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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Kultur > Gegen den Zeitgeist: Der Illustrator Michael Mathias Prechtl
Kultur

Gegen den Zeitgeist: Der Illustrator Michael Mathias Prechtl

Uta Schröder
Zuletzt aktualisert 26. April 2026 09:48
Von Uta Schröder
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4 min. Lesezeit
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Die Darstellung des Menschen stand für Michael Mathias Prechtl im Vordergrund. Und das in einer Detailschärfe, die ein wenig an Albrecht Dürer erinnert, sagt Julia Riß vom Stadtmuseum Amberg, wo seit heute eine Sonderausstellung zu seinem 100. Geburtstag zu sehen ist. Denn wenn man nach einem seiner Markenzeichen suche, „dann sollte man nach dem Handliniendruck in Bildnissen schauen. Er hat ja sehr oft den Menschen dargestellt und wenn dann die Haut im Gesicht oder auch an den Armen zum Beispiel so ganz feine Handlinienmuster hat, dann ist es schon verdächtig, das könnte ein Prechtl sein“.

Inhaltsübersicht
Für das Entschlüsseln braucht es ZeitPralle Frauenkörper, ein König Ludwig II. in StrapsenStreit um den historischen Nürnberger Rathausaal

Am bekanntesten sind seine Illustrationen für den Spiegel, die New York Times und viele Bücher. Aber der gebürtige Amberger hat auch Kulturplakate für Veranstaltungen entworfen, hat Theaterkulissen gemalt, Kataloge illustriert, Schallplattencover oder Theaterkostüme gestaltet. Bis hin zu Wandkeramiken in Schulen und Fassadenmalereien. Immer akribisch, sehr belesen, genau beobachtend, sich immer steigernd. Vom „Meister“ über den „Provinzkünstler“ zum „Eigenbrötler“ habe er viele unterschiedliche Namen gehabt, sagt Julia Riß.

Für das Entschlüsseln braucht es Zeit

Prechtls Nachlass – rund 1.000 Werke – befindet sich seit Dezember im Eigentum der Stadt Amberg. Zum 100. Geburtstag stellt das Stadtmuseum 100 davon aus, dazu Arbeiten aus Privatsammlungen, die lange Zeit nicht zu sehen waren. In der Ausstellung erwachen von ihm illustrierte Charaktere über eine Medienstation zum Leben – dazu gibt es auch sein Handwerkszeug zu sehen: Zirkelset, Farben, Pinsel und die Prechtel’sche Feder, die auch in seinen Zeichnungen öfter auftaucht.

Für das Entschlüsseln seiner Bilder braucht es manchmal etwas Zeit – und Hintergrundwissen. Prechtl selbst sagte 1995 mal in einem Interview: „Ich bin ja immer der Meinung, dass ein Bild nicht nur ein Augenschmaus ist, sondern, dass man eine gewisse Bildung haben muss, um Bilder zu verstehen.“

Pralle Frauenkörper, ein König Ludwig II. in Strapsen

Prechtl malte gegenständlich, schwamm damit etwas gegen den Zeitgeist der Kunst, der nach dem Zweiten Weltkrieg eher abstrakt war. In seinen frühen Jahren sind seine Körper aber durchaus noch geometrischer, sagt Georg Wendl vom Stadtmuseum. Später werde er aber immer figürlicher. „Das erreicht in seinem Alter nochmal einen Höhepunkt, wo er sehr präzise und detailreich arbeitet. Er hat da vielleicht einen anderen Weg genommen, als viele Künstler aus der Zeit.“

Pralle Frauenkörper, ein König Ludwig II. in Strapsen – ein Plakat mit König Ludwig I., der sich an die nackte Lola Montez klammert. Über seine Motive sagte Prechtl einst selbst: „Mord, Totschlag, Blut, Krieg, Sex, Lust, Liebe – das sind alles Bestandteile unseres Lebens, die passieren ständig täglich immer, warum sollte man das nicht auch bringen. Und wer wollte nicht sagen, dass das auch schön sein kann.“

Streit um den historischen Nürnberger Rathausaal

Der Aufruhr, den seine Bilder manchmal machten, störte Prechtl wenig. „Dante hat ja auch in seiner Fahrt durch die Hölle durchs Fegefeuer ins Paradies eine Abrechnung mit den politischen Zuständen seiner Zeit vorgestellt. Und da unsere Zeiten ja nicht viel besser sind, als die damaligen, erlaube ich mir natürlich auch Rechnungen mit unserer Zeit aufzustellen.“

Gepasst hat das nicht allen. Ende der 80er Jahre sollte Prechtl den historischen Nürnberger Rathausaal ausmalen – nach einer hitzigen Debatte kam es nicht dazu. Die Entwürfe dazu sind auch in der Sonderausstellung in Amberg zu sehen.

 

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Von Uta Schröder
Uta Schröder ist eine versierte Kulturjournalistin und leitet das Ressort Kultur der WirtschaftsRundschau. Mit ihrem umfassenden Wissen und ihrer Leidenschaft für Kunst und Kultur bietet sie tiefgehende Analysen und spannende Einblicke in die kulturelle Landschaft.
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