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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Kultur > Klaus Kinski und Werner Herzog: Was geschah wirklich?
Kultur

Klaus Kinski und Werner Herzog: Was geschah wirklich?

Uta Schröder
Zuletzt aktualisert 25. April 2026 08:47
Von Uta Schröder
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4 min. Lesezeit
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Dezember 1979, Morgengrauen, peruanischer Regenwald: Holzkanus der Aguaruna legen an Herzogs Filmcamp an, bewaffnet mit Bögen und Gewehren, fesseln die Arbeiter und setzen sie in Boote – dann brennt das Camp. Aber der Widerstand gegen die Filmcrew geht noch weiter: Gerüchte über „Sklavenarbeit“ werden in lokale und deutsche Medien gestreut und führen zu einem „Stern“-Artikel und einem WDR-Themenabend. Und dann noch Klaus Kinskis legendärer Wutausbruch [externer Link], bis heute ein Youtube- und Meme-Hit. Die Dreharbeiten haben von allen Beteiligten das Äußerste verlangt. Aber auch ikonische Bilder geschaffen: ein echtes Schiff, das über einen Berg gezogen wird; ein Darsteller, der verbal Amok läuft.

Inhaltsübersicht
Lernen aus dem DesasterKinski – die Zweitbesetzung, die alles gefährdet und rettetSollen wir Kinski umbringen?Krieg der Bilder

Lernen aus dem Desaster

Beim zweiten Drehversuch agiert Herzog anders. Er zieht mit seinem Team weiter und bezieht am neuen Drehort die Wünsche der lokalen Indigenen mit ein. Im Gegenzug verlangen sie Landtitel. Also verspricht Herzog, seine Produktionspower in politisches Kapital zu übersetzen und sich für die Landüberschreibung einzusetzen. Parallel schleppt er eine Riesentruppe in den Urwald: Oscargewinner Jason Robards, Mick Jagger als Sidekick, hunderte Statisten. Doch Robards hasst Klima und Essen, wird krank, reist daraufhin ab. Weil der Ausfall des Hauptdarstellers als katastrophaler Schaden gilt, lässt die Versicherung hohe Summen fließen. Herzog kann noch einmal von Neuem beginnen.

Kinski – die Zweitbesetzung, die alles gefährdet und rettet

Der dritte Anlauf bringt die Konstellation, die wir alle nur zu gut kennen: Klaus Kinski als Fitzcarraldo. Der Mime hatte Herzog zunächst abgespeist und ihn später in seiner Autobiografie als „erbärmliches Arschloch“ abgekanzelt. Herzog wiederum nennt Kinski ein „Weltwunder“, aber auch eine Pest. Im Dokumentarfilm „Mein liebster Feind“ erzählt der aus Bayern stammende Regisseur von den gemeinsamen Dreharbeiten, die ständig von Kinskis Wutausbrüchen gefährdet sind.

Sollen wir Kinski umbringen?

Tatsächlich eskalieren Kinskis Ausraster am „Fitzcarraldo“-Set so sehr, dass der Häuptling der Machiguenga Herzog ernsthaft anbietet, Kinski töten zu lassen – im Vertrauen darauf, dass im dichten Dschungel niemand die Leiche findet. Herzog lehnt ab, nicht aus Pazifismus, sondern weil er „den Schauspieler noch braucht“.

Krieg der Bilder

Zwischen Kinski und Herzog spielt sich eine fortlaufende Eskalation ab, vor und hinter der Kamera. Kinski braucht Herzog, um mehr zu sein als B-Movie-Psychopath; Kinskis Exzesse erzeugen Bilder, die selbst Herzog nicht inszenieren kann. Beide nutzen den Dschungel und die Hilfe hunderter Indigener, um das Schiff spektakulär über den Berg ziehen zu lassen. Echte Bühne für das ganz große Drama? Vor allem in der Nacherzählung. Und die berühmte Sequenz von Kinskis Ausraster? Da streitet er sich gar nicht mit Herzog, sondern mit dem Produktionschef.

Und so bleibt am Ende vor allem eines: eine legendäre Erzählung, sorgfältig geformt von beiden Seiten – ein Kampf der Giganten, der zum Filmklassiker wurde und den Mythos Werner Herzog miterschuf. Davon und vielem anderen erzählt der neue Podcast „Werner Herzog – zu groß für Deutschland“.

 

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Von Uta Schröder
Uta Schröder ist eine versierte Kulturjournalistin und leitet das Ressort Kultur der WirtschaftsRundschau. Mit ihrem umfassenden Wissen und ihrer Leidenschaft für Kunst und Kultur bietet sie tiefgehende Analysen und spannende Einblicke in die kulturelle Landschaft.
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