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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Wissen > Was bringen Vogelzählungen und Bürgerforschung tatsächlich?
Wissen

Was bringen Vogelzählungen und Bürgerforschung tatsächlich?

Michael Farber
Zuletzt aktualisert 22. April 2026 12:48
Von Michael Farber
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4 min. Lesezeit
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Sogenannte Bürgerforschungsprojekte werden immer beliebter, bei Naturschutzverbänden und der Bevölkerung. Am 24. April startet die weltweit größte Mitmachaktion, die „City Nature Challenge“. Erstmals beteiligen sich an dem alljährlichen Wettbewerb des kalifornischen City-Science-Projekts auch drei bayerische Städte: Nürnberg, Fürth und Erlangen (externer Link).

Inhaltsübersicht
Expertin: Hobbyforscher wichtig für WissenschaftBeobachtungen helfen, Datenlücken zu schließenKlimawandel beschleunigt Veränderungen der ArtenvielfaltBürgerforschung liefert Daten für globale VeränderungenMitmachaktionen erfassen nur Teil der Insektenarten

Expertin: Hobbyforscher wichtig für Wissenschaft

Am Botanischen Garten der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg engagiert sich Katrin Simon für den Erfolg der City Nature Challenge, denn von den Beobachtungen der Hobbyforscher profitiert die Wissenschaft.

„Diese Beobachtungen sind wichtig zur Erforschung der Stadt-Ökologie, denn sie zeigen, wie sich die Biodiversität verändert“, erklärt Simon. Sie erlebt viel Zuspruch von Naturliebhabern und macht regelmäßig Aktionen, die Kinder und Erwachsene für ihre Umwelt sensibilisieren und zum Mitmachen einladen.

Beobachtungen helfen, Datenlücken zu schließen

Welche Folgen haben Veränderungen wie Baumaßnahmen, Abholzungen und Straßenbau für die Artenvielfalt? Welche Pflanzen- und Tierarten profitieren davon, wenn Flächen wieder entsiegelt und begrünt werden? Langfristige Studien zu diesen Fragen fehlen in der Regel, und damit auch die Dokumentation, wie sich vor Ort eine schrittweise Umweltveränderung auf das Vorkommen bestimmter Arten, zum Beispiel Fledermäuse, auswirkt.

Laut Katrin Simon wächst auch der Bedarf an engagierten Artenkennern, das Berufsbild sei zwar wenig attraktiv, aber: „Wenn man in der App aktiv wird, kann man es als Hobby machen und sich da herantasten – und wer mag, durch die Informationen auf der Plattform selbst ein gefragter Artenkenner werden.“ Gerade die kleinen und unscheinbaren Insekten und Moose seien bislang schlecht erforscht. „Sie zu unterscheiden ist schwierig, Pilze sind schwierig, aber auch Bienen – das ist unglaublich spannend.“

Mitmachen geht für alle Interessierten in Mittelfranken (externer Link) ganz einfach: die kostenfreie App „iNaturalist classic“ herunterladen und einen Benutzer-Account anlegen. Danach die Fotos, die während der Challenge aufgenommen wurden, mittels App hochladen.

Klimawandel beschleunigt Veränderungen der Artenvielfalt

Die globale Erderwärmung mit mehr Hitzetagen, Dürren oder Starkregen erschwert wissenschaftsbasierte Empfehlungen für zukunftsfähige Artenschutzkonzepte. Weil sich Lebewesen unterschiedlich gut an Umweltveränderungen anpassen können, gehen beispielsweise die Zahlen von Insekten- und Amphibienarten zurück.

Deshalb rufen Naturschutzverbände regelmäßig zu Mitmachaktionen auf. Da aufgrund des Insektensterbens auch eine Nahrungsbasis für viele Vögel oder Igel verloren geht, liefern regelmäßige „Inventuren“ wichtige Hinweise darauf, welche Naturschutzkonzepte lokal ratsam sind (externer Link). Sie bestimmen auch die Beurteilung, wie verbreitet einzelne Arten sind und welche Art als gefährdet gilt und auf die „Rote Liste“ kommt.

Bürgerforschung liefert Daten für globale Veränderungen

Expertengruppen begutachten alle Funde von Bürgerforschungsprojekten. Die Plattform iNaturalist sammelt diese und macht wertvolle Beobachtungen auch für wissenschaftliche Studien nutzbar. Forschungsqualität haben Daten mit mindestens einem Foto oder einer Tonaufnahme sowie exakter Zeitangabe. Auch der genaue Aufnahmeort muss vermerkt sein. Diese georeferenzierten Daten können Forschergruppen gezielt abfragen und etwa einzelne Artenvorkommen in Landkarten darstellen.

Matthias Nuß ist Schmetterlingsforscher und Sektionsleiter Lepidoptera bei den Naturhistorischen Sammlungen Dresden Senckenberg. Er setzt erfolgreich auf Bürgerbeteiligung bei regionalen Projekten (externer Link): „Wir können damit Auswertungen machen, die ohne ‚Citizen Scientists‘ gar nicht möglich wären. Beispielsweise Auswirkungen des Klimawandels und wie sich Arten aus den südlichen Teilen Europas bei uns ausbreiten, zum Beispiel die große Holzbiene oder die Gottesanbeterin.“ 

Mitmachaktionen erfassen nur Teil der Insektenarten

In Bayern wurde etwa eine neue Hummelart bei einer Mitmachaktion entdeckt. Schmetterlingsexperte Nuß sieht aber auch Grenzen bei den sogenannten „Bioblitz-Mitmach-Aktionen“, die nur wenige Tage umfassen. Denn dabei werden vor allem bekannte Pflanzen, Wildtiere oder Singvögel fotografiert, anders als kleine und unscheinbare Insektenarten, deren Verbreitung weniger bekannt ist.

„Von schätzungsweise 40.000 Insektenarten in Deutschland sind etwa 10.000 so groß, dass wir sie mit dem Smartphone aufnehmen können“, so der Tierkundler Nuß. Die anderen 30.000 Arten seien entweder zu klein oder nicht nach äußeren Merkmalen eindeutig bestimmbar.

 

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Von Michael Farber
Michael Farber ist ein erfahrener Journalist, der das Ressort Wissen der WirtschaftsRundschau leitet. Mit seiner Expertise in Wissenschaft und Technologie berichtet er über die neuesten Entwicklungen und Entdeckungen und bietet den Lesern spannende Einblicke in komplexe Themen.
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