In Zukunft, so will es die Bundesregierung, soll auch wieder der Einbau von neuen Öl- und Gasheizungen erlaubt sein. Außerdem soll die Pflicht wegfallen, dass neue Heizungen zu mindestens 65 Prozent aus Erneuerbaren Energien betrieben werden müssen. Diese Änderungen sorgen bei den Bürgern für Verunsicherung, sagt Stefan Jessenberger. Er ist Vorsitzender des Vereins „Energiewende ER(H)langen“ und berät Menschen, die zum Beispiel eine neue Heizung einbauen wollen. Zunehmend kämen Bürger zu ihm, die von der aktuellen Heizungspolitik irritiert sind.
Was für eine Heizung einbauen? Beratung tut Not
Eigentlich läuft die 25 Jahre alte Ölheizung von Richard Schmidt noch gut. Dennoch beschäftigt sich der Hausbesitzer schon lange damit, sie auszutauschen. Er möchte sein Haus „für die Zukunft rüsten“, wie er sagt. Die aktuelle Politik zum Thema „Heizen“ kann er nicht nachvollziehen. Beraten lässt er sich deshalb unter anderem bei Stefan Jessenberger.
Obwohl Schmidt mit seiner Frau und zwei weiteren Familien in einem rund 300 Jahre alten Bauernhaus auf 300 Quadratmetern wohnt, sieht Jessenberger die Möglichkeit, hier eine Wärmepumpe einzubauen. Moderne Geräte könnten selbst solche Häuser ausreichend heizen, sagt er.
Heizungsbauer plädiert für Wärmepumpe
Um sicherzugehen, hat sich Richard Schmidt auch mit Heizungsbauer Jürgen Pillipp verabredet. Gemeinsam besichtigen sie das Anwesen, schauen genau, welche Maßnahmen eventuell noch gemacht werden müssen, um eine neue Heizanlage einzubauen. Schmidt hat über die Jahre viel in das alte Bauernhaus investiert. Er hat eine Photovoltaik- sowie eine Solarthermieanlage installiert, einige Heizkörper erneuert und auch Teile der Fassade neu gedämmt. Ideale Voraussetzungen, um hier eine Wärmepumpe zu installieren, sagt der Heizungsbauer.
Generell habe er gute Erfahrungen mit Wärmepumpen in bestehenden Gebäuden gemacht. Es sei ein Mythos, dass man immer eine perfekte Isolierung oder eine Fußbodenheizung benötige, sagt Pillipp.
„Biotreppe“ birgt Risiko
Alternativen wie eine neue Öl- oder Gasheizung sieht nicht nur Installateur Jürgen Pillipp, sondern auch Stefan Jessenberger vom Verein „Energiewende ER(H)langen“ kritisch. Wer sich für solch ein Heizsystem entscheidet, so der Plan der Bundesregierung, muss schrittweise auf C02-neutrale Brennstoffe zurückgreifen. Man spreche von der „Biotreppe“, sagt Jessenberger: „Die Gefahr an dieser sogenannten Biotreppe ist, dass nicht genügend Brennstoff zur Verfügung stehen wird, und vor allem nicht zu Preisen, die bezahlbar sind“, warnt Jessenberger. Bis 2029 soll der Anteil von CO2-neutralen Brennstoffen bei Öl- und Gasheizungen bei zehn Prozent liegen.
Solche Brennstoffe sind laut Stefan Jessenberger aber in erster Linie in der Industrie gefragt. Er rät den Menschen deshalb, auf alternative Heizsysteme wie die Wärmepumpe umzusteigen. Die Geräte seien außerdem bei der Effizienz unschlagbar. Aus einer Kilowattstunde Strom können moderne Geräte seinen Worten zufolge heute fünf bis sechs Kilowattstunden Wärmeleistung erbringen.
Höhere Strompreise und teure Anschaffungskosten
Noch immer sind die Strompreise in Deutschland aber im europäischen Vergleich hoch. Laut dem Statistischen Bundesamt lagen sie im 2. Halbjahr 2025 im Durchschnitt bei 40,55 Cent je Kilowattstunde bei privaten Haushalten. Stromvergleichsportale zeigen derzeit, dass es auch Tarife gibt, bei denen die Kilowattstunde unter 30 Cent kostet. Dennoch: Der Anschaffungspreis für eine neue Heizanlage ist häufig mit hohen Investitionen verbunden.
Auch Richard Schmidt muss schätzungsweise 45.000 Euro zahlen, Förderungen nicht eingerechnet. „Viel Geld“, sagt er, dennoch möchte er die Summe investieren. „Ich möchte, dass die nachfolgenden Generationen dann Ruhe haben“, erzählt er.
Und einen großen Vorteil hat Schmidt: Er kann wohl zumindest teilweise den Strom seiner PV-Anlage für den Betrieb seiner Wärmepumpe verwenden- und hofft, dass sich die Investitionen in Zukunft bezahlt machen, mit einer Wärmeversorgung, die dann möglichst unabhängig vom Weltmarkt ist.

