Jedes zwölfte Unternehmen in Deutschland sieht den eigenen Fortbestand gefährdet. Das hat das Münchner ifo-Institut in einer breit angelegten Untersuchung ermittelt. Besonders angespannt ist die Lage demnach im Einzelhandel: Dort sehen sich 17,4 Prozent der Betriebe in ihrer Existenz bedroht. Im Hotel- und Gaststättengewerbe liegen die ifo-Werte sogar bei fast 20 Prozent. Auch Werbung und Marktforschung, Logistik, Bau und Teile der Industrie stehen unter Druck.
Experte zur Konjunktur: „Mehr als eine Schwächephase“
Im BR-Interview erläutert der ifo-Forscher Klaus Wohlrabe, dass es sich dabei „um eine Selbsteinschätzung der Unternehmen“ handle. Was genau „bedroht“ oder „Existenz“ bedeute, habe das ifo-Institut bewusst nicht vorgegeben.
Wohlrabe warnt deshalb vor einer zu engen Lesart der Umfrage. Nicht jedes Unternehmen, das in der Umfrage bei der Frage nach der Existenzbedrohung „Ja“ angekreuzt habe, stehe kurz vor der Insolvenz. Der Wert zeige jedoch eine schwierige wirtschaftliche Lage, „die über eine normale Schwächephase hinausgeht“.
Auch die amtlichen Insolvenzzahlen weisen auf eine angespannte Lage hin. Im Januar 2026 registrierten die Amtsgerichte 1.919 Insolvenzanträge, 4,9 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Besonders betroffen war das Gastgewerbe, gefolgt von Verkehr und Lagerei sowie dem Baugewerbe. Nicht erfasst sind Betriebe, die ohne Insolvenzverfahren schließen oder aus anderen Gründen aufgeben.
Mehr Insolvenzen – aber auch mehr Neugründungen
Diese Zahlen sprechen für sich – doch gleichzeitig gibt es eine zweite Bewegung: In Deutschland wird wieder mehr gegründet. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts entstanden 2025 rund 130.000 Betriebe mit größerer wirtschaftlicher Bedeutung, rund acht Prozent mehr als im Vorjahr. Insgesamt wurden rund 641.000 Gewerbe neu gegründet.
Auch im ersten Quartal 2026 setzte sich der Trend fort: Rund 38.000 größere Betriebe wurden neu gegründet, knapp drei Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Die Gesamtzahl der Neugründungen stieg sogar um mehr als zehn Prozent, auf rund 189.000.

