Das Outfit von Adidas-Vorstandschef Bjørn Gulden bei der Hauptversammlung war gewiss nicht zufällig gewählt: Im Trikot von FC Bayern München sprach der charismatische Norweger zu den Aktionären. Trotz des Ausscheidens im Champions League-Halbfinale wirkte Gulden nicht unzufrieden. Das dürfte auch an den Geschäftszahlen liegen: Mit einem Rekordumsatz von 24,8 Milliarden Euro im vergangenen Jahr hat der Norweger Adidas gut positioniert. Dass der Aktienkurs diese Entwicklung nicht widerspiegelt, schmerzt ihn sichtlich. Seit Herbst 2021 haben die Adidas-Papiere mehr als die Hälfte an Wert verloren.
Adidas-Trikots bei der Fußball-WM
Gulden verwies auf die anstehende Fußball-Weltmeisterschaft in Nordamerika und die Tatsache, dass die Lager bereits gut gefüllt seien. Die Nachfrage nach Adidas-Trikots sei sehr hoch, vor allem die der mexikanischen Nationalmannschaft stünden hoch im Kurs. Sogar in den USA sei das mexikanische Trikot das am meisten verkaufte, so Gulden stolz. Die Schutzvereinigung der Kapitalanleger (SdK) kritisierte die hohen Lagerbestände und die damit verbundene Kapitalbindung. Sollten diese nicht wie geplant bei den Fans ankommen, drohen ihr zufolge hohe Abschreibungen durch Rabatte. Finanzvorstand Harm Ohlmeyer begründete den hohen Lagerbestand mit Unsicherheiten bei den Lieferketten, etwa durch die Blockade der Straße von Hormus. Daher habe Adidas rechtzeitig Ware eingekauft, um sie vor und während der Fußball-WM verkaufen zu können.
Aufsichtsrat neu besetzt
Kritik regte sich auch an der Neubesetzung des Aufsichtsrats. Adidas hatte vorgeschlagen, Nassef Sawiris an die Spitze des Kontrollgremiums zu wählen. Im Vorfeld der Hauptversammlung hatte Adidas vorgeschlagen, der ägyptische Milliardär solle dem Bertelsmann-Chef Thomas Rabe an der Spitze des Aufsichtsrats nachfolgen. Daran regte sich unter einigen Aktionärsvertretern Kritik.
Ägyptischer Milliardär wird neuer Aufsichtsratschef
Sawiris sei nicht unabhängig, weil er sowohl Adidas-Aktionär als auch langjähriges Mitglied des Aufsichtsrats sei, kritisierte Cornelia Zimmermann vom Fondshaus Deka Investment. Auch mit der Berufung des Springer-Vorstandsvorsitzenden Mathias Döpfner in den Aufsichtsrat zeigte sich die Vertreterin von Deka Investment unzufrieden. Als Medienmanager sei er fachfremd und übe zudem bereits zu viele Mandate aus, um sich ausreichend um Adidas kümmern zu können. Letztlich konnten sich die Kritiker jedoch nicht durchsetzen: Döpfner zieht per Mehrheitsbeschluss in den Adidas-Aufsichtsrat ein und Sawiris wird Vorsitzender des Kontrollgremiums.

