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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Wirtschaft > Viele Apotheken geschlossen: Protest für besseres Honorar
Wirtschaft

Viele Apotheken geschlossen: Protest für besseres Honorar

Christin Freitag
Zuletzt aktualisert 23. März 2026 09:50
Von Christin Freitag
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5 min. Lesezeit
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„Uns gibt’s nicht zum Nulltarif!“, steht auf Plakaten. Viele Apotheken bleiben heute aus Protest gegen ihrer Ansicht nach unzureichende Bezahlung geschlossen. Antworten auf wichtige Fragen:

Inhaltsübersicht
Werden alle Apotheken geschlossen bleiben?Wie erfahre ich, ob meine Apotheke geöffnet hat?Warum protestieren die Apothekerinnen und Apotheker?Gibt es ein Apothekensterben?Wie bewerten die Apotheken die Ankündigungen aus der Politik?Ist Geld das einzige Thema, das die Apotheken umtreibt?

Werden alle Apotheken geschlossen bleiben?

Nein, auch wenn es Unterschiede geben wird. Der Bayerische Apothekerverband erwartet, dass gut die Hälfte der Apotheken heute geschlossen bleibt, in einigen Orten sogar drei Viertel. Apothekerinnen und Apotheker sind Unternehmer und haben keine Gewerkschaft, die ihnen Streikgeld zahlt. Deshalb sind solche Proteste für sie kostspielig. Und die Berufsordnung verbietet eigentlich Schließungen aus Protest.

Die Bayerische Landesapothekerkammer erklärt aber, sie werde mit Verstößen gegen die Berufsordnung in diesem Fall „mit Augenmaß umgehen“. Und der Ärger sei so groß, dass viele Kollegen keinen anderen Weg als spürbaren Protest sähen, sagt der bayerische Apothekerverbands-Vorsitzende Peter Hubmann.

Wie erfahre ich, ob meine Apotheke geöffnet hat?

Wer wissen will, ob seine Apotheke bei der Protestaktion mitmacht, kann dort anrufen, bevor er sie aufsucht. Eine Notdienst-Versorgung sei aber überall garantiert, erklärt der Apothekerverband. Niemand müsse Sorge haben, dass er ein Rezept gar nicht einlösen kann. Darüber, welche Apotheken einen Notdienst anbieten, informiert unter anderem das offizielle Online-Portal der Berufsverbände (externer Link).

Und die Apothekerverbände fordern die Patienten auf: Wer nicht darauf angewiesen ist, ein Rezept am Montag einzulösen, solle einen anderen Tag dafür wählen.

Warum protestieren die Apothekerinnen und Apotheker?

Im Mittelpunkt der Proteste stehen die Honorare, die Apotheken für ihre Arbeit von den gesetzlichen Krankenkassen erhalten. Für die Abgabe einer Packung eines verschreibungspflichtigen Medikaments liege das Fixum seit dem Jahr 2013 unverändert bei 8,35 Euro, kritisiert der Apotheker-Dachverband ABDA.

In anderen Bereichen habe es zwar Honorarerhöhungen gegeben, doch in der Summe sei die Vergütung innerhalb von zwölf Jahren nur um zwölf Prozent gestiegen, kritisiert der Vorsitzende des Bayerischen Apothekerverbandes, Peter Hubmann. Die Kosten seien gleichzeitig um 65 Prozent gestiegen – etwa für Personal, Mieten und Energie.

Gibt es ein Apothekensterben?

Die Berufsverbände sehen beim Blick in die Statistiken eine hohe Zahl von Schließungen, die ihrer Ansicht nach den Begriff „Apothekensterben“ rechtfertigt: Innerhalb von zehn Jahren habe etwa ein Fünftel aller Apotheken dichtgemacht. Hauptgrund dafür sei die immer größere Schere zwischen Kosten und Einnahmen.

Die gesetzlichen Krankenkassen halten den Warnungen der Apothekerverbände eine Studie des Forschungsinstituts IGES (externer Link) entgegen, die der GKV-Spitzenverband in Auftrag gegeben hat. Danach erreiche „nahezu jeder Mensch in Deutschland innerhalb von 10 bis 15 Minuten von zu Hause mit dem Auto eine Apotheke“. Mehr als 40 Prozent aller Einwohnerinnen und Einwohner könnten innerhalb von 15 Minuten zu Fuß von ihrem Zuhause aus eine Apotheke erreichen. Und zwischen 2020 und 2025 habe sich „die Erreichbarkeit von Apotheken unter Berücksichtigung von Schließungen und Neueröffnungen kaum verändert“, erklären die Kassen.

Wie bewerten die Apotheken die Ankündigungen aus der Politik?

Der Chef des Bayerischen Apothekerverbandes, Hubmann, sieht durchaus Signale aus der Bundesregierung, dass die Probleme des Berufsstandes dort erkannt werden. Im Koalitionsvertrag von Union und SPD sei eine Anhebung der Apothekenhonorare vereinbart, sagt Hubmann und fügt gleichzeitig hinzu: „Aber von einer Absicht bis zur tatsächlichen Verordnung ist es ein weiter Weg. Und bevor es nicht schwarz auf weiß da ist, müssen wir unseren Forderungen immer wieder Nachdruck verleihen.“

Ist Geld das einzige Thema, das die Apotheken umtreibt?

Nein, Honorare sind nicht der einzige Kritikpunkt der Apothekerverbände. Ein weiterer Punkt, der bei Berufsverbänden auf Widerstand stößt, sind Pläne der Bundesregierung „Apotheken ohne Apotheker“ möglich zu machen. Dort sollen Pharmazeutisch-Technische Assistenten (PTA) den Betrieb organisieren dürfen, ohne dass ein Apotheker oder eine Apothekerin mit universitärer Ausbildung und entsprechender Approbation vor Ort sein muss.

Hubmann sieht hier die Gefahr einer „Deprofessionalisierung“, die auch zu Lasten von Patienten gehe. PTAs seien unverzichtbare Stütze der Apotheken, betont Hubmann. Aber die Letztverantwortung für die Arbeit in einer Apotheke müsse immer bei einer Apothekerin oder einem Apotheker liegen.

 

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Christin Freitag ist eine erfahrene Wirtschaftsjournalistin und Analystin, die sich auf Finanzmärkte, Unternehmensstrategien und Wirtschaftspolitik spezialisiert hat. Mit über 10 Jahren Erfahrung liefert sie fundierte Analysen und tiefgehende Einblicke für die Leser der WirtschaftsRundschau.
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