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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Wirtschaft > Lieferengpässe bei Arznei – Wie ist die aktuelle Lage?
Wirtschaft

Lieferengpässe bei Arznei – Wie ist die aktuelle Lage?

Christin Freitag
Zuletzt aktualisert 23. April 2026 08:48
Von Christin Freitag
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3 min. Lesezeit
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Für knapp 560 Medikamente ist derzeit beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) ein Lieferengpass gemeldet. Diese Zahl relativiere sich aber, wenn man in Betracht ziehe, dass in Deutschland rund 100.000 Medikamente mit verschiedenen Wirkstoffen oder Dosierungen am Markt sind, erklärt das BfArM. Auf Marktanteile gerechnet, sei nur etwa ein Prozent des Arznei-Gesamtmarktes von Lieferengpässen betroffen.

Inhaltsübersicht
Engpass ist nicht gleich MangelMaßnahmen der Vorjahre greifenZustimmung vom ApothekerverbandDifferenzierte Einschätzung aus der Industrie

Auch wenn es in der Weltpolitik viele Unsicherheiten gebe, sei die Versorgungslage in Deutschland „grundsätzlich stabil“, betont die Behörde.

Engpass ist nicht gleich Mangel

Das BfArM betont gleichzeitig, dass unter Fachleuten zwischen Lieferengpässen und Versorgungsmängeln unterschieden wird. Von einem Lieferengpass ist die Rede, wenn ein bestimmtes Präparat einige Zeit lang nicht verfügbar ist, aber ersetzt werden kann. Wenn beispielsweise der Hersteller eines patentfreien Schmerzmittels in einer bestimmten Dosierung einige Wochen lang nicht liefern kann, haben Apotheken die Möglichkeit, auf Präparate anderer Hersteller auszuweichen.

Als Versorgungsmangel gilt es hingegen, wenn die Versorgung der Patienten tatsächlich nicht mehr durchgängig sichergestellt ist und Gegenmaßnahmen ergriffen werden müssen, etwa der außerplanmäßige Zukauf von Arzneien aus dem Ausland. Ein Beispiel dafür waren Probleme mit dem Krebsmedikament Tamoxifen im Jahr 2022. „Solche als Versorgungsmangel definierten Situationen gab es in den vergangenen 10 Jahren erst rund 15 Mal“, erklärt das BfArM.

Maßnahmen der Vorjahre greifen

Nach Problemen mit Lieferengpässen und vereinzelt auch Versorgungsmängeln in früheren Jahren hätten die politischen Entscheider und die Selbstverwaltung im Gesundheitswesen Maßnahmen ergriffen, erklärt das BfArM. So werde inzwischen mehr darauf geachtet, dass von Industrie, Großhandel und Apotheken ausreichende Mengen auf Lager gehalten würden. Das Bundesinstitut kommt daher zum Ergebnis: „Die Vorratssituation hat sich aufgrund der Maßnahmen in den vergangenen Jahren weiter verbessert.“

Zustimmung vom Apothekerverband

Eine ähnliche Einschätzung hat man beim Bayerischen Apothekerverband (BAV). Dessen Vorstandsmitglied Maximilian Lernbecher erklärt, es sei derzeit keine Verschlechterung spürbar. Es habe wegen des Konflikts in der Golfregion zwar Warnungen vor einem Mangel an technischen Gasen gegeben, die für die Arzneiproduktion nötig sind. Aber hier sei nichts mehr zu hören, erklärt der BAV-Vorstand Lernbecher.

Differenzierte Einschätzung aus der Industrie

Auch der Branchenverband Progenerika, in dem Hersteller von patentfreien Medikamenten zusammengeschlossen sind, erwartet wegen der Unsicherheit in der Golfregion derzeit keine unmittelbaren Auswirkungen auf die Versorgung. Wenn es Lieferengpässe gibt, dann treffen sie meist Generika-Unternehmen und nicht die Produzenten von patentgeschützten Arzneien. Denn in der Generikabranche ist der Preiswettbewerb wesentlich stärker als unter Herstellern patentgeschützter Medikamente.

Kurzfristige Störungen könnten zwar zunächst abgefedert werden, erklärt Progenerika. Denn Generika-Hersteller verfügten „in der Regel über Lagerbestände von vier bis acht Wochen oder mehr“. Wenn die geopolitischen Spannungen anhalten, wachse jedoch das Risiko, dass es spürbare Lieferprobleme geben könnte, warnt der Verband.

 

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Christin Freitag ist eine erfahrene Wirtschaftsjournalistin und Analystin, die sich auf Finanzmärkte, Unternehmensstrategien und Wirtschaftspolitik spezialisiert hat. Mit über 10 Jahren Erfahrung liefert sie fundierte Analysen und tiefgehende Einblicke für die Leser der WirtschaftsRundschau.
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