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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Kultur > Bildschön wie Dorian Gray: Wie narzisstisch sind Tänzer?
Kultur

Bildschön wie Dorian Gray: Wie narzisstisch sind Tänzer?

Uta Schröder
Zuletzt aktualisert 4. Mai 2026 10:46
Von Uta Schröder
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5 min. Lesezeit
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„Manch einer würde gern einen Pakt mit dem Teufel machen und dann jung und hübsch bleiben oder sich zumindest verbessern. Aber was passiert dann mit der Seele? Was passiert mit dem Herz, was passiert mit dem Kopf?“, fragt sich nicht nur der aus der Region Barcelona stammende Choreograph Enrique Gasa Valga. Ja, was passiert mit der Seele, mit Herz und Kopf, wenn der Teufel ewige Schönheit verspricht, aber dafür eine Kleinigkeit haben will?

Inhaltsübersicht
„Sicher eine gute Reflexion“„Das kann bitter sein“

Gasa Valga hat sich mit seiner Truppe von Oscar Wildes Roman „Das Bildnis des Dorian Gray“ zu einem Tanzabend über Narzissmus inspirieren lassen, über die Sehnsucht nach äußerlicher Vollkommenheit, nach dem perfekten Aussehen. Begehrenswert will dieser Dorian Gray sein, umschwärmt und gefeiert. Das erinnert Gasa Valga an einen sehr deutschen Helden: „Ich finde, es ist ein bisschen wie beim deutschen Faust, diesem Literaturhelden. Dorian Gray ist wie ein englischer Faust. Meiner Meinung nach gibt es viele Ähnlichkeiten.“

„Sicher eine gute Reflexion“

Die Ähnlichkeiten zwischen Faust und Dorian Gray sind in der Tat augenfällig. Auch Faust will ja wieder jung und schön sein, will Lebens- und Liebeslust in vollen Zügen genießen und verkauft dafür seine Seele. Gerade Tänzer fühlen sich von dieser literarischen Vorlage angezogen und fasziniert. Kein Wunder, ist ihre Karriere doch bemerkenswert kurz und mit vierzig meist schon zu Ende. Sie tanzen, solange sie einen begehrenswerten Körper haben und die Kraftanstrengung bewältigen. Aber wie schnell ist das vorbei? „Ja, das ist sicher eine gute Reflexion. Auch für mich selbst“, so der Choreograph: „Als Tänzer bist du immer hübsch und sexy, das war dein Beruf. Jetzt ist es damit nicht mehr so einfach.“

Gasa Valga ging in Saragossa auf die Ballettschule, studierte als Stipendiat beim Kubanischen Nationalballett und gründete in seiner Heimatstadt Esparreguera mit 27 ein Festival. Ab 2009 war er Chefchoreograph am Tiroler Landestheater in Innsbruck, wo er zwanzig Ballettproduktionen gestaltete. Seit 2023 leitet er seine eigene Company.

Eine siebenköpfige Band wird den Dorian Gray-Abend im Deutschen Theater München begleiten. Mit mal sentimentalen, mal düsteren Popsongs, auch mit tanzbarem Jazz. Titel von Amy Winehouse sind dabei, der früh verstorbenen Pop-Ikone. Die Titelrolle übernimmt der athletische Australier Locke Venturato. Ein „Bild“ von einem Mann, was in diesem Zusammenhang wörtlich zu verstehen ist. Gasa Valga: „Er ist nicht nur ein toller Tänzer, er ist auch ein sehr guter Schauspieler und singt auch. Er ist sehr naiv am Anfang, sehr jung, sehr nett und im Laufe des Stücks wird er immer dunkler und böser. Er hat die meiste Arbeit gemacht und ist ein Top-Tänzer.“

„Das kann bitter sein“

Die Geschichte ist den meisten geläufig. Dorian Gray, dieser Narzisst, wird zum Wüstling, bleibt dabei aber stets jung und schön. Sein Bild allerdings, das weggesperrt ist, verändert sich mit jeder Untat, wird zu einer hässlichen alten Fratze. Erst im Moment seines Todes schlägt das um. Er sieht auf einen Schlag wie ein Ungeheuer aus, das Bild ist wieder so frisch und jugendlich wie am ersten Tag.

Enrique Gasa Valga verweist auf die naheliegenden Parallelen zu seinen Berufskollegen, den Tänzern. Sie leben in einer narzisstischen Welt und werden nicht selten völlig unvermittelt mit dem Ende konfrontiert: „Als Tänzer lebst du in einer Bubble, du bist immer nur beschäftigt mit Training, mit der nächsten Vorstellung. Meistens sind Tänzer sehr weit von zu Hause entfernt, sie leben in einem anderen Land oder so. Und du denkst nie an den Tag danach. Ja, du bist immer beschäftigt mit dem nächsten Tag, mit der nächsten Vorstellung, damit, besser zu werden, noch schöner zu sein und irgendwann kommt das Aufwachen von diesen Momenten, ist es zu Ende. Das kann bitter sein.“

In einer Welt der Beauty Influencer könnte Dorian Gray nicht aktueller sein, sicher aktueller als zu den Zeiten von Oscar Wilde am Ende des 19. Jahrhunderts. Wer das genauer überprüfen will, ist im Deutschen Theater München richtig aufgehoben.

Vom 12. bis 17. Mai im Deutschen Theater München.

 

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Von Uta Schröder
Uta Schröder ist eine versierte Kulturjournalistin und leitet das Ressort Kultur der WirtschaftsRundschau. Mit ihrem umfassenden Wissen und ihrer Leidenschaft für Kunst und Kultur bietet sie tiefgehende Analysen und spannende Einblicke in die kulturelle Landschaft.
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