Deutschland hat eine Krankenversicherung, die weltweit einzigartig ist. Zwei von der Grundlogik völlig verschiedene Systeme kümmern sich um den Versicherungsschutz.
Wer kann sich privat versichern?
Die private Krankenversicherung (PKV) kommt nur für einen bestimmten Kreis von Menschen in Frage. Für Arbeitnehmer, deren Einkommen unterhalb einer bestimmten Grenze liegt, ist die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) eine Pflichtversicherung. Derzeit liegt diese Grenze bei 6.450 Euro im Monat.
Nur wer als abhängig Beschäftigter mehr verdient, gilt als freiwillig versichert und kann gegebenenfalls in die private Krankenversicherung wechseln. Auch für Selbstständige, die freiwillig gesetzlich versichert sind, kommt ein Wechsel in die PKV in Frage. Für Beamte ist oft die PKV die günstigste Option.
Was soll mit den Einkommensgrenzen geschehen?
Die Versicherungspflichtgrenze von derzeit 6.450 Euro im Monat soll nach den aktuellen Plänen nicht wesentlich verändert werden. Sie darf aber nicht mit der Beitragsbemessungsgrenze (BBG) verwechselt werden. Die BBG legt fest, bis zu welchem Einkommen Kassenbeiträge erhoben werden. Sie liegt derzeit bei 5.812,50 Euro im Monat, also niedriger als die Versicherungspflichtgrenze.
Hier ist eine Anhebung um 300 Euro im Monat im Gespräch. Gutverdiener würden damit auf einen höheren Teil ihres Gesamteinkommens Kassenbeiträge zahlen. Für sie könnte der Anreiz steigen, in die GKV zu wechseln.
Akzeptiert die PKV jeden?
Nein. Hier gibt es einen grundlegenden Unterschied zwischen PKV und GKV. In der gesetzlichen Krankenversicherung gilt ein sogenannter Kontrahierungszwang. Wer in die Zuständigkeit der gesetzlichen Krankenversicherung fällt, kann sich seinen Versicherer frei aussuchen. Vorerkrankungen, Alter oder Einkommen spielen keine Rolle.
Die private Krankenversicherung arbeitet nach einem ganz anderen Prinzip: Sie bewertet das statistische Kostenrisiko, das ein Antragsteller mitbringt, und bietet dementsprechend einen Tarif an. Wer jung und gesund ist und nicht raucht, bekommt oft vergleichsweise günstige Tarife angeboten. Wer älter ist und vielleicht an einer chronischen Krankheit leidet, muss oft einen hohen Tarif zahlen oder bekommt möglicherweise gar keine Police.
Wie viel kann ein Wechsel sparen?
Ob jemand durch einen Wechsel von der GKV in die PKV Geld spart, kommt auf den Einzelfall an und lässt sich oft erst nach vielen Jahren im Nachhinein sagen. Als Faustregel gilt: Wenn freiwillig gesetzlich Versicherte in jungen Jahren von der GKV in die PKV wechseln, zahlen sie oft jeden Monat erst einmal weniger.
Die Rechnung fällt aber anders aus, wenn die Prämien im jeweiligen Tarif schneller steigen als erwartet oder wenn Kinder ins Spiel kommen. Kinder sind in der gesetzlichen Krankenversicherung ohne eigenen Beitrag mitversichert, in der PKV werden für sie Prämien fällig.
Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) will zwar für einen Teil der Ehepartner, die in der GKV derzeit beitragsfrei mitversichert sind, künftig Beiträge erheben. Kinder sollen aber in der beitragsfreien Mitversicherung bleiben.
Ist eine Rückkehr in die GKV möglich?
Hier gilt: Wer einmal von der GKV in die PKV wechselt, muss in aller Regel dort bleiben. PKV-Versicherte können in bestimmten Fällen in günstigere Tarife wechseln, wenn ihnen ihr zunächst gewählter Tarif zu teuer wird. Aber eine Rückkehr in die GKV ist meist schwierig bis unmöglich.
Wie entwickeln sich die Prämien in der PKV?
Ebenso wie in der GKV steigen bei den Privatversicherern die Ausgaben zügig, deswegen erhöhen sie regelmäßig ihre Prämien. Zum Jahresbeginn 2026 hat der Branchenverband über Anhebungen bei 60 Prozent der Versicherten berichtet, die sich im Schnitt auf 13 Prozent summierten.
Zu beachten ist dabei: Die Reformen in der GKV haben das Ziel, dass die Beitragssätze nicht weiter steigen, sondern in den nächsten Jahren stabil bleiben. Die PKV hat keine Möglichkeit, ihre Ausgaben per Gesetz zu begrenzen. Sie muss auf andere Steuerungsmöglichkeiten zurückgreifen, wie etwa Selbstbeteiligungen der Versicherten.
Wie groß sind die Unterschiede im Leistungsangebot?
Es heißt oft, Privatversicherte seien Patienten erster Klasse, GKV-Versicherte seien eher in der zweiten Klasse. Solche Aussagen stimmen nach Einschätzung von Fachleuten so nicht. Denn welche Leistung eine Privatversicherung zahlt, hängt von der konkreten Police ab, die ein Kunde abgeschlossen hat.
Nachgewiesen wirksame neue Therapien erhalten gesetzlich Versicherte genauso schnell wie Privatversicherte. Es ist ein Irrtum, zu glauben, dass beispielsweise wirksame neue Medikamente nur Privatpatienten verschrieben werden.

