In manchem Münchner Studio warten Interessierte wochenlang auf einen freien Platz, eine einzige Sitzung kostet bis zu 30 Euro. Der Grund für den Andrang heißt Reformer Pilates. Die Trainingsform auf einem federgespannten Schlitten ist zum Statussymbol geworden – angetrieben von Social Media und dem Versprechen, Haltung, Kraft und Balance gleichzeitig zu trainieren. Doch was steckt hinter dem Hype?
Was ist Reformer Pilates?
Reformer Pilates ist eine Variante der Sportart Pilates. Während die klassischen Übungen auf der Matte stattfinden, trainieren die Teilnehmenden hier auf dem Reformer – einem Schlitten, der auf Schienen gleitet. Von der gepolsterten Liegefläche gehen Seilzüge, Griffe und Schlaufen ab. Federn am Ende des Schlittens sorgen für Widerstand, leicht oder schwer, je nach Einstellung. Trainieren lässt sich im Sitzen, Liegen oder Stehen. Dabei wird vor allem die Rumpfmuskulatur gefördert – also Bauch, Beckenboden und Rücken.
Joseph Pilates entwickelte die Methode vor rund 100 Jahren. Mithilfe seines ganzheitlichen Trainingskonzepts und einer Federkonstruktion – der Urform des heutigen Reformers – wollte er Patienten und Verletzte nach dem Ersten Weltkrieg wieder mobilisieren. Lange Zeit war das Gerät fast vergessen, bis US-Promis es in den 2000er-Jahren wiederentdeckten. Seit einigen Jahren ist der Trend auch in Deutschland angekommen.
Macht das Training wirklich fitter?
Studien zeigen: Reformer Pilates kann Rückenschmerzen lindern und die Haltung verbessern. Auch Kraft, Koordination und Gleichgewicht profitieren. Zudem kann es einen gesunden Stoffwechsel begünstigen und die Gesundheit fördern (externer Link).
Daniel Gärtner, Sportwissenschaftler an der Technischen Universität München, sieht vor allem für Anfängerinnen und Anfänger Vorteile: „Man kontrolliert das Gerät und muss nicht ausschließlich den eigenen Körper steuern“. Der Widerstand der Federn mache sofort spürbar, wie viel Kraft jede Übung kostet.
Grundsätzlich eignet sich Reformer Pilates für alle Altersgruppen. Einsteigen sollte man aber in einem Anfängerkurs, rät Gärtner: Bei komplexen Übungen sei die Verletzungsgefahr sonst hoch, auch Muskelüberlastungen kämen vor. Wer Gelenk- oder Hüftprobleme hat, sollte vor dem Einstieg ärztlichen Rat einholen.

