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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Wissen > Was El Niño für das Wetter und Deutschland bedeutet
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Was El Niño für das Wetter und Deutschland bedeutet

Michael Farber
Zuletzt aktualisert 6. Mai 2026 12:47
Von Michael Farber
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5 min. Lesezeit
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Noch ist El Niño nicht da. Aber im Pazifik passiert gerade etwas, was Klimaforscher weltweit besonders aufmerksam macht: Im Ozean sammelt sich Wärme. Vieles spricht dafür, dass sich daraus in den kommenden Monaten ein El Niño-Ereignis entwickeln könnte, bestätigt der Meteorologe und Klimaforscher Mojib Latif vom GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel (externer Link) dem Bayerischen Rundfunk. Wie stark das Phänomen in diesem Fall letztlich ausfallen wird, sei aber noch völlig offen.

Inhaltsübersicht
Unsichere Prognose: Frühjahr erschwert VorhersagenWas El Niño eigentlich istWie eine gigantische Heizung für die AtmosphäreWas von El Niño in Deutschland zu spüren istWie stark El Niño werden könnteEl Niño trifft auf eine aufgeheizte Welt

Unsichere Prognose: Frühjahr erschwert Vorhersagen

Nach Angaben der US-Klimabehörde NOAA liegt die Wahrscheinlichkeit für El Niño im Frühsommer derzeit bei etwas mehr als 60 Prozent. Noch ist die Prognose aber unsicher. Darauf weist auch der Deutsche Wetterdienst hin.

Hintergrund ist die sogenannte „spring predictability barrier“, die bedeutet: Im Frühjahr lassen sich Veränderungen im Klimasystem schlechter vorhersagen als im Rest des Jahres. Erst ab Ende Mai oder Juni werden die Prognosen meist verlässlicher, weil dann die Wechselwirkungen zwischen Ozean und Atmosphäre klarer erkennbar sind.

Was El Niño eigentlich ist

Das Phänomen El Niño entwickelt sich meist im Sommer. Seinen Höhepunkt erreicht es oft um den Jahreswechsel. Deshalb benannten Fischern aus Peru schon vor hunderten von Jahren das Phänomen nach dem Christkind, spanisch „El Nino“. Nur bringt El Niño keine Geschenke, sondern oft Extremwetter, denn es verändert die Meeresströmungen im Pazifik.

Normalerweise wehen Passatwinde das warme Oberflächenwasser von Ost nach West, also von Südamerika nach Australien. Im Gegenzug steigt vor Südamerika kaltes Wasser aus der Tiefe des Meeres auf. Bei El Niño schwächen sich die Passatwinde ab, stoppen, oder drehen sich sogar. Das warme Wasser staut sich dann vor der Küste Südamerikas.

Wie eine gigantische Heizung für die Atmosphäre

Mojib Latif beschreibt den Mechanismus drastisch: Der erwärmte Pazifik wirke „wie eine gigantische Heizung für die Atmosphäre“. Diese verschiebt Niederschlags- und Wettermuster weltweit.

Typisch sind mehr Regen an Teilen der Westküste Südamerikas und zugleich trockenere Bedingungen in Indonesien, Australien und Teilen Südostasiens. Hier steigt das Risiko für Dürren und Waldbrände. Auf der anderen Seite des Ozeans drohen Starkregen und Überschwemmungen.

Was von El Niño in Deutschland zu spüren ist

Europa ist bei El Niño nicht im Zentrum des Geschehens. Falls das Phänomen tatsächlich kommt, wird es sich kaum direkt am täglichen Wetter ablesen lassen. Mojib Latif sagt, die unmittelbaren Auswirkungen auf Europa würden oft überschätzt. Hier werde das Wetter vor allem vom Nordatlantik und vom Mittelmeer geprägt. Andere Forscher rechnen mit einem etwas kälteren Winter und einer stärkeren Hitzebelastung im Sommer.

Spürbar könnte ein starker El Niño in Deutschland aber indirekt sein: über Ernteausfälle in anderen Weltregionen, steigende Lebensmittelpreise, gestörte Lieferketten und eine zusätzliche Aufheizung des globalen Klimas.

Wie stark El Niño werden könnte

Der Begriff „Super-El Niño“ taucht in diesem Zusammenhang zwar immer wieder in Schlagzeilen auf, ist aber wissenschaftlich nicht definiert. Gemeint ist meist ein außergewöhnlich starkes El Niño-Ereignis mit sehr hohen Temperaturabweichungen im Pazifik. Die vergangenen Super-El Niños gab es 1997/98 und 2015/16.

Ob der kommende El Niño schwach, moderat oder sehr stark werde, lasse sich im Moment noch nicht seriös sagen, sagt Mojib Latif. Auch Friederike Otto vom Imperial College London betont, dass El Niño nicht anhand eines einzelnen Bauchgefühls, sondern über Messdaten und Modelle eingeordnet wird. Entscheidend ist dabei vor allem die sogenannte Niño-3.4-Region im tropischen Pazifik. Dort schauen Forschende darauf, wie stark die Meeresoberflächentemperaturen vom langjährigen Mittel abweichen.

El Niño trifft auf eine aufgeheizte Welt

Für die Klimaforscherin Friederike Otto ist El Niño vor allem ein natürlicher Verstärker auf einer bereits wärmeren Erde. Gegenüber dem BR sagte sie, ein El Niño werde die Folgen des Klimawandels weiter verschärfen – mit heißeren Hitzewellen, schwereren Dürren und extremeren Waldbränden. El Niño sei also nicht die Ursache der langfristigen Erderwärmung, könne die globale Temperatur aber zusätzlich nach oben treiben.

Mojib Latif kritisiert, dass die Welt auf genau diese Gefahr bislang viel zu schwach reagiert. Die globalen Treibhausgasemissionen stiegen weiter an, obwohl längst klar sei, dass sie sinken müssten. Dadurch werde die Erde immer heißer – und natürliche Klimaphänomene wie El Niño könnten noch größere Schäden anrichten.

 

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Von Michael Farber
Michael Farber ist ein erfahrener Journalist, der das Ressort Wissen der WirtschaftsRundschau leitet. Mit seiner Expertise in Wissenschaft und Technologie berichtet er über die neuesten Entwicklungen und Entdeckungen und bietet den Lesern spannende Einblicke in komplexe Themen.
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