Kein Zweifel soll entstehen: Hier ist alles echt, die Dinos, das Meer, die Fähre, mit der wir im ersten Raum zur legendären Musik von John Williams zur Dino-Insel Nubla fahren. Dann: Das große Tor mit der Inschrift „Jurassic World“. Dahinter mit freundlich-gutmütigem Blick: ein Brachiosaurus. Nun ja, der enorm lange Hals eines solchen, der aus Baumkronen hervorragt.
Der Brachiosaurus war der Riese unter den Dinos, etwa 20 Meter hoch – so einer würde gar nicht reinpassen in die Kleine Olympiahalle – deswegen halt „nur“ der beeindruckend lange Hals. Der aber bewegt sich so majestätisch mit funkelndem Blick, dass es leichtfällt, wieder in die Illusion einzutauchen.
Manchmal durchaus gruselig
„Der Grund, warum sie so lebensecht und natürlich aussehen, ist, dass sie alle mit eigenen Motoren ausgestattet sind, die jedes Teil von ihnen steuern“, sagt Josephine Doll, Technical Specialist bei der Firma, die die Animatronics baut. Im T-Rex zum Beispiel – er bildet das große Finale der Ausstellung – sind alleine 22 Motoren verbaut, unter anderem für die Augenlider und Augen. Und das sorgt dann – zusammen mit der intensiven Soundkulisse – schon dafür, dass die ausgestorbenen Dinos ganz schön lebendig wirken – und zum Teil auch ganz schön gruselig.
Das ist vor allem für Familien wichtig zu wissen. Eine Altersbeschränkung geben die Veranstalter nämlich nicht an. Ein sechsjähriges Kind, das bei der Besichtigung in den zum Teil dunklen, lauten Räumen Angst hatte, wollte den Besuch abbrechen. Für solche Fälle hat Christoph Scholz eine wichtige Info – er ist der Veranstaltungsdirektor. „Wenn wir mitbekommen, dass es vielleicht mal für das eine oder andere Kind ein bisschen zu gruselig werden könnte, dann geben wir den Eltern einen Wink, dann kann ein Raum übersprungen werden – oder dann fällt die eine oder andere Szene auch mal etwas harmloser aus.“
Süße Babydinos und gefährliche Fleischfresser
Zehn Räume betritt man insgesamt, jedes Mal wird man empfangen von einem Mitarbeiter oder einer Mitarbeiterin in beiger Ranger-Uniform. Sie haben jeweils eine Rolle – mal mehr, mal weniger dramatisch, je nachdem, welche Szene einen in dem Raum erwartet. Vom Tänzchen mit dem Velociraptor über das Labor, wo man mit Gummihandschuhen etwas sehr Großes, Braunes anfassen kann, das in einer Glaskugel steckt, bis zum Präsentieren von insgesamt vier Baby-Dinos. Die Handpuppen werden auf dem Arm hereingetragen und können sich bewegen und Geräusche von sich geben.
Von süßen Babydinos bis wirklich gruseligen Carnivoren ist das eine ziemlich abwechslungsreiche „Experience“. Gut ist, dass man sich einen Zeitslot buchen muss, damit die Zahl der Leute begrenzt ist, mit denen man zeitgleich einen Raum betritt.
Auch die Schauspielerinnen und Schauspieler legen sich ins Zeug, was zusammen mit der wirklich beeindruckenden Technik der Animatronics am Ende den Eintrittspreis schon rechtfertigt. Ein Einzelticket kostet knapp 30 Euro, für eine vierköpfige Familie kommt man reduziert auf immerhin 94 Euro. Das Wichtigste muss man aber selbst mitbringen: die Lust, sich auf die Illusion einzulassen.

