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Die Verbindungen der „alternativen Gewerkschaft Zentrum“

Christin Freitag
Zuletzt aktualisert 13. März 2026 10:47
Von Christin Freitag
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5 min. Lesezeit
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2026 finden in ganz Deutschland Betriebsratswahlen statt, vom 10. bis 13. März auch im Ingolstädter Audi-Werk. Eine neue Liste namens „Zentrum“ tritt dort erstmals an. Es sind die ersten Gehversuche der selbsternannten „alternativen Gewerkschaft“ in Bayern.

Inhaltsübersicht
Rechtsradikale Ursprünge in Baden-WürttembergVom Unvereinbarkeitsbeschluss zum SchulterschlussAfD-Politiker auf Zentrumsliste bei AudiErfolge bei Mercedes – bundesweit eine Randerscheinung Expertin: „Zentrum“ ist Vorfeldorganisation der extremen RechtenBetriebsratsvorsitzender: Audi bleibt „vielfältig und bunt“

Rechtsradikale Ursprünge in Baden-Württemberg

In Baden-Württemberg hingegen ist das Phänomen bekannter. „Zentrum“ hat seine Wurzeln im Mercedes-Benz-Werk Stuttgart-Untertürkheim. Dort existiert es seit 2009 – anfangs noch unter dem Namen „Zentrum Automobil“. Der Gründer Oliver Hilburger war zuvor bereits Betriebsrat für die Christliche Gewerkschaft Metall (CGM), die er verlassen musste, als seine Mitgliedschaft in der Neonazi-Band „Noie Werte“ öffentlich wurde. Bis heute sind er und weitere Vorstandsmitglieder gut in der extrem rechten Szene vernetzt, wie Unterlagen, die dem BR vorliegen, zeigen.

Vom Unvereinbarkeitsbeschluss zum Schulterschluss

Ursprünglich war „Zentrum Automobil“ deshalb sogar der AfD zu rechts. Die Partei fasste einen Unvereinbarkeitsbeschluss. Auf Betreiben unter anderem des Thüringer AfD-Landeschefs Björn Höcke hat die AfD ihren Unvereinbarkeitsbeschluss mit „Zentrum Automobil“ aber 2022 gekippt. Seitdem ist eine Mitgliedschaft in beiden Vereinigungen möglich, die Verflechtung wurde immer stärker.

AfD-Politiker auf Zentrumsliste bei Audi

Das zeigt sich auch in Ingolstadt: Zwei der drei Kandidaten der Audi-Liste von „Zentrum“ haben auch bei den bayerischen Kommunalwahlen vom vergangenen Sonntag für die AfD kandidiert. In Vohburg und Wellheim bei Eichstätt konnten sowohl Daniel See als auch Sebastian Pscheidt einen Sitz im Stadtrat beziehungsweise Marktgemeinderat erringen. Zudem traten alle drei Kandidaten beim Wahlkampfauftakt der AfD Rheinland-Pfalz auf, wo Zentrum einen eigenen Infostand hatte.

„Zentrum“ selbst behauptet dennoch auf Anfrage des BR24 Funkstreifzugs, es gebe „keine systematische und organisatorische Zusammenarbeit“ mit der AfD.

Erfolge bei Mercedes – bundesweit eine Randerscheinung 

Wie viele Mitglieder „Zentrum“ heute hat, will die Vereinigung auf BR-Anfrage ebenfalls nicht mitteilen, „zum Schutz strategischer Interessen und zum Schutz unserer Mitglieder“.

Gemessen an den gewonnenen Betriebsratsmandaten ist Stuttgart-Untertürkheim jedenfalls der Standort, an dem „Zentrum“ Automobil den bislang größten Erfolg hatte. Dort konnte man 2022 mit 15,8 Prozent sieben Mandate gewinnen.

Bundesweit bleibt „Zentrum“ aber bisher eine Randerscheinung: Insgesamt gibt es in Deutschland zwischen 180.000 und 200.000 Betriebsrätinnen und -räte. Zentrum stellt davon derzeit nur eine niedrige zweistellige Zahl, der bundesweite Anteil bewegt sich im Promillebereich.

Der geringe betriebliche Einfluss drückt sich auch in der fehlenden Tariffähigkeit von „Zentrum“ aus: In keinem der Betriebe, in denen „Zentrum“ im Betriebsrat vertreten ist, kann die selbsternannte „Gewerkschaft“ Tarifverträge für ihre Mitglieder abschließen. Dafür ist die Vereinigung überall zu klein.

Expertin: „Zentrum“ ist Vorfeldorganisation der extremen Rechten

„Zentrum“ habe aber eine Funktion, die über betriebliche Einflussnahme hinausgeht, sagt Daphne Weber. Die promovierte Kulturwissenschaftlerin veröffentlichte kürzlich eine Studie zu extrem rechter gewerkschaftlicher Kampagnenkommunikation.  Am Beispiel von „Zentrum“ erklärt sie die Bedeutung betrieblicher Vorfeldorganisationen für die extreme Rechte: Die Verbindung zum „sehr rechten Flügel der AfD“ sei Teil der „strategischen Hegemoniearbeit“, die die extreme Rechte um den Thüringer AfD-Chef Höcke vorantreibe.

Ziel sei es, nach und nach in der Gesellschaft eine „Anführerschaft zu postulieren“. Der Arbeitsplatz sei dafür ein besonders wichtiger Ort: „Wir alle gehen zur Arbeit und verbringen da sehr viele Stunden.“

Betriebsratsvorsitzender: Audi bleibt „vielfältig und bunt“

Der Vorsitzende des Audi-Betriebsrats, Jörg Schlagbauer, teilte dem BR auf Anfrage mit, dass Parteipolitik bei Audi keine Rolle spiele. Für die aktuellen Betriebsratswahlen erklärt er: „Ein weltweit aktives Unternehmen wie Audi, mit Beschäftigten aus über 100 Nationen, aus unterschiedlichen Kulturen und verschiedener Religionszugehörigkeit, ist vielfältig und bunt. Und das muss und wird es auch bleiben.“

Tatsächlich dürfte der Einfluss von „Zentrum“ bei Audi auch nach dem 13. März eher gering bleiben, selbst wenn alle drei Kandidaten in den Betriebsrat einziehen sollten: Insgesamt sind 55 Mandate zu vergeben.

Die ganze Recherche hören Sie im Funkstreifzug am 11.03.26 um 12:15 Uhr im Radioprogramm von BR24 oder als Podcast in der ARD Audiothek.

 

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Christin Freitag ist eine erfahrene Wirtschaftsjournalistin und Analystin, die sich auf Finanzmärkte, Unternehmensstrategien und Wirtschaftspolitik spezialisiert hat. Mit über 10 Jahren Erfahrung liefert sie fundierte Analysen und tiefgehende Einblicke für die Leser der WirtschaftsRundschau.
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