Die IEA, die Internationale Energieagentur, hatte Mitte März zu einem drastischen Schritt gegriffen und den historisch größten Notvorrat an Öl freigegeben, der jemals in der 50-jährigen Geschichte der OECD-Organisation zur Stabilisierung der Energiepreise eingesetzt wurde. Jetzt meldet sich IEA-Chef Fatih Birol mit deutlichen Worten – und warnt angesichts des Iran-Kriegs vor der womöglich schwersten Energie-Krise seit Jahrzehnten.
Vergleich mit den Ölkrisen der siebziger Jahre
Während der zwei aufeinanderfolgenden Ölkrisen in den 1970er-Jahren habe die Welt „jeweils etwa fünf Millionen Barrel Erdöl pro Tag verloren“, sagte Birol am Montag dem nationalen Presseklub im australischen Sydney. „Bis heute haben wir elf Millionen Barrel pro Tag verloren, also mehr als zwei große Ölschocks zusammengenommen“, fügte er hinzu.
See-Blockade hat weltweite Auswirkungen
Birol sprach angesichts der Blockade der für den weltweiten Seehandel wichtigen Straße von Hormus von einer „großen Bedrohung“ für die Weltwirtschaft. „Kein Land wird von den Auswirkungen dieser Krise verschont bleiben, wenn sie sich weiter in diese Richtung entwickelt“, sagte er. Daher seien globale Anstrengungen erforderlich. „Ich hoffe sehr, dass dieses Problem so bald wie möglich gelöst wird.“
Seit Beginn des Iran-Krieges am 28. Februar ist die von den iranischen Revolutionsgarden kontrollierte Straße von Hormus, durch die rund ein Fünftel des weltweiten Öl- und Flüssiggastransports passiert, faktisch gesperrt. Die Blockade sowie auch iranische Angriffe auf Öl- und Gasanlagen in der Golfregion ließen die Öl- und Gaspreise in die Höhe schnellen.
Was steckt hinter der IEA
Als Reaktion auf die Preissteigerungen beschloss die IEA Mitte März, 426 Millionen Barrel Öl ihrer Notvorräte freizugeben. Aktuell berät die Organisation mit Regierungen in Asien und Europa, weitere Reserven freizugeben.
Die IEA ist eine Unterorganisation der OECD, der bedeutendsten Organisation der westlichen Industrieländer zur Koordinierung der Wirtschafts-, Handels- und Entwicklungspolitik. Gegründet wurde die IEA als Reaktion auf die Ölkrise von 1974, heute gehören ihr über 30 westliche Industrieländer an, darunter auch Deutschland. Ihr Ziel ist es, die Energieversorgung der Mitgliedsländer zu sichern – etwa durch Notfallpläne oder Reserven, aber auch durch Entwicklung neuer Energietechnologien.
Mit Informationen von AFP

