Oberdachstetten im Landkreis Ansbach hat rund 1.800 Einwohner und eine Grundschule. Hier steht die Erste Bürgermeisterin Eileen Gillwald mit ihrer Kämmerin und einer Mitarbeiterin in den Räumen der Mittagsbetreuung. Die wird gut angenommen und läuft auch gut. Doch sie muss erweitert werden. Denn ab dem Schuljahr 2026/27 haben Eltern einen Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung ihrer Grundschulkinder – auch in den Ferien.
Anspruch auf Ganztagsbetreuung ab einem Kind
Bis 30. April hatten Eltern Zeit, den Bedarf der Ganztagsbetreuung ihrer Kinder bei der Gemeinde zu melden. Bereits ab einer Anmeldung muss Oberdachstetten für die Betreuung sorgen. Tatsächlich wurden nur eine Handvoll Schüler angemeldet – etwa 20 Prozent der künftigen ersten Klasse wollen den Anspruch nutzen. Bisher lief die Abfrage nur für die künftigen ersten Klassen, bis 2029 wird das verpflichtende Angebot dann auf jedes Jahr der Grundschule erweitert.
Zu wenig Personal
Der Rechtsanspruch in den Ferien gilt für zehn von insgesamt 14 Wochen, da nur 20 Schließtage im Jahr erlaubt sind. Während der Unterrichtszeit muss die Grundschule in Oberdachstetten die Betreuung nur wenig anpassen – das sei nicht das Problem, erklärt Bürgermeisterin Gillwald. In den Ferien könnte die Schule aber nur drei bis maximal vier Wochen personell stemmen. Bis September müssten Fachkräfte massiv aufgestockt werden, da mindestens zwei an dem vorgesehenen Acht-Stunden-Tag vorgehalten werden müssen.
Hintergrund: Flexibilität und Wirtschaft ankurbeln
Das Bayerische Familienministerium hat den Rechtsanspruch auf den Weg gebracht, um Familien in Betreuungsangelegenheiten zu entlasten und so für mehr Flexibilität im Beruf zu sorgen. Indirekt soll damit die Wirtschaft angekurbelt werden, weil vor allem Müttern damit die Chance geboten wird, länger zu arbeiten. Den Inhalt des Rechtsanspruchs kritisiert Eileen Gillwald nicht. Das Angebot findet sie eine gute Sache. Ihr geht es um die Umsetzung.
Freistaat hilft finanziell, aber nicht bei Personalkosten
Vom Ministerium heißt es offiziell, dass Kommunen unterstützt werden sollen, um den finanziellen Mehraufwand zu stemmen. Auf BR-Anfrage heißt es vom Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales: „Für jeden Ganztagsplatz für Grundschulkinder, den die Kommunen bis zum Jahr 2029 schaffen, garantiert der Freistaat eine finanzielle Unterstützung bei den Investitionskosten. Hierfür stehen rund 461 Mio. Euro zur Verfügung.“
Doch investieren muss Oberdachstetten nicht, die Räume der Mittagsbetreuung gibt es bereits. Und für Personalkosten oder Nebenkosten gilt die Förderung nicht.
Mehr Unterstützung bei Umsetzung wünschenswert
Unterstützung bei den Fixkosten hätte Bürgermeisterin Eileen Gillwald gerne. Aber darüber hinaus wäre auch eine Art „Roadmap“ schön gewesen. Unzählige Stunden kostete die Verwaltung die Organisation der Betreuung. Vor allem in der jährlichen Bedarfsabfrage bei den Eltern könnte man mithilfe eines Online-Tools Kommunen entlasten. Denn Oberdachtstetten ist mit seinen Problemen nicht allein.
Lösung: Zusammenarbeit mit Nachbargemeinden
Für das Personalproblem in der Betreuung hat Oberdachtstetten inzwischen eine Lösung gefunden. Die Nachbargemeinden Lehrberg und Colmberg können ebenfalls nicht alle verpflichtenden Ferienwochen personell abdecken. Die Idee: Man schließt sich mit der Ganztagsbetreuung zusammen und bietet sie im Wechsel an. Das würde auch für die Eltern keinen zu großen Aufwand bedeuten, weil die drei kleinen Orte im Landkreis Ansbach nahe beieinander liegen.

