelle Anpassungen möglich. Den Ausschlag für Karlsbad als Standort habe ein „rundes Gesamtpaket“ gegeben, so der Vorstand. Damit gemeint sind günstigere Lohnkosten, gut ausgebildete Bewerber, eine attraktive Ansiedelungspolitik und die geografische Nähe zum Stammsitz in Burghausen.

Profitabel wachsen will der Konzern vor allem im Geschäftsbereich Polysilicium und im Life-Science-Bereich Biosolutions. Der Fokus liegt dabei auf biotechnologisch hergestellten Produkten wie Biopharmazeutika und Lebensmittelzusatzstoffen.

Schwarze Null wird es fürs Erste wohl nicht geben

In dieser Nische, in der Wacker vor vielen Jahren mit Kaugummi-Harzen begonnen hat, geht es inzwischen um Zellkulturen für die Fleischproduktion im Labor und um die Produktion von Impfstoffen, um nur zwei Beispiele zu nennen.

Bei der Prognose für die kommenden Monate bleibt die Chefetage vorsichtig. Die „schwarze Null“, also ein ausgeglichenes Ergebnis, werde man wohl eher nicht erreichen. Der Jahresumsatz könnte allenfalls leicht steigen. Der Vorstand will die eigenen Hausaufgaben jetzt zügig abarbeiten und drückt beim Stellenabbau aufs Tempo. An Standorten in Asien und in den USA wurden bereits Jobs gestrichen.

Der deutschen Chemieindustrie drohe auch in diesem Jahr ein weiterer Rückgang der Produktion. Eine Trendwende sei nicht in Sicht. Die Energiekosten seien immer noch zu hoch, daran ändere auch der Industriestrompreis nicht viel – zumal der an Investitionsauflagen gekoppelt wurde.

EU als Standort schwer zu halten

Einmal mehr kritisierte Vorstandschef Christian Hartel, dass sich die Standortbedingungen in der EU verbessern müssten. Die EU habe sich Spielregeln gegeben, die in anderen Regionen der Welt ignoriert würden, so sei man weit entfernt von fairen Wettbewerbsbedingungen, ganz zu schweigen von der ausufernden Bürokratie. „Wir haben jetzt keine Zeit mehr zu verlieren“, so Hartel. Und weiter: „Die guten alten Zeiten werden nicht wiederkommen.“

 

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Christin Freitag ist eine erfahrene Wirtschaftsjournalistin und Analystin, die sich auf Finanzmärkte, Unternehmensstrategien und Wirtschaftspolitik spezialisiert hat. Mit über 10 Jahren Erfahrung liefert sie fundierte Analysen und tiefgehende Einblicke für die Leser der WirtschaftsRundschau.
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