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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Wissen > NSDAP-Kartei online: Was tun, wenn der eigene Opa auftaucht?
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NSDAP-Kartei online: Was tun, wenn der eigene Opa auftaucht?

Michael Farber
Zuletzt aktualisert 21. April 2026 11:47
Von Michael Farber
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5 min. Lesezeit
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Die Suche ist relativ einfach. Wer wissen will, ob der eigene Großvater oder die eigene Großmutter in der NSDAP war, kann das mit wenigen Klicks selbst nachsehen. Auf der Website des US-Nationalarchivs (externer Link) sind mehr als 16 Millionen Daten öffentlich zugänglich gemacht. Gerade bei selteneren Namen führt das oft schnell zu Ergebnissen. Bei häufigen Namen wird es mühsamer: Dann muss man genauer hinschauen, Geburtsdaten prüfen und sich durch mehrere Treffer arbeiten.

Inhaltsübersicht
Keine NazisuchmaschineDer Fund ist kein Endpunkt, sondern der AnfangAuch Entnazifizierungsakten können wichtig seinWas die Online-Veröffentlichung für die Forschung verändert

Doch leicht zugänglich heißt nicht automatisch leicht zu verstehen. Die neue Online-Recherche kann einen wichtigen Hinweis liefern – sie ersetzt aber keine historische Einordnung. Der Leipziger Historiker Martin Clemens Winter spricht von historischen Rohdaten. Im Interview mit dem Bayerischen Rundfunk sagt Winter, in der neuen Online-Recherche sehe man vor allem, ob und wann eine Person in die NSDAP eingetreten ist. Je früher, desto überzeugter war sie wahrscheinlich.

Keine Nazisuchmaschine

Die digitalisierten Unterlagen seien aber keine Nazi-Suchmaschine, wo man einfach einen Namen eingebe und alles über die Vergangenheit einer Person erfahre. Eine Karteikarte belegt in der Regel eine formale NSDAP-Mitgliedschaft oder einen konkreten Aufnahmevorgang. Sie ist also keine Lappalie. Aber sie beweist für sich genommen noch nicht, welche Rolle jemand im NS-Staat spielte, ob er überzeugter Nationalsozialist war, opportunistisch handelte oder an Verbrechen beteiligt war.

Auf der anderen Seite gilt auch: Wenn die Angehörigen nicht in der Kartei auftauchen, waren sie nicht automatisch unbelastet. Winter verweist darauf, dass Menschen den Nationalsozialismus auch ohne Parteibuch unterstützt haben können – oder an NS-Verbrechen beteiligt gewesen sein können.

Außerdem ist die Suche auch fehleranfällig. Wichtig sind Zusatzangaben wie Geburtsdatum, Wohnort oder andere biografische Hinweise. Nur wenn diese Daten zur Familiengeschichte passen, wird aus einem Treffer ein belastbarer Hinweis.

Der Fund ist kein Endpunkt, sondern der Anfang

Für Angehörige bedeutet das: Wer den eigenen Großvater in der Kartei findet, hat nicht „die Wahrheit“ über ihn entdeckt. Er oder sie hat einen Ausgangspunkt gefunden. Und kann jetzt in die tiefergehende Recherche einsteigen. Familienunterlagen, alte Meldeadressen, Geburtsurkunden, Wehrmachtsunterlagen können weitere Hinweise liefern.

Winter empfiehlt eine Anfrage beim Bundesarchiv in Berlin. Dort ließen sich nicht nur die originalen NSDAP-Unterlagen selbst, sondern oft auch Informationen aus anderen Beständen ermitteln. Zum Beispiel war der Großvater in der SA oder in der SS? In welchen Einheiten war er im Krieg? Welche weiteren Spuren gibt es in NS-Organisationen? Genau solche Fragen kann die Online-Kartei allein nicht beantworten. Außerdem gebe es dort Auskünfte von Fachleuten. Für Laien ist das wichtig, weil Archivmaterial oft schwer zu lesen und noch schwerer historisch einzuordnen ist.

Der verbreitete Satz, jemand sei automatisch in die Partei geraten, ist ein Mythos. Darauf weist das Bundesarchiv ausdrücklich hin. Für die Aufnahme war grundsätzlich ein unterschriebener Einzelantrag nötig; Sammelaufnahmen seien nicht vorgesehen gewesen.

Auch Entnazifizierungsakten können wichtig sein

Wer tiefer in die Familiengeschichte einsteigen will, sollte nicht bei der Parteikartei stehenbleiben. Winter verweist besonders auf Entnazifizierungsakten, „auch wenn sie mit Vorsicht zu lesen seien.“

Denn nach 1945 habe kaum jemand offen eingeräumt, den Nationalsozialismus stark unterstützt zu haben. Trotzdem lassen sich daraus oft wichtige Hinweise gewinnen: Wie stellte sich die Person selbst dar? Wie beurteilten andere sie? Welche Funktionen oder Tätigkeiten kamen zur Sprache? Die Akten liegen in der Regel auf Landesarchiv-Ebene. Teilweise sind die Bestände sogar schon online durchsuchbar, etwa in Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg.

Was die Online-Veröffentlichung für die Forschung verändert

Winters Blick geht über die Familienrecherche hinaus. Für Historikerinnen und Historiker sei die neue Zugänglichkeit „wirklich eine große Erleichterung“. Denn statt einzelne Personen nur über Archive anfragen zu können, lasse sich jetzt schneller selbst suchen – nach Namen, Orten, Firmen oder anderen Begriffen.

Winter selbst forscht über Zwangsarbeit und Judenmord beim Leipziger Rüstungskonzern HASAG (externer Link) und beschreibt, wie sich dadurch neue Wege eröffnen: Er kann gezielter nach Personen oder Unternehmen suchen und Verbindungen sichtbar machen, die früher nur mit großem Aufwand auffindbar waren.

 

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Von Michael Farber
Michael Farber ist ein erfahrener Journalist, der das Ressort Wissen der WirtschaftsRundschau leitet. Mit seiner Expertise in Wissenschaft und Technologie berichtet er über die neuesten Entwicklungen und Entdeckungen und bietet den Lesern spannende Einblicke in komplexe Themen.
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