Hiobsbotschaften kann man in Deutschland beim Glasfaser-Ausbau gerade gar nicht brauchen. Die Bundesregierung in Person von Digitalminister Karsten Wildberger versucht, das Thema voranzutreiben. Nun aber ist die Glasfaser-Branche ins Visier der Ermittler geraten. Dem Beschäftigten einer Telekom-Tochterfirma wird Korruption vorgeworfen. Er soll einem Bauunternehmen Aufträge für den Glasfaser-Ausbau zugeschanzt haben – gegen Bezahlung.
Eine halbe Million Euro beschlagnahmt
Das Landeskriminalamt in Nordrhein-Westfalen durchsuchte deshalb bei einer Razzia rund 40 Wohn- und Geschäftsräume, sowie Bankschließfächer. Berichten zufolge wurde ein Vermögen von über einer halben Million Euro eingefroren. Neben dem Telekom-Mitarbeiter sollen neun andere Personen von Baufirmen im Fokus der Ermittler stehen.
Ins Rollen gebracht hat den Fall die Telekom selbst. Der Konzern berichtet, man sei einem anonymen Hinweis intern nachgegangen und habe den Fall anschließend zur Anzeige gebracht. Ob der Fall auch nach Bayern reicht, dazu konnte ein Telekom-Sprecher auf Anfrage nichts sagen. Unklar ist bislang auch, ob Korruption beim Glasfaserausbau eine größere Rolle spielt. Allerdings ist die Auftragsvergabe bundesweit beim Glasfaserausbau ein Problemfeld.
Gewirr an Sub-Sub-Sub-Firmen
Vergibt eine Gemeinde ein Glasfaser-Projekt etwa an die Deutsche Telekom oder die Deutsche Glasfaser, dann suchen die sich eine Baufirma für die Ausführung. Diese Firma wird den Auftrag aber meist nicht allein abarbeiten. Vielmehr werden die Arbeiten teilweise oder auch ganz an eine oder mehrere Firmen weitergereicht.
Und auch die geben die Arbeiten oft nochmal weiter. Dabei kann ein Gewirr von Subfirmen entstehen, bei dem niemand mehr so richtig durchblickt. Wenn etwa eine Gemeinde bei den Bauarbeiten Nachbesserungen fordert, wird sie mit ihrer Beschwerde gerne von einer Firma zur nächsten weitergereicht. Andersherum wissen die Bauarbeiter vor Ort oft gar nicht mehr, für wen sie letztendlich tätig sind.
Gewerkschaft will klare Regeln für Glasfaser-Baustellen
Nicht ohne Grund fordert also die IG Bauen-Agrar-Umwelt [externer Link] eine „Begrenzung der Unterauftragskette“. Notwendig sei die Begrenzung auf maximal ein bis zwei Glieder in so einer Kette. Ein von der Telekom beauftragtes Bauunternehmen darf den Auftrag demnach höchstens an einen weiteren Unterauftragsnehmer weitervergeben. Diese Forderung hatte die Gewerkschaft bereits 2024 gestellt. Grundlegend geändert hat sich am Subfirmenchaos aber bislang nichts, wie der Sprecher von IG-Bau-Agrar-Umwelt, Frank Tekkilic, auf Anfrage mitteilt.
Menschenunwürdige Zustände beim Glasfaserbau
Die Kritik des Gewerkschaftsvertreters reicht aber noch viel weiter. Beim Glasfaserausbau gebe es kurzzeitige Wanderbaustellen. Bis ein Kabel vergraben ist, dauert es ja nur wenige Tage. Die Baustellen seien deshalb schlecht zu kontrollieren, sagt Frank Tekkilic. Und dementsprechend werde dort viel Schindluder getrieben. Zwar gebe es selbstverständlich Baustellen, an denen sauber und zuverlässig gearbeitet werde. Oft würden aber auch menschenunwürdige Zustände herrschen, das bestätigen auch Medienberichte schon länger.
Demnach fehlen oft Toiletten, Arbeiter werden geschlagen und zu schlecht bezahlt, also unter dem gesetzlich vorgeschriebenen Mindestlohn. Die Gewerkschaft fordert vom Staat, die Glasfaser-Baustellen schwerpunktmäßig zu kontrollieren. Und auch die Auftraggeber, also etwa die Deutsche Telekom oder die Deutsche Glasfaser, sollen selbst vor Ort zusehen, dass alles richtig läuft.
Deutsche zögerlich gegenüber Glasfaser
Wenn zu solchen Missständen beim Glasfaserausbau nun auch noch Korruption dazukommt, dann schadet das dem ohnehin schon angekratzten Image der Branche weiter. Die Deutschen sind bei dem Thema nach wie vor zurückhaltend. Noch immer wollen Haushalte reihenweise auch dann keinen Vertrag unterschreiben, wenn das Kabel eigentlich schon an der Haustüre liegt. Auch das bremst den Ausbau.
Und so ist es nicht verwunderlich, dass Deutschland im internationalen Vergleich ziemlich abgeschlagen auf den unteren Plätzen rangiert, wenn es um das Internetkabel geht, durch das Daten mit Lichtgeschwindigkeit geschickt werden.

