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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Kultur > Museumsbesuch auf Rezept? So heilsam sind Kunst und Kultur
Kultur

Museumsbesuch auf Rezept? So heilsam sind Kunst und Kultur

Uta Schröder
Zuletzt aktualisert 24. April 2026 09:48
Von Uta Schröder
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4 min. Lesezeit
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Stellen Sie sich vor, Sie gehen zum Arzt und der verschreibt Ihnen statt eines Medikaments einen Besuch im Museum. Klingt erstmal seltsam. Ist in manchen Ländern aber schon Praxis. In Großbritannien etwa. Dort ist die Verschreibung sozialer oder kultureller Aktivitäten fest im Gesundheitssystem verankert. Den Daten der „Culture Health and Wellbeing Alliance“ zufolge, einem landesweiten Netzwerk kreativer Gesundheitsinitiativen, ist die Wirkung messbar: 37 Prozent weniger Hausarztbesuche, 27 Prozent weniger Krankenhauseinweisungen.

Inhaltsübersicht
Museumsbesuch auf RezeptKunstkonsum senkt das Stresslevel

„Kann ein Museumsbesuch diese Effekte erzielen? Ja, natürlich kann er, wenn sich jemand Gedanken gemacht hat, dass dieser Mensch profitieren kann, weil er die Fähigkeit hat, innezuhalten, wahrzunehmen und sich sicher fühlt in diesem Ambiente, in diesem Museum, in dieser Ruhe, dann kann man das machen.“ Sagt Adak Pirmorady. Sie ist Fachärztin für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie an der Berliner Charité. Und dass Kunst ganz direkt unsere Gefühle anspricht, diese Erfahrung dürfte jeder von uns schon gemacht haben. Dieses eine Lied, das einen zu Tränen rührt, dieses Bild, das einen grinsen lässt, der Raum, der einen runterbringt. Aber was wirkt, wenn Kunst auf uns wirkt?

Museumsbesuch auf Rezept

„Wenn wir Kunst betrachten, Kunst, die jetzt nicht unbedingt Angst auslösend ist oder aufwühlend, dann wird der Parasympathikus aktiviert, und das ist grundsätzlich schon mal rein biologisch ein guter Effekt.“ Sagt die Medizinerin Pirmorady. Denn das bedeutet, dass der Gegenspieler des Parasympathikus, der Sympathikus, gerade weniger stark aktiviert ist. Was wiederum heißt: Wir entspannen uns, weil weniger Adrenalin ausgeschüttet wird.

Dass Kunst gesundheitsfördernd ist, ist keine ganz neue Erkenntnis. Schon 2019 hat die Weltgesundheitsorganisation mehr als 3.000 Studien dazu ausgewertet. Der Report zeigt, dass Kultur einen positiven Effekt auf die physische und psychische Gesundheit haben kann. Kunst kann sowohl in der Vorbeugung als auch in der Behandlung von mentalen und organischen Krankheiten eine wesentliche Rolle spielen, weil deren Konsum zu einer geringeren Ausschüttung von Stresshormonen führt, die Selbstwirksamkeit steigert oder die soziale Isolation durch Begegnungen aufbricht.

Kunstkonsum senkt das Stresslevel

Insbesondere die soziale Komponente von Kunst sei nicht zu unterschätzen, sagt auch Lukas Feireiss. Denn Kunst wirkt nicht nur positiv auf den Einzelnen, sondern auch auf die Gemeinschaft: „Kunst schafft ja gemeinsame Erfahrungsräume und Kunst schafft auch Empathie über Unterschiede hinweg. Man kann fast sagen, dass Kunst demokratiefördernd ist, weil sie Räume schafft, in denen Menschen gemeinsam etwas erleben und unterschiedliche Perspektiven aushalten.“

Lukas Feireiss ist Kurator und Autor und organisiert gemeinsam mit der Berliner Charité die Vortragsreihe „The Healing Arts“. Dort sollen Medizinerinnen und Künstler ins Gespräch kommen, um voneinander zu lernen. Denn beide Disziplinen hätten mehr Gemeinsamkeiten, als man denkt. Damit dieses Wissen aber überhaupt zum Tragen kommt, dürfe man einen Fehler nicht machen, sagt Feireiss: „Wenn wir an Kultur sparen, sparen wir eigentlich nicht wirklich, wir verschieben die Kosten nur. Und die gesundheitlichen Folgen von Kulturabbau tauchen dann einfach später auf. Wir streichen kulturelle Räume und wundern uns dann über Einsamkeit, Stress, Erschöpfung etc. …“

 

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Von Uta Schröder
Uta Schröder ist eine versierte Kulturjournalistin und leitet das Ressort Kultur der WirtschaftsRundschau. Mit ihrem umfassenden Wissen und ihrer Leidenschaft für Kunst und Kultur bietet sie tiefgehende Analysen und spannende Einblicke in die kulturelle Landschaft.
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