In der FABIDO-Kita in Dortmund wird gebastelt: Kleinkinder klecksen Farbe auf ihre Bilder. Mittendrin: Iryna Smychkova. Sie erklärt, verteilt Tuben und hilft weiter. Irina Smychkova kommt aus der Ukraine, hat dort 13 Jahre lang als Erzieherin gearbeitet und wollte diesen Job nach ihrer Flucht nach Deutschland auch weitermachen. Doch das war schwierig. Sie suchte überall nach einem Praktikum und kämpfte um die Anerkennung ihrer Ausbildung.
Erst durch das Programm „Startklar“ des kommunalen Kita-Trägers FABIDO gelang Smychkova der Einstieg. Seit Januar ist sie festangestellte Kinderpflegerin und kann endlich wieder ihrem Beruf nachgehen. „Ein großes Glück“, sagt sie in einem Interview mit dem WDR (externer Link).
Große Fachkräfte-Lücken in den Kitas
Kita-Fachkräfte wie Iryna Smychkova werden dringend gebraucht. Nach Berechnungen des Paritätischen Gesamtverbands fehlen bundesweit rund 125.000 Fachkräfte in Kitas. Im Schnitt sind das mehr als zwei fehlende Kräfte pro Einrichtung. Gleichzeitig leben in Deutschland viele Menschen, die pädagogische Erfahrung mitbringen – aus der Ukraine, aus Syrien und aus anderen Ländern. Viele von ihnen würden gern wieder mit Kindern arbeiten. Doch oft scheitert der Einstieg nicht an fehlender Motivation, sondern an der Sprache, der Bürokratie und vor allem an den komplizierten Anerkennungsverfahren. Mal ist der Bund zuständig, mal das Bundesland – die Regeln sind nicht überall gleich.
Dortmund setzt auf Sprache und Praxis zugleich
Dort setzen die Dortmunder Programme „Startklar“ und „Kita-Einstieg“ (externer Link) an. Sie wurden 2024 gestartet und richten sich an zugewanderte Menschen, die entweder schon eine entsprechende Ausbildung haben oder in Deutschland gerne in diesen Bereich einsteigen wollen. Die Idee dahinter ist einfach, aber wirksam: Sprache und Praxis werden nicht getrennt, sondern von Anfang an miteinander verbunden. Die Teilnehmenden arbeiten in den Kitas mit und besuchen parallel berufssprachliche Kurse, erzählt Projektleiterin Birgit Reinhold. „Sie lernen also nicht erst lange Theorie, bevor sie in einer Einrichtung ankommen, sondern wachsen direkt in den Alltag hinein.“
Das ist ein entscheidender Unterschied. Denn gerade Fachsprache, Elterngespräche, Teamabsprachen oder der Umgang mit Verwaltungsabläufen lassen sich schwer nur im Klassenzimmer lernen. Dazu bekommen die Teilnehmenden Unterstützung bei Behördengängen und bei Fragen rund um die Anerkennung von Abschlüssen.
Auch Bremen setzt auf zugewanderte Fachkräfte
Ein ähnlicher Ansatz kommt aus Bremen. Dort läuft das Programm IQsA – Integrierte Qualifizierung in sozialpädagogische Arbeitsfelder (externer Link). Es richtet sich an zugewanderte Pädagoginnen und Pädagogen, deren Abschluss in Bremen nicht anerkannt ist.
Auch hier geht es darum, eine Brücke zu bauen: weg von jahrelang ungenutzter Qualifikation, hin zu einer konkreten Perspektive im Kita-Alltag. Innerhalb von zwölf Monaten werden die Teilnehmenden auf die Arbeit in Bremer Kitas vorbereitet. Praxis und Unterricht greifen ineinander, dazu kommt fachliche Begleitung.
Für viele ist es mehr als nur ein Job
Für die Teilnehmenden bedeutet das oft mehr als nur einen neuen Arbeitsplatz, sagt Projektleiterin Ekaterine Jagusch. „Die Menschen sind glücklich. Viele haben in Deutschland zunächst gar nicht in ihrem Beruf gearbeitet, obwohl sie Erfahrung und Ausbildung mitbringen. Und jetzt haben sie endlich wieder die Möglichkeit.“
Und auch die Einrichtungen profitieren. Denn zugewanderte Fachkräfte bringen nicht nur berufliche Erfahrung mit, sondern oft auch eine besondere Sensibilität für Kinder und Familien, die selbst Flucht, Neuanfang oder Mehrsprachigkeit erleben.
Eine Win-win-Situation für Zugewanderte und Kitas
Gleichzeitig wird der Fachkräftemangel reduziert. Eine Win-Win-Situation, die auch in anderen Bundesländern für Entlastung sorgen könnte. In den vergangenen 15 Jahren sind knapp 140.000 pädagogische Fachkräfte nach Deutschland zugewandert. Aber laut des Sachverständigenrats für Integration und Migration (externer Link) arbeiten nur wenige von ihnen bisher tatsächlich in Kitas, Schulen oder anderen pädagogischen Berufen.
Die Projekte in Dortmund und Bremen zeigen, dass es auch anders gehen kann: wenn Qualifikationen ernst genommen, Sprache und Praxis zusammen gedacht und Hürden im System abgebaut werden. Am Ende profitieren davon alle – die Fachkräfte, die Einrichtungen und vor allem die Kinder.

